Frankreich räumt Frauen mehr Platz in der Ruhmeshalle ein

Der französische Präsident Francois Hollande räumt dem weiblichen Geschlecht im Panthéon mehr Platz ein.
Der französische Präsident Francois Hollande räumt dem weiblichen Geschlecht im Panthéon mehr Platz ein.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Bisher war das Pariser Pantheon fast nur prominenten Männern vorbehalten. Nun setzte die Regierung ein Zeichen der Gleichberechtigung.

Paris.. Die Widmung kann als der Beweis für eine gewisse Engstirnigkeit gelesen werden – jedenfalls aus heutiger Sicht. „Den großen Männern, das dankbare Vaterland“ heißt es auf der Fassade des Pariser Panthéons. Und ein Hort der Gleichberechtigung ist Frankreichs Ruhmeshalle in der Tat nicht: Bisher wurden unter der das quirlige Quartier Latin beherrschenden Kuppel des Mausoleums fast nur Männer begraben.

71 „große Franzosen“ sind im Panthéon versammelt, darunter die Schriftsteller Victor Hugo und Voltaire, der Philosoph Jean-Jacques Rousseau oder der Erfinder der Blindenschrift Louis Braille. Nur zwei der 71 sind Frauen.

Grund genug für Staatspräsident François Hollande, dem weiblichen Geschlecht ein ganz klein wenig mehr Platz im Panthéon einzuräumen. Mit großem Pomp wurden Mittwoch die sterblichen Überreste von zwei Widerstandskämpferinnen des Zweiten Weltkriegs in den Ruhmestempel überführt. Mit Germaine Tillion und Geneviève de Gaulle-Anthonioz, so betonte Hollande, wolle er alle Frauen würdigen, die im Untergrund gegen die Nazi-Besatzer gekämpft und dafür nie eine Anerkennung erhalten haben.

Wer als nächstes im Panthéon einziehen darf war lange unklar

Die 2008 im Alter von 100 Jahren verstorbene Ethnologin Germaine Tillion hat eine der ersten, von ihr gegründeten Gruppen der „Résistance“ angeführt, die zahlreichen Gefangenen der Gestapo zur Flucht verhalf. Geneviève de Gaulle-Anthonioz, eine Nichte des früheren Staatspräsidenten Charles de Gaulle, überlebte wie Tillion die Lagerhaft im KZ und kämpfte bis zu ihrem Tod 2002 als Vorsitzende eines Obdachlosenvereins gegen Armut und Ausgrenzung.

Die Frage, wer als nächstes ins Panthéon einziehen sollte, hatte die Franzosen monatelang beschäftigt. In der öffentlichen Debatte waren übrigens ganz andere Namen favorisiert worden. Die Feministin Simone de Beauvoir etwa oder die schwarze Tänzerin und Anti-Rassismus-Aktivistin Josephine Baker.