George Michael dankt seinen Ärzten beim Olympia-Abschluss
13.08.2012 | 17:02 Uhr 2012-08-13T17:02:00+0200
London. Bei der Abschlussfeier der Olympischen Spiele widmete George Michael seinen Ärzten ein Lied. Der Sänger lag nach einer Lungenentzündung wochenlang auf Leben und Tod.
Noch immer hat George Michael diesen Swing in der Stimme, noch immer bewegt er die Hüften so geschmeidig, als wäre nichts gewesen. Dabei lag der Sänger vor geraumer Zeit noch im Koma. Was der Superstar auf Olympias furioser Abschlussfeier in Londons Nacht zeigte , war das Comeback eines Künstlers, dessen Stimme (und Hüftschwung) vor allem weibliche Fans in die Knie zwingt.
Noch im November sah es gar nicht gut aus. George Michael wurde nach einem Konzert auf seiner „Symphonica“-Tour in Wien mit schweren Herzbeschwerden in die Klinik gebracht. Sein Zustand war kritisch. Mehrere Wochen lag er auf Leben und Tod. Der Ex-Wham- Sänger („Last Christmas“) musste künstlich beatmet werden. Diagnose: schwere Lungenentzündung. Doch Michael erholte sich. Und was seine Stimme liefert, klingt fast nach einem kleinen Wunder. Nicht jedes Stimmband nimmt es wohl billigend in Kauf, wenn es von der Beatmungsmaschine gequält wird.
Ein Ständchen der Extraklasse
Von Quälereien war in London nichts zu spüren. Der gebürtige Brite, der an die Millionen Platten verkauft hat, der der Welt elf Nummer-eins-Hits, sieben Nummer-eins-Alben bescherte, wirkte gelöst, so gar nicht wie eh und je. Er trug dieses kleine bisschen Glück auf dem Gesicht, das einer trägt, der es geschafft hat. Da war dieses Lachen, sichtbar für Millionen, obwohl seine Augen versteckt hinter der dunklen Brille lagen.
George Michael (49), dieser Mann, dem kein Drogen-, kein Sex-Exzess fremd ist, der nicht nur einmal voll bedröhnt seinen Karren vor die Wand gefahren hat, bedankte sich nun in einem Ständchen der Extraklasse bei seinen Ärzten: „White Light“, helles Licht.
„Ich habe meine Wien-Erfahrung und das Glück der Chance auf ein neues Leben als Song formuliert“, sagte Michael gegenüber der österreichischen Presse.
Der unwahrscheinliche Bariton
Ob das der Weckruf ist, dem Leben eine neue Spur zu geben? Gut, Sex & Drugs, davon lebt die Show-Maschinerie; den Show-Star machen sie kaputt. Es waren ja nicht nur dunkle Seiten, die den Mann mit dem unwahrscheinlichen Bariton ins Licht der Öffentlichkeit katapultierten. Es waren Szenen, die einem Menschen die Würde nahmen. Vielleicht, weil er, der so gerne ein neuer Frank Sinatra geworden wäre, versuchte, seine Vorlieben für Männer zu verstecken. Erst 1998 bekannte er sich – gezwungenermaßen, als er sein unmoralisches Angebot auf einem öffentlichen WC los werden wollte und dabei an einen Polizisten geriet. Die Sachen, die man noch so hörte – je obszöner, je demütigender, desto besser fürs mediale Geschäft. Ob es das war, was diese Diva des Pop, die auf der schönsten Platte „Ladies & Gentlemen“ zeigte, zu welcher Opulenz, Sinnlichkeit und zu welchem Rhythmus seine Stimme fähig ist, erschütterte? Ohne Drogen schien sich der Mann nicht aus dem Haus zu wagen.
„Ich muss mir leider Gedanken darüber machen, warum mein Sexleben für andere Leute interessant ist“, fragte er sich einmal. „Liegt es daran, dass ich mich nicht für mein Schwulsein entschuldige? Oder liegt’s daran, dass mich Frauen faszinierend finden, obwohl ich schwul bin?“ Vielleicht bewirkt eine Beinahtod-Erfahrung ja auch, dass er sich nun anderen, wichtigeren Fragen stellen kann.

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