Film-Legende Christopher Lee tot – der ewige Bösewicht

Schöne Frauen, lange Beißer: Christopher Lee wäre beinahe für immer „Dracula“ geblieben.
Schöne Frauen, lange Beißer: Christopher Lee wäre beinahe für immer „Dracula“ geblieben.
Foto: imago stock&people
Was wir bereits wissen
Der britische Schauspieler hatte Biss – nicht nur als Vampir. Christopher Lee legte eine Langzeit-Karriere hin, die ihres Gleichen sucht. Immer war er Schurke.

London..  Was als Segen begann, endete schließlich als Fluch: Christopher Lee wurde in den 50ern als „Dracula“ zu einer Film-Ikone, die der Angst des Publikums in Zeiten des Kalten Krieges Gesicht und Stimme gab. Sieben Mal verkörperte der britische Schauspieler den blutsaugenden Untoten. Ab Mitte der 70er weigerte sich der gebürtige Londoner, den Fürsten der Finsternis zu spielen. Doch „Dracula“ haftete an Lees Image wie ein festgetretener Kaugummi an der Schuhsohle – bis zuletzt. Wie die britische Zeitung „The Guardian“ meldete, erlag der Künstler am Sonntag im Alter von 93 Jahren Atemnot und Herzproblemen.

Lee kam am 27. Mai 1922 als Spross einer Offiziersfamilie zur Welt. Während des Zweiten Weltkriegs diente er bei der Royal Air Force und beim britischen Nachrichtendienst. Doch in der Nachkriegszeit setzte sich offensichtlich das künstlerische Erbe mütterlicherseits durch. Lees Urgroßmutter Marie Carandini sang Opern.

Filmproduzenten wollten Lee wegen seiner stattlichen Körpergröße von 1,96 Meter zu einer Heldenfigur im Polizeidienst aufbauen. Daraus wurde nichts. Dem Publikum blieb der Mann mit dem dunklen Haar, den schwarzen Augen und der sonoren Stimme vor allem als Schurke im Gedächtnis.

Zunächst bildete Lee gemeinsam mit Peter Cushing und Vincent Price auf der Leinwand ein Trio des Schreckens. Die Drei wurden gern gemeinsam besetzt – zumal sie sich auch privat bestens amüsierten. Das Dreigestirn des Horrors parodierte schließlich das eigene Image im „Haus der langen Schatten“ von 1982.

Ein Alchimist der Leinwand

Zuvor war es Lee mit knapper Not gelungen, sich aus der Endlosschleife von Gruselfilmen zu befreien und sich für andere Kino-Genres zu empfehlen. „Ich mag keine Schubladen“, erklärte er einmal bei einem Fachgespräch in Duisburg. Allerdings musste der Künstler in Kauf nehmen, bei nahezu allen Projekten als Finsterling besetzt zu werden – etwa als „Der Mann mit dem goldenen Colt“. Als Gegenspieler von „James Bond“ Roger Moore verkörpert Lee in dem Agenten-Thriller von 1974 einen Auftragskiller namens Francisco Scaramanga.

Die 80er und 90er liefen für den mediterran wirkenden Hünen nicht übermäßig erfolgreich. Dennoch wirkte Lee zuweilen wie ein Alchemist des Kinos: Es gelang ihm selbst in Nebenrollen immer wieder, Müll in Gold zu verwandeln.

Ein bemerkenswertes Comeback feierte der Mime erst zu Beginn des neuen Jahrtausends. In der „Herr der Ringe“-Trilogie schuf er als böser Zauberer Saruman eine weitere Ikone der Pop-Kultur. Folgerichtig war Lee auch in dem ebenfalls dreiteiligen „Herr der Ringe“-Ableger „Der Hobbit“ zu sehen.

Auf seine alten Tage wurde er zum Held einer jungen Kino-Generation

Lee machte in der Spätphase seines Schaffens nicht nur in mythischer Vergangenheit, sondern auch in den Science-Fiction-Abenteuern der „Star Wars“-Reihe eine gute Figur. Count Dooku gehört als Bösewicht zu den tragenden Gestalten von „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ und „Die Rache der Sith“.

Die Präsenz in diesen Kino-Hits machte den graubärtigen Darsteller unvermutet zum Helden der jungen Film-Generation. Lee zog daraus clevere Konsequenzen. Der ausgebildete Opernsänger entsagte der Klassik. Stattdessen wandte er sich einem Genre zu, das den meisten Mitgliedern seiner Generation Ohrenschmerzen bereitet: Er firmierte als Heavy-Metal-Sänger – beispielsweise im Verein mit der Starkstromband Manowar.

Voreilige Nachrufe in der britischen Presse am 31. März 1993 ignorierte Lee. Als „Dracula“ war er Kummer gewohnt.