Flugzeug streift Brücke – dramatischer Absturz in Taiwan

Das Flugzeug stürzt in einen Fluss.
Das Flugzeug stürzt in einen Fluss.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Mit einer Tragfläche krachte der Passagierflieger gegen eine Brücke und ein Taxi. Autofahrer konnten den Trümmerteilen noch soeben ausweichen.

Taipeh..  Plötzlich taucht ein bulliges Flugzeug hinter den Hochhäusern auf, trudelt nur wenige Meter an einem Wohnkomplex vorbei und rast auf die Hochstraße zu. Auf den Aufnahmen der Autokamera ist im nächsten Moment zu sehen, wie die Tragflächen sich nach links neigen, bis sie quasi senkrecht in der Luft stehen. Die untere Tragfläche des Flugzeugs schlägt gegen einen Brückenpfosten der Hochstraße, die Maschine stürzt in einen Fluss. Die Autofahrerin kann den umherfliegenden Trümmerteilen gerade noch ausweichen.

„Ich konnte es selbst kaum glauben“, wird die sichtlich noch immer schockierte Autofahrerin später im taiwanesischen Fernsehen sagen. Wäre die Maschine nur wenige Meter tiefer geflogen, hätte die Tragfläche höchstwahrscheinlich auch das Auto mitgerissen.

Für viele der Insassen der Maschine verlief der Absturz dennoch tödlich. Um 10.52 Uhr Ortszeit war der Flug GE235 der taiwanesischen Fluggesellschaft TransAsia von Songshan gestartet, dem Stadtflughafen der Millionenstadt Taipeh. Nur wenige Minuten später setzte der Pilot nach Angaben der Flugsicherung den Notruf „Mayday, Mayday – Triebwerksausfall“ ab. Daraufhin verlor sich der Kontakt. Das zweimotorige Turboprop-Verkehrsflugzeug vom Typ ATR-72 hatte 53 Menschen an Bord, darunter neben der fünfköpfigen Crew auch vier Kinder.

Zunächst berichteten die taiwanesischen Medien, die meisten Passagiere hätten überlebt. Denn erste Bilder, die über Twitter an die Öffentlichkeit gingen, zeigten Überlebende, die es selbst schafften, aus der abgestürzten Maschine zu steigen und im Wasser auf die Rettungskräfte warteten. Der Fluss ist an dieser Stelle seicht.

Schwere Hebung des Wracks

Die Opferzahl stieg bis zum späten Nachmittag jedoch immer weiter an, und auch viele der Überlebenden sind verletzt, einige von ihnen schwer. „Diejenigen, die im Vorderteil des Flugzeugs saßen, haben wahrscheinlich nicht überlebt“, hieß es. Die Maschine habe sich beim Aufprall kopfüber ins Flussbett gebohrt. Deshalb lasse sich das Wrack nur schwer aus dem Wasser heben.

Die Fluggesellschaft teilte mit, dass 31 Passagiere aus der Volksrepublik China kommen. Als Teil einer Reisegruppe waren sie auf der Rückreise nach Xiamen, einer Stadt auf dem chinesischen Festland direkt gegenüber der Insel Taiwan.

Die Firmenleitung von TransAir entschuldigte sich am Nachmittag vor laufender Kamera mit einer tiefen Verbeugung und versprach, alles ihr Mögliche zu tun, um zur Aufklärung des tragischen Unglücks beizutragen.

Zweites tödliches Flugzeugunglückinnerhalb von zwei Jahren

TransAir dürfte in den kommenden Tagen dennoch unter enormem Druck stehen. Denn es handelt sich bereits um das zweite tödliche Flugzeugunglück für die taiwanesische Fluggesellschaft innerhalb kurzer Zeit.

Erst im Juli vergangenen Jahres stürzte während des Anflugs auf die Insel Penghu ebenfalls eine Turboprop-Maschine über einem Wohngebiet ab, 48 Menschen kamen damals ums Leben.

Aber auch das französisch-italienische Herstellerkonsortium Avions de Transport Régional (ATR) wird sich rechtfertigen müssen. Der Chef der taiwanesischen Luftfahrtbehörde, Lin Tyhming, erwägt bereits, Flugzeuge des Typs ATR 72 nicht mehr starten zu lassen.