Fußballklub setzt Hooligan-Mamas als Ordner ein

Können Mütter ihre gewaltbereiten Söhne unter Kontrolle bringen? Ein brasilianischer Fußballclub hat das ausprobiert.
Können Mütter ihre gewaltbereiten Söhne unter Kontrolle bringen? Ein brasilianischer Fußballclub hat das ausprobiert.
Foto: imago
Was wir bereits wissen
Ein brasilianischer Fußballklub hat seine Problemfans unter Kontrolle gebracht. Mütter bekannter Hooligans standen als Ordnungshüter im Stadion.

Essen.. „Wenn du nicht aufhörst, sag ich's der Mama“. So drohen sich Spielkameraden im Sandkasten. Aber kann man auch richtig schweren Jungs damit kommen? Anscheinend schon. Ein brasilianischer Fußballclub hat im Stadion jetzt gegen Hooligans durchgegriffen. Mit Hilfe derer Mütter.

Wie das Fanmagazin 11 Freunde berichtet, hat der Fußballclub „Sport Club do Recife“ Mütter bekannter Hooligans im Derby gegen "Náutico" ins Stadion gestellt. Sie wurden als Ordnungshüter geschult, bekamen eine orangefarbene Warnweste mit der Aufschrift „Segurança Mãe“. Dann sind die "Security-Mütter" mit strengem Blick ans Werk gegangen. Ausschreitungen beim Spiel? Laut „Sport Club do Recife“ sind die ausgeblieben. Ausgedacht hat sich die Aktion die PR-Agentur Ogilvy, die einen Fernsehbeitrag zu dem Spiel auf YouTube online gestellt hat.

Können Mütter die Lösung sein?

So einfach ist das also? „Sollte in den Stadien der Mütterblock neben dem Familienblock eingerichtet werden?“, überlegt Fabian Weitkämper, Sprecher von Rot-Weiß Oberhausen – ausdrücklich mit Augenzwinkern. Die Nachricht regt die Fantasie an: Kaum ist die Mutti mit dabei, ist Ruhe im Stadion? Weitkämper sagt: „Ein lustiger Ansatz, aber sicher nicht die beste Lösung dieses Problems.“ Die Frage sei auch, ob die Mütter überhaupt kommen würden. Brasilianische Familien seien ja generell fußballbegeisterter, sagt er schmunzelnd.

Vor der Mama wird es peinlich

Fragen wir mal bei denen nach, die normalerweise für Recht und Ordnung sorgen: Die Idee habe durchaus Witz und Charme, findet Stephan Hegger von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW. Die Mütter hätten einen bemerkenswerten Vorteil gegenüber den Ordnungshütern, die sonst im Stadion im Einsatz sind: „Da reicht der Blickkontakt.“ Nach Außen könnten die Hooligans vielleicht mit Schlägen prahlen. Aber vor der eigenen Mutter würde es selbst denen wohl peinlich. „Ein mahnender Blick einer Mutter kann die Hitzköpfe dann vielleicht abkühlen und beruhigen.“

Auch GdP-Sprecher Hegger fasst den Vorschlag mit Augenzwinkern auf: „Fraglich, ob die Mütter der Hooligans noch in der Lage sind, ins Stadion zu kommen.“ Denn viele der Krawallmacher bei uns seien keine Heranwachsenden mehr: „Das sind Althohle, die sich mit fünfzig noch einmal prügeln wollen“, sagt Hegger. Eine lustige Vision hat er trotzdem: „Freikarten für die Mütter."

RWE spinnt die Idee weiter - Schnullis für die Rowdies

MSV-Sprecher Martin Haltermann aus Duisburg hätte da noch mehr Anwendungs-Ideen: „Vielleicht eine Lösung auch in anderen Bereichen. Schwarzfahrer oder Verkehrsrowdies benehmen sich in Begleitung ihrer Mütter vielleicht auch vorbildlicher.“ Bei ihm in Duisburg seien zwar immer viele Frauen und auch Mütter im Stadion, aber „nicht um aufzupassen, sondern, um das Spiel zu sehen“.

Ultras Auch bei Fortuna Düsseldorf hat Sprecher Kai Niemann privat von den Müttern im brasilianischen Stadion gehört: „Möglich, dass das dort klappt und die Hooligans sich vor ihren Mütter benehmen“. Er wünscht dem Konzept viel Erfolg. Rainer Mendel findet als Fan-Beauftragter des 1. FC Köln den Ansatz durchaus interessant: "Vielleicht sollten wir als deutsche Clubs uns das Ganze in Brasilien mal selbst anschauen.“

Rot-Weiss Essen sagt's ironisch

Und kommt man Rot-Weiss Essen mit der Mama-Idee, dann rennt man regelrecht offene Türen ein. Auf Anfrage teilt der Verein mit: „Wir haben in dieser Hinsicht natürlich schon viel unternommen. Mütter als Ordner einzusetzen ist eine von vielen Maßnahmen, die wir in der Erprobungsphase haben. Wir planen allerdings, die Mütter mit Mikrofonen auszustatten um über die Stadionlautsprecher auf ihre Rotzigen einwirken zu können. Wenn dann die Jungs mit den dicken Armen als Mausi, Putzelchen oder Schnuckelchen mit ihren Kosenamen ermahnt werden, wird die das sicherlich beruhigen. Sie erhalten flankierend von uns auch jeweils einen Schnuller und ein Lätzchen. Wir werden alternativ aber auch bei einem der nächsten Spielen einen FKK-Spieltag ausrufen. Gewaltorientierte Testosteronbolzen werden dann erkennen, dass dicke Arme nicht andere Defizite überdecken.“

So viel Fantasie ist nichts mehr hinzuzufügen.