Florian Silbereisen - Warum Volksmusik Auslaufmusik wird

Florian Silbereisen präsentiert am Samstag „Die Besten im Sommer“.
Florian Silbereisen präsentiert am Samstag „Die Besten im Sommer“.
Foto: ARD/MDR/Thorsten Jander
Was wir bereits wissen
„Feste der Volksmusik“ feiert der bayerische Gaudibursch schon lange nicht mehr. Am Samstag stellt er „Die Besten im Sommer“ vor. Was sich geändert hat und warum...

Leipzig.. Als Florian Silbereisen als Moderator auf ein großes Publikum losgelassen wurde, im Februar 2004, bat er zu „Festen der Volksmusik“. Seit geraumer Zeit veranstaltet der bayerische Gaudi-Bursch nur noch „Feste“ oder präsentiert, wie am Samstagabend, jahreszeitlich verortet, „Die Besten im Sommer“ (ARD, 20.15 Uhr).

Die Titeländerung ist mehr als Kosmetik. Sie steht für eine Richtungsänderung. Das lehrt ein Blick auf Silbereisens Gäste. Ob Semino Rossi, Jürgen Drews, Hansi Hinterseer, Beatrice Egli, Matthias Reim, Andy Borg oder – zum letzten Mal zu sechst – Voxxclub: Die Macher der Sendung lassen die Grenzen zwischen Volksmusik und Schlager bewusst verschwimmen. Oder anders: Volksmusik pur, so scheint es, ist im Fernsehen heutzutage nicht mehr angesagt. Stellt sich die Frage, warum.

Beim „Stadl“ liegt der Altersschnitt bei 68

Bei der Suche nach den Ursachen lohnt ein Blick auf das Publikum von Volkmusikshows. Das Paradebeispiel ist natürlich der „Musikantenstadl“. Vor gut 20 Jahren war die Jodel-Sause ein echter Publikumsrenner. Die alpine Brauchtumspflege lockte im Durchschnitt 7,5 Millionen Zuschauer. Als sich Moderator Andy Borg vom „Stadl“ verabschiedete, mochten ihm nur noch vier Millionen bei der Arbeit zusehen.

ARD Und noch etwas: Reine Volksmusik-Show schließen junge Leute de facto aus. Wer sich zuletzt noch für den musikalischen Aufgalopp im „Stadl“ interessierte, war durchschnittlich 68 Jahre alt. Damit liegt der Schnitt acht Jahre höher als beim Gesamtpublikum von ARD und ZDF.

Und die Jungen bleiben weg

Die Frage lässt sich natürlich auch umkehren. Sie lautet dann: Wie viele jüngere Leute sehen sich denn überhaupt ein krachledernes Spektakel an? Antwort: Die Zahl jüngerer Volkmusik-Anhänger ist recht übersichtlich. Insgesamt vier Millionen „Stadl“-Fans entsprechen in der Regel von einem Marktanteil von gut 14 Prozent. Die Quote bei den unter 60-Jährigen schrumpft auf 3,8 Prozent, und bei den unter 50-Jährigen liegt sie gar bei mickrigen 2,3 Prozent.

Wenn also die Fernseh-Gewaltigen das volkstümliche Programm verjüngen wollen, meinen sie keineswegs die Moderatoren. Andy Borg ist mit 54 Jahren im besten Fernsehalter, und Florian Silbereisen geht mit seinen 33 Jahren noch als jünger Hüpfer durch.

Das Internet bietet leider keinen Ausweg

Die Programm-Entscheider verfolgen also ein ganz anderes Ziel. Entweder sie buchen Volksmusiker, deren Liedgut problemlos als Schlager durchgeht, oder aber sie setzen gleich auf englischsprachige Songs. Diesen Weg verfolgt Carmen Nebel, die Silbereisens Vorgängerin bei den „Festen der Volksmusik“ war. Wenn es im Zweiten „Willkommen bei Carmen Nebel“ heißt, präsentiert die 58-Jährige alles andere als eine Schunkel-Show. Vielmehr tischt sie heutzutage ein Leipziger Allerlei populärer Musikstile auf, selbst mit leichter Klassik fremdelt sie nicht.

Bleibt die Frage: Welche Zukunft hat die Volksmusik? Das hängt davon ab, ob die Fans den Weg ins Internet finden. Bisher war das kaum der Fall. Als Andy Borg bei Facebook seine Anhängerschar mobilisieren wollte, kam er gerade mal auf gut 5000 „Gefällt mir“-Daumen. Zum Vergleich: Schlagersänger Matthias Reim kommt bei Facebook auf rund 237.000 Fans.