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Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt

21.03.2009 | 00:01 Uhr
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt

Bonn/München. Ob zu Weihnachten oder zum Geburtstag - ein eigenes Haustier steht für viele Kinder ganz oben auf dem Wunschzettel. Doch selten bedenken Eltern und Kinder, dass selbst kleine Tiere viele Jahre leben und in dieser Zeit viel Geld kosten.

 «Lebenskosten und die Aufwendungen für das jeweilige Zubehör sind dabei deutlich höher als die Anschaffungskosten», sagt die Münchner Tierärztin Elke Deiniger von der Akademie für Tierschutz im Deutschen Tierschutzbund.

Beim Hund beträgt die Lebenserwartung durchschnittlich 14 Jahre. In diesen 14 Jahren gibt sein Besitzer mindestens 11 000 Euro für den Vierbeiner aus, wie eine Analyse der Akademie für Tierschutz ergeben hat. Die Anschaffungskosten liegen zwischen 200 Euro für einen Vierbeiner aus dem Tierheim bis zu mehreren tausend Euro für eine seltene Rasse oder ein Tier vom Züchter. Die Basiskosten für Napf, Körbchen, Leine und Spielzeug belaufen sich auf 150 bis 300 Euro. Nicht zu vergessen sind aber die jährlichen Kosten wie Hundesteuer, Haftpflichtversicherung, Futter, Impfung, mehrmalige Entwurmung und Parasitenbehandlung. «Insgesamt kommen hierfür jedes Jahr 700 Euro zusammen», sagt Tierärztin Elke Deiniger. Ein weiterer Posten seien Extraausgaben: Vor allem Tierarztbesuche bei Krankheiten können teuer werden. Zu bezahlen sind auch Kastration oder der Besuch der Hundeschule.

Tierfutterbranche profitiert

Foto: Arnold Rennemeyer

In mehr als einem Drittel aller Haushalte in Deutschland werden Tiere gehalten, hat der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) ermittelt. Insgesamt leben hier über 23 Millionen Heimtiere. Katzen führen die Beliebtheitsskala der tierischen Mitbewohner an, auf Platz zwei folgen die Vierbeiner mit der kalten Schnauze. Davon profitiert eine ganze Branche. Der Umsatz im Heimtierbedarfs-Markt für Fertignahrung und Zubehör lag im Jahr 2007 bei 3,3 Milliarden Euro, wie der IVH meldet.

Auch Katzen verursachen Kosten

Eine Katze lebt etwa 16 Jahre. Wer sie aus dem Tierheim holt, zahlt zirka 100 Euro, für Rassekatzen werden sogar bis zu 2000 Euro fällig. Im Frühling und Herbst sind kleine Bauernhofkatzen oft auch kostenlos zu bekommen. Doch auch diese Stubentiger brauchen Napf, Körbchen, Kratzbaum, Katzentoilette, Spielzeug und eventuell ein Balkonnetz oder ein Katzentürchen für den Ausgang ins Freie. «Hier müssen Katzenhalter einmalig mit 150 bis 500 Euro Kosten rechnen», sagt Tierärztin Elke Deiniger, die für den Deutschen Tierschutzbund das Handbuch «Kleine Heimtiere - Artgerechte Haltung im Tierheim und Zuhause» mit verfasst hat. Für Futter, Impfung, Entwurmung, Parasitenbehandlung und das Einstreu für die Katzentoilette werden aber jedes Jahr 500 Euro fällig. Sonderkosten wie Tierarztbesuche sind hier noch nicht eingerechnet. «In 16 Jahren kostet eine Katze ihren Halter mindestens 9000 Euro», so Deiniger.

Zunächst sei der realistische und kritische Blick auf die Kosten unumgänglich, erklärt auch Michael Schnabel vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München, der sich wissenschaftlich mit dem Thema Haustiere und Kinder beschäftigt. «Der Wert eines Haustieres kann nicht mit Heller und Pfennig aufgewogen werden. Und doch haben sich die Summen für ein Pferd, einen Hund oder eine Katze auf den ersten Blick ganz schön ausgewachsen», so Schnabel. Viele wissenschaftliche Untersuchungen könnten aber auch zeigen, dass Haustiere für die Entwicklung der Kinder viele Vorteile erbringen. «Pflege und Betreuung eines Tieres verlangen vom Kind Pflichtbewusstsein und Ausdauer und zugleich bieten sich viele Lernchancen und Erfahrungsmöglichkeiten», benennt Schnabel die Vorteile der Tierhaltung.

