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Facebook-Aktion im Selbstversuch - Anna will Chefin werden

18.02.2013 | 11:18 Uhr
Facebook-Aktion im Selbstversuch - Anna will Chefin werden
Volontärin Anna Blaswich tritt mit der Facebook Like-Aktion an: "Wenn ich eine Million Likes sammle, werde ich für einen Tag Chefredakteur bei WAZ.de."Foto: Daniel Elke

Essen. Update, Januar 2014: Aus aktuellem Anlass - der Facebook-Eintrag zur Aktion wird zurzeit offenbar wieder massiv weitergereicht - die Info: Die Aktion ist inzwischen abgeschlossen. Anna Blaswich hat ihr Volontariat erfolgreich beendet.

Täglich gibt es neue Facebook-Aktionen. Like-Sammler lassen sich allerhand einfallen, um mit Hilfe der geballten Facebook-Nutzerschaft ihre Wünsche durchzusetzen. Das möchte ich auch, und dafür habe ich meinen Chef herausgefordert: Wenn ich eine Million Likes sammle, werde ich Chefredakteurin für einen Tag.

Papa will dir keinen Hund kaufen? Deine beste Freundin möchte nicht mit dir schlafen? Deine Schwester ist nicht ganz davon überzeugt, dass Megatron der ideale Name für ihr Baby ist? Diese Probleme waren bisher nur schwer zu lösen. Papa konnte man höchstens mit guten Noten und selbstgemalten Bildern überzeugen, die beste Freundin mit Blumen und Komplimenten locken, die werdende Mutter könnte man vielleicht mit Heldengeschichten über den Transformer für die Sache begeistern.

Heute gibt es zum Glück Facebook. Das Soziale Netzwerk hilft beim Überzeugen. Nicht mit guten Argumenten, aber mit Masse an Unterstützung. Kinder bekommen für eine Million gesammelte Likes ein Hundebaby, Jungs genug Stimmen, um die beste Freundin mit ins Bett zu nehmen, und Onkel die Macht über die Namenswahl von Neffe oder Nichte.

Die Macht der Facebook-Likes

Das Phänomen breitet sich aus. Großes Aufsehen erlangten die beiden Mädchen aus Boston. Sie wünschten sich nicht mehr als ein Hundebaby. Papa war nicht ganz überzeugt und stellte eine Bedingung: Die