Gericht verurteilt Costa-Kapitän

Grossetto..  Gut drei Jahre nach dem „Costa Concordia“-Unglück mit 32 Toten ist der Kapitän Francesco Schettino zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Schettino habe sich unter anderem mehrfach der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht, erklärte der Vorsitzende Richter Giovanni Puliatti am Mittwochabend im toskanischen Grosseto. Zudem müssen der Kapitän und die Reederei Costa Crociere Schadenersatz in Millionenhöhe an Nebenkläger, darunter auch Opferfamilien, zahlen. Schettinos Anwälte kündigten Berufung gegen das Urteil an.

Der Kapitän war bei dem Urteilsspruch nicht anwesend, obwohl er das angekündigt hatte. Er habe Fieber, erklärten seine Anwälte. Eine sofortige Festnahme Schettinos ordnete das Gericht nicht an. Verurteilte müssen in Italien in der Regel nicht ins Gefängnis, bevor die Berufung durch ist.

Die Richter verurteilten ihn nun auch zu fünf Jahren Berufsverbot und dem lebenslangen Verbot, öffentliche Ämter auszuüben. Das Gericht machten den 54-Jährigen auch für das Herbeiführen einer Havarie und das vorzeitige Verlassen eines Schiffes während der Evakuierung verantwortlich.

Schettino hatte sich nach dem Unglück zuerst selbst gerettet und Tausende verzweifelte Menschen an Bord des Schiffes zurückgelassen. Als Grund nannte er, in eine Rettungsboot gefallen zu sein.

Überlebende der Katastrophe waren nicht zufrieden mit dem Urteil. „Sechs Monate Strafe für jeden Verstorbenen, aber für die Familien ist es nicht 16 Jahre sondern für immer. Wie kann ich mich fühlen, ich bin einfach nur traurig“, sagte die Französin Anne Decré .

Der Kapitän hatte immer wieder betont, dass vor allem seine Crew an dem Unglück schuld gewesen sei und er zum Sündenbock gemacht wurde. Schettino war der einzige Angeklagte in dem Mammutprozess und stand seit eineinhalb Jahren vor Gericht.

Vor der Verurteilung hatte sich Schettino unter Tränen verteidigt. „Mein Kopf wurde geopfert, um wirtschaftliche Interessen zu schützen“, beklagte er in seinen Schlussworten. Er sei in den Medien falsch dargestellt worden. „An diesem 13. Januar 2012 bin auch ich zum Teil gestorben“, sagte er. „Es ist schwierig, das ein Leben zu nennen, was ich lebe.“ Anschließend versagte dem Kapitän die Stimme.

Seit eineinhalb Jahren muss sich Schettino, der sich selbst als Sündenbock sieht, vor Gericht verantworten, hat fast keinen der rund 70 Verhandlungstermine verpasst. Auch in der Woche des Urteils ist er trotz Fiebers und Grippe im Gericht. Wie sonst auch sitzt er im Anzug neben seinen Anwälten in der ersten Reihe des zum Gerichtssaal umfunktionierten Theaters, tippt oft auf seinem Laptop herum. Schettinos schwarze Haare sind vielleicht etwas schütterer geworden, doch sonst ist er zumindest äußerlich noch immer der Mann, der nach der Havarie der „Costa Concordia“ mit 32 Toten als „Kapitän Feigling“ Schlagzeilen machte. Stets braun gebrannt, mit Sonnenbrille und selbstbewussten Schritten bewegt sich der 54-Jährige durch das Gericht, wo die Richter über sein Schicksal entscheiden.

Vor dem Urteil stieg in Grossetto die Anspannung

In der sonst eher verschlafenen Toskana-Stadt Grosseto steigt die Anspannung vor dem Urteil. Vor der Einfahrt zum Gericht hat sich eine Menschentraube aus Kamerateams und Fotografen gebildet, die Ankunft jedes Autos wird aufmerksam verfolgt. Die Straßen rund um das Theater, in dem der Prozess stattfindet, sind mit Übertragungswagen zugeparkt, im Zentrum ist kein freies Hotelzimmer mehr zu bekommen.

Die meisten Bewohner der Stadt haben sich aber an den Trubel gewöhnt, kaum einer bleibt mehr stehen und guckt.