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Flüchtlingsfamilie schließt totgeglaubten Sohn in die Arme

07.03.2016 | 14:35 Uhr
Flüchtlingsfamilie schließt totgeglaubten Sohn in die Arme
Mutter Schockria gibt ihrem Sohn Mahdi Rabani in der Ankunftshalle des Flughafens von Hannover einen Kuss. Es ist der erste nach einer mehr als ein Jahr andauernden Odysee von Hoffnung und Verzweiflung. Foto: dpa

Hannover.  Auf der Bootsüberfahrt nach Lesbos verliert eine Flüchtlingsfamilie ihren zehnjährigen Sohn. Ein Jahr später endet für ihn die Odyssee.

Als die afghanische Flüchtlingsfamilie Rabani im Flughafen Hannover von Kameras und Reportern umringt wird, drücken die Eltern ihren Sohn Mahdi eng an sich – fast so, als fürchteten sie, dass der Zehnjährige wieder verloren gehen könnte. In der Ankunftshalle A endet am Montag eine einjährige Odyssee. Bei der Überfahrt nach Griechenland ging Mahdi Anfang 2015 verloren. Nach banger Suche glaubten seine Eltern, er sei ertrunken. Sie gelangten ohne ihn nach Niedersachsen. Ein Helfer des Deutschen Roten Kreuzes in Uelzen spürte den Zehnjährigen schließlich in der Schweiz auf, wohin er sich mit einer anderen afghanischen Familie durchgeschlagen hatte.

„Ich bin sehr glücklich und freue mich, dass ich meine Eltern wiedersehen kann“, sagt Mahdi nach der Landung. Er könne es kaum erwarten, alle seine Geschwister wieder zu sehen – nur der jüngste Bruder Yussuf (8) ist mit zum Flughafen gekommen und schaut ihn stolz an. „Das Gefühl ist unbeschreiblich“, sagt Mutter Schockria. „Ich bin sehr glücklich und froh, dass das Rote Kreuz uns geholfen hat.“ Nun hofft sie auf eine gute Zukunft für den wiedergefundenen Sohn und will, dass er schnell in die Schule kommt.

Unbeschreibliche Wiedersehensfreude: Flüchtlingsjunge Mahdi Rabani trifft zum ersten Mal nach einem Jahr auf Mutter Schockria, Vater Ibrahim und Bruder Yussuf (v.l.). Foto: dpa

Vater Ibrahim strahlt. „Die Zeit für uns war sehr schwer“, sagt er. „Wie fühlt es sich an, wenn man ein Kind verliert und denkt, es ist gestorben?“ In Bad Bodenteich, wo die Familie einquartiert ist, soll Mahdi nun schnell in der Schule angemeldet werden – und auch im Fußballverein: In den Monaten in der Schweiz hat er bereits großes Talent mit dem Ball bewiesen.

Suche in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Nach der Landung der Maschine aus Zürich kommt Mahdi mit einem Begleiter als letzter über die Gangway. Noch vor seinen Eltern schließt ihn hier Flüchtlingsbetreuer Rani Hijazi (27) in die Arme. Das ist der Mann, der das Unvorstellbare erst möglich gemacht hat und den kleinen Mahdi wiederfand. Im Flüchtlingslager hatte ihm eine von Mahdis Schwestern vom Leid der Familie und dem verlorenen Sohn erzählt. „Die Eltern haben ihn totgeglaubt“, erzählt Hijazi sichtlich bewegt. Erst forschte er in Deutschland und Österreich nach, dann in der Schweiz.

„Ich habe gewusst, dass viele aus Afghanistan in die Schweiz weiterreisen, weil das Bleiberecht dort besser ist.“ Im Kanton Bern wird er schließlich fündig. „Wie ist das Gefühl, den Eltern das Kind wiederzugeben?“, fragt er. Es ist seine Art, den Moment zu beschreiben, in dem er die gute Nachricht überbringen konnte.

Mahdis Schicksal und das der anderen Flüchtlinge, denen Hijazi hilft, ist ihm eine Herzensangelegenheit. Am eigenen Leib erfuhr, wie schwierig es als Fremder fernab der Heimat ist. Seine Eltern flohen aus dem Libanon nach Deutschland. „Ich bin in Holzminden groß geworden, das ist schwer gewesen, sich zu integrieren, aber irgendwann habe ich es geschafft.“ Deshalb will Hijazi jetzt den Menschen helfen, gerade Jugendlichen. „Das Wichtigste“, sagt er, „ist gegenseitige Akzeptanz.“ (bk/dpa)

Kommentare
07.03.2016
16:31
Flüchtlingsfamilie schließt totgeglaubten Sohn in die Arme
von Kaksonen | #1

Ich war elf Jahre alt, als ich im Sommer 1945 in Prag von meiner Familie (Mutter und Schwester; der Vater war in Kriegsgefangenschaft) getrennt wurde....
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1 Antwort
Flüchtlingsfamilie schließt totgeglaubten Sohn in die Arme
von nasowat | #1-1

Meine Großmutter flüchtete Anfang 1945 mit ihren Geschwistern aus den Masuren. Auf dem Weg zu der an der Ostsee liegenden Gustloff wurden sie mehrfach von Soldaten missbraucht und sie verloren sich.
Auf die Gustloff kam meine Großmutter dann nicht mehr, aber hatte das Glück wenig später mit der Deutschland nach Hamburg zu kommen und mußte auf See miterleben wie die Gustloff versenkt und tausende Menschen in der einskalten Ostsee ertranken.
In Deutschland bettelte sie sich durch und lernte zum Glück meinen Großvater kennen.
Ihre Geschwister und ihre Eltern hat sie nie wiedergesehen.
Wenige Jahre vor ihrem Tod fuhr sie noch einmal in die Masuren und besuchte das ehemalige Gehöfft ihrer Familie und stellte in der Nähe ein Kreuz in Genken an sie auf.

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Flüchtlingsfamilie schließt totgeglaubten Sohn in die Arme
Flüchtlingsfamilie schließt totgeglaubten Sohn in die Arme
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2016-03-07 14:35
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