Anschaffung sollte gut überlegt sein

Die Anschaffung eines Tieres sollte aber nie spontan erfolgen: «Tierhalter müssen sich vorher überlegen, dass sie ein Tierleben lang Verantwortung haben», sagt Elke Deiniger. Meerschweinchen und Kaninchen sind zwar klein, die wenigsten wissen aber, dass diese Nager bis zu zehn Jahre leben. Weil sie Herdentiere sind, müssen mindestens zwei Artgenossen zusammen gehalten werden. Sie kosten beim Kauf pro Tier etwa 20 Euro. Für Käfig, Napf, Wasserflasche, Häuschen, Spielzeug, Heuraufe, Buddelkiste für Kaninchen und im Idealfall ein Freigehege werden insgesamt 100 bis 300 Euro fällig. Die jährlichen Kosten für Futter, Heu, Stroh, Einstreu, Parasitenbehandlung, Krallenschneiden und Zahnkontrolle liegen nach Berechnungen der Akademie für Tierschutz bei 140 Euro. Zwei Meerschweinchen oder zwei Kaninchen kosten im Laufe ihres Lebens ihren Halter zusammen mindestens 1600 Euro.

Mit drei Jahren hat der Goldhamster verglichen mit anderen Heimtieren eine eher kurze Lebenserwartung. Er kostet in der Zoohandlung zehn Euro. Als Einzelgänger sollte er alleine gehalten werden. Für einen großen Käfig, Häuschen, Napf, Wasserflasche, Laufrad, Heuraufe, Klettermöglichkeiten und Buddelkiste kommen bei Anschaffung aber rund 200 Euro hinzu. Jährliche Kosten für Futter, Einstreu, Heu, Stroh, Hamsterwolle und Sand aus Zoofachhandel machen etwa 50 Euro aus. Elke Deiniger rechnet vor: «Damit belaufen sich die Gesamtkosten für einen Goldhamster auf mindestens 300 Euro.» (ddp)

DerWesten

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Kommentare
24.03.2009
15:47
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von Nadine23 | #14

Wer kein Geld, keine Zeit, keine Liebe etc geben kann, soll die Finger von Tieren lassen !!!
Ich selber hab 5 Wellis und 3 Rennmäuse (+6 babies/nachwuchs). Alles sind immer bestens versorgt.
Ich finde, dass es so was wie Kontrollen geben sollte wie die Tiere gehalten werden und gepflegt werden !

22.03.2009
11:26
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von Antonietta | #13

Vor dem Kauf eines sogenannten Rassetieres sollte bedacht werden, daß möglicherweise eine Qualzüchtung unterstützt wird.

Die Zucht von Katzen unterliegt dem Diktat von Modetrends und Rassestandards. Wie bei Hunden verlangt man bei Katzen nach niedlichen, rundköpfigen und stupsnasigen Tieren. Der Preis ist auch hier der gleiche, wie das Beispiel der Perserkatze zeigt. Der runde, breite Kopf der Katzenwelpen erschwert die Geburt und die Tiere haben Atembeschwerden. Bei der Rex-Katze ist das Zuchtziel eine abnorme Verringerung des Fells. Extremes Beispiel ist die Linie English-Rex. Da außerdem die Schnurhaare stark verkürzt sind, ist der Tastsinn der Tiere eingeschränkt. Bei den Manx-Katzen fehlt der Schwanz, zusätzlich leiden sie unter Muskel- und Nervenschädigungen.

Tiere, die nicht überzüchtet sind oder eine gesunde Promenadenmischung, die im Tierheim auf ein neues Zuhause wartet, werden mehr Freude bereiten.

www.tierheimlinks.de

20.03.2009
14:04
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von fields | #12

Jau, im Grunde privat versichert. Es soll ja auch eine Krankenversicherung für Tiere geben. aber die springt ja auch nicht für alles ein. Habe mich aber auch noch nicht richtig darüber erkundigt. Ich würde für meine Hunde auch alles tun, obwohl man auch abschätzen muss, ob Operationen bei einem alten Tier nicht zuviel Risiken bergen, wegen der Narkose z.B. Katzen werden ja im ganzen richtig alt. So wie ich gerade gelesen habe, 21 Jahre, Respekt. da ist der Kater von HR noch richtig jung. Aber wenn es mal soweit ist vergehen auch die vielen Jahre wie im Flug. Nur wenn ein Hund schon über 12 ist( unser älterer Hund) sind auch die Narkoserisiken extrem hoch. Aber lieber im Voraus keine schlimmen Sachen herbeireden.

