Das aktuelle Wetter NRW 17°C
Sportrechte

Fernseh-Sender buhlen um TV-Recht für Biathlon

14.02.2013 | 14:35 Uhr
Fernseh-Sender buhlen um TV-Recht für Biathlon
Die deutsche Biathletin Miriam Gössner hebt den Daumen nach dem Anschießen. Biathlon ist attraktiv im Fernsehen - jetzt vergibt der Biathlon-Verband erstmals die TV-Rechte für die Übertragungen.Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Köln/Hamburg.   Zum ersten Mal schreibt der Verband IBU die TV-Rechte für die populäre Wintersportart Biathlon aus. ARD und ZDF haben sie. RTL will sie. Egal wer den Zuschlag erhält: Die Ausstrahlungsrechte dürften deutlich teurer werden.

Bei den morgendlichen Quoten-Bilanzen zaubert ein Programm-Angebot den Verantwortlichen von ARD und ZDF immer wieder aufs Neue Glanz in die Augen: Biathlon. In diesen Tagen erreichen die Skijäger sogar besonders gute Marktanteile um die 25 Prozent. Bis zum kommenden Sonntag noch tragen sie ihre Weltmeisterschaft in Tschechien aus (Freitag, ZDF, 17.05 Uhr). Dennoch ist die Freude der Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr ungetrübt. Vor kurzem begann ein Poker um die künftigen Ausstrahlungsrechte. Neben ARD und ZDF interessiert ein zahlungskräftiger Mitbieter um die attraktiven Rechte: der Kölner Privatsender RTL.

Die Internationale Biathlon-Union (IBU) betritt mit der Ausschreibung Neuland. Sie organisiert zum ersten Mal ein Wettbieten um die Rechte. „Wir werden uns sicher darum bemühen“, erklärte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer ließ sich immerhin entlocken, Biathlon sei „eine sehr attraktive und telegene Wintersportart und deshalb grundsätzlich eine interessante Option“. Ähnlich bewerten Sportrechte-Agenturen wie Infront und Sportfive das Treiben der Skijäger.

Biathlon-Verband vergibt Sportrechte ab Saison 2014/15

Die IBU vergibt die Rechte für Fernsehen, Internet und Mobilfunk ab Saison 2014/15. Der Vertrag soll eine Laufzeit von vier Jahren haben. Das Paket beinhaltet unter anderem Weltcup-Rennen und Weltmeisterschaften. Publikum dafür gibt auch jenseits der Pisten in Hülle und Fülle. „Die Übertragungen von der Biathlon-WM im Ersten“, frohlockte ARD-Sprecherin Swantje Lemenkühler vor kurzem, „lagen trotz fehlender deutscher Erfolge auf gewohnt hohem Niveau.“

Das Publikum mag an dem Sport – so jedenfalls sieht es die Internationale Biathlon-Union – den Mix aus Langlauf am körperlichen Limit und Schießen mit äußerster Konzentration. Dazu kommt, dass die Regeln des Wettbewerbs als klar und einfach wahrgenommen werden. Obendrein war Biathlon für ARD und ZDF bisher ein billiges Vergnügen. Zwölf Millionen Euro pro Jahr gelten als Schnäppchen-Preis. Zum Vergleich: Der Bundesliga-Fußball kostet die Öffentlich-Rechtlichen insgesamt pro Saison knapp 130 Millionen Euro.

Wie viel die Rechte künftig kosten, steht dahin. Niemand mag sich ins Blatt schauen lassen. „In einem Bieterverfahren werden wir natürlich aus Wettbewerbsgründen nicht sagen, was wir ausgeben können“, erklärte der ARD-Vorsitzende und NDR-Intendant Lutz Marmor erst vor wenigen Tagen. Die ARD rechnet sich gute Chancen aus. Das hat damit zu tun, dass die IBU die Rechte in einem einzigen weltweiten Paket vergeben will. Das kommt der Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender in Europa (EBU) entgegen. Sie kann die Rechte problemlos an ihre 74 Mitglieder in 56 Staaten weiterreichen.

Lesen Sie auch:
ARD und ZDF zahlen 71 Millionen für Olympia

Die Rechte an der Übertragung der Olympischen Spiele kosten ARD und ZDF angeblich je 71 Millionen Euro. Die ARD spricht von einem vertretbarem Betrag, will die genannte Zahlen aber nicht kommentieren. Ferner soll die ARD das ZDF wegen des Erwerbs der Champions-League-Rechte kritisiert haben.

RTL hingegen müsste die Lizenzen für das Geschäft außerhalb von Deutschland weitervermarkten. Besser wäre der Kölner Privatsender dran, wenn er die Rechte einer Sportagentur abkaufen könnte. Der ARD-Vorsitzende Marmor denkt derweil schon einen Schritt weiter. Für den Fall des Rechteerwerbs kündigt er mehr Transparenz an: „Was wir aus vertraglicher Sicht offenlegen können, sollten wir offenlegen.“

Jürgen Overkott


Kommentare
Aus dem Ressort
Massaker auf Flüchtlingsboot? Bis zu 181 Tote vor Lampedusa
Flüchtlingskatastrophe
Auf einem Flüchtlingsboot vor der italienischen Insel Lampedusa sind laut unterschiedlichen Angaben bis zu 181 Menschen ums Leben gekommen. Augenzeugenberichten zufolge haben sich zahlreiche Passagiere auf dem überfüllten Boot bei einem Kampf um einen Platz an Deck gegenseitig umgebracht.
Die letzte Fahrt der Costa Concordia hat begonnen
Havarie-Schiff
Und sie bewegt sich doch: Die Costa Concordia hat am Mittwoch ihre letzte Fahrt angetreten, von der toskanischen Insel Giglio zum Verschrotten in Genau. Als das von Schleppern gezogene Wrack ablegte, kamen bei vielen Schaulustigen Emotionen hoch.
Warum das Baden in der Ostsee zurzeit so gefährlich ist
Ostsee
Die Zahl der Badetoten an der Ostseeküste steigt. Allein am vergangenen Wochenende kamen 16 Schwimmer ums Leben. Hinzu kommen etliche Gerettete in den vergangenen Wochen. Einige Strandbesucher springen immer noch ins kühle Nass - trotz roter Flaggen. Sie gefährden dadurch nicht nur sich selbst.
47 Tote bei missglückter Notlandung im Unwetter auf Taiwan
Flugzeug-Absturz
In Taiwan sind am Mittwoch 47 Passagiere bei einer missglückten Notlandung ums Leben gekommen. Die Ursache für den Absturz der kleinen TransAsia-Maschine ist noch nicht bekannt - zuvor war ein heftiger Taifun über die Insel gefegt.
Kein Vertrauen - Mollath-Verteidiger müssen weiter machen
Prozess
Paukenschlag im Prozess gegen Gustl Mollath: Die Wahlverteidiger geben ihr Amt auf. Angeblich fehlt dem Angeklagten das Vertrauen. Doch Mollath zeigt sich überrascht — und das Gericht findet schnell eine Lösung: Die Wahlverteidiger werden zu Pflichtverteidigern.
Umfrage
Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?

Das Beispiel ist krass: Ein 23-Jähriger wird auf Facebook einer Vergewaltigung bezichtigt — aber er ist unschuldig. Wurden Sie schon Opfer von Facebook-Hetze oder Mobbing?