Friedek will Schadenersatz für geplatzte Olympia-Teilnahme

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Was wir bereits wissen
Ex-Leichtathletik-Star Charles Friedek hat deutsche Sportfunktionäre auf Schadenersatz verklagt, weil sie ihm die Olympia-Teilnahme durchkreuzt haben.

Essen.. Das ist die Teilnahme an Olympia wert? Und was kostet es die deutschen Sportfunktionäre, wenn sie einem Athleten das Ticket für die Spiele verweigern? Noch nie wurde so eine Frage geklärt. Jetzt entscheidet der Bundesgerichtshof unter dem Aktenzeichen II ZR 23/14 .

Am 21. Juli verhandeln die obersten Richter über die Schadenersatzklage des heute 43 Jahre alten Dreisprung-Weltmeisters Charles Friedek. Er fordert vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) 133 500 Euro , weil ihm die Funktionäre die Olympiateilnahme in Peking 2008 vermasselt haben.

Friedek geht es um entgangene Sponsorengelder

Für den ersten deutschen Weltmeister mit schwarzer Hautfarbe, der 1999 mit 17,59 Meter Weite den Titel im Dreisprung holte, geht es gar nicht so sehr um die Summe oder die entgangenen Sponsorengelder, wie er immer wieder betont.

[kein Linktext vorhanden] Dass sieben Jahre nach dem umstrittenen Qualifikationslauf auf einer Kampfbahn in Wesel und mehreren Prozessen vor Frankfurter Gerichten Karlsruhe das letzte Wort hat, ist viel mehr für die künftige, schon heute durch umstrittene Doping-Entscheide wie im Fall Pechstein angeschlagene Autorität des DOSB entscheidend. Sprechen die roten Roben Friedek einen Schadenersatz zu, würde das System der eigenständigen Sportgerichtsbarkeit einen nächsten Schlag verkraften müssen.

Streit um Norm für Olympia-Teilnahme

Es ist der 25. Juni 2008, ein Mittwoch. Der gebürtige Gießener Friedek ist sich sicher, heute die Olympianorm zu knacken, als er am Niederrhein zum Dreisprung antritt. Die Nominierungsrichtlinien 2008 des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV), so hat er das jedenfalls gelesen, lassen zwei Möglichkeiten zu, die olympiataugliche Norm zu erreichen: Entweder holt er in der A-Norm direkt 17,10 Meter. Alternativ gibt es die B-Norm. Sie legt fest: „Zwei Mal 17 Meter“ reichen. Friedek spurtet los – und schafft im Vorkampf 17 Meter, im Endkampf eine Weite von 17,04 Meter. Er ist sicher: Das ist das Ticket.

Doch die Rechnung ist ohne den DLV, der das Vorschlagsrecht hat, gemacht. Die Funktionäre brechen einen Streit um die Nominierungs-Richtlinien vom Zaun. Sie behaupten: Die Anforderungen der B-Norm müssten in zwei verschiedenen Wettkämpfen erreicht werden. Da dies im Fall des Dreisprung-Weltmeisters nicht der Fall war, schlagen sie dem DOSB den Kandidaten nicht für Peking vor.

Richtlinien sind nicht eindeutig

Friedek, der lange für Leverkusen angetreten ist, setzt sofort aufs Ganze. Er will nicht mehr mit den Laufschuhen ins Ziel, sondern mit Paragraphen. Am 19. Juli 2008 erwirkt er beim Deutschen Sportschiedsgericht einen vorläufigen Schiedsspruch, der den DLV zum Nominierungs-Vorschlag zwingt. Der beugt sich zwar dem Spruch. Aber jetzt mauert der Olympische Sportbund. Er akzeptiert die erzwungene Nominierung nicht, und die nächsten juristischen Instanzen werden für Charles Friedek zum nächsten Hürdenlauf. Am Ende schlagen sich Land- und Oberlandesgericht in Frankfurt auf die Seite der Nein-Sager. Die Zeit wird zu knapp. Friedek muss die Teilnahme in Peking abhaken.

Eine Polemik Erst eineinhalb Jahre später gewinnt er das Hauptverfahren des Sportschiedsgerichts. Das stellt fest: Der DLV sei im Sommer 2008 verpflichtet gewesen, dem DOSB die Nominierung des Dreispringers vorzuschlagen. Tatsächlich haben die Leichtathletikfunktionäre ein Problem. Die Richtlinien, auf die sie sich berufen, sind nicht eindeutig. Kann die B-Norm in zwei Sprüngen eines Wettkampfes erfüllt werden - oder muss das an zwei Terminen passieren?

Die Funktionäre haben inzwischen argumentiert, die Auslegung sei ihre Sache. Friedeks Rechtsvertreter spricht dagegen von einer „Monopolentscheidung“. Die Endspurt wird spannend. Genau die wird mit dem Umweg über den Schadenersatz angegriffen.