20.03.2009
13:07
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von HR | #11

Wir haben einen 14Jahre alten Kater. Dieser mußte an der Blase operiert werden.
Die Tierarztkosten belaufen sich in Summe auf 950,-€. Dabei hatte eine Tierärztin eine Rechnung von 300,-€ kassiert mit fascher Diagnose. Fazit:
Wir lieben unser Tier und sind froh, dass es wider gesund ist. Aber die Tierärzte schlagen ganz schön zu. Das kann sich bald keiner mehr erlauben.!!!

20.03.2009
11:14
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von M.M. | #10

Also, die 21 Jahre mit meinem Mäusemeister waren mir jeden Pfennig/Cent wert.

20.03.2009
09:27
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von fields | #9

@8
Ihr Artikel gefällt mir. Ich denke auch so.
Stimmt, ein Rüde von uns hat auch eine lebenslange Allergie, die Kosten sind jetzt noch nicht so hoch, aber Folgeschäden können aufgrund der jetzigen Medikamente vorkommen. Aber das muss ich wissen, bevor ich mir ein Tier anschaffe. Schlimm finde ich nur, wenn man sein Tier in zig Jahren abgibt, wenn es dann älter und anfälliger für Krankheiten wird. Ich glaube, dass es in vielen Fällen nicht unbedingt finanziel bedingt ist. Viele ersetzen ihren treuen Gefährt durch einen Welpen. Was ich einfach nicht nachvollziehen kann.

20.03.2009
08:15
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von thatsawonder | #8

Guten Morgen,

ich denke auch, dass die Tierarztkosten häufig unterschätzt werden. Nicht nur diese, sondern auch die Kosten von Medikamenten und z. B. Physiotherpaie sowie gutes Futter!
Wir haben drei Hunde. Zwei davon sind chronisch krank. Kosten für Medikamente monatlich = 50 Euro. Physiotherapie 25 Euro monatlich. Futterkosten, Pflege und weitere Tierarztkosten dazu addieren. Wir sind froh, dass wir unseren Hunden die beste Versorgung geben können, weil sie zu unserer Familie gehören. Das ist aber auch nur möglich, weil wir über die finanziellen Ressouren verfügen. Fakt ist: Tierartzkosten sind horrend. Tiere sind Privatpatienten, so lassen sich die Tierärtze das auch bezahlen. Mir tun die vielen Menschen leid, wo das Tier eine Stütze in ihrem Leben ist, sie begleiten, therapieren, ihnen die Einsamkeit ersparen. Sie können oft nicht den Tieren das geben, was sie brauchen. Hier hoffe ich, dass der eine oder andere Tierarzt auch mal die Augen zudrückt und nicht die dicke Kasse machen will.
VG

19.03.2009
21:22
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von Shinji-Chibi | #7

Das Problem ist aber, das viele wirklich nicht an die Kosten und die Verantwortung denken, wenn sie sich (spontan) ein Tier anschaffen.
Das sind dann meistens die Tiere, die man dann bei Ferienbeginn am Autobahnparkplatz findet.

19.03.2009
18:18
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von fields | #6

Geld für ein Tierarzt muss schon da sein, Tiere empfinden Schmerzen genauso wie Menschen. Da ist der Gang zum TA unvermeidbar, abgesehen vom Üblichen wie impfen, entwurmen usw. Gehört ja auch zum Wohlbefinden.Ich möchte meine beiden Labis auch nicht missen. Die gehören einfach zur Familie!

19.03.2009
14:20
Folgekosten für Haustiere werden oft unterschätzt
von SuppeWirdNurHeißGekocht | #5

Darum geht es doch gar nicht. Es gibt tatsächlich Leute, die sich unüberlegt Tiere anschaffen und dann nicht zum Tierarzt gehen, weil sie kein Geld dafür haben ...

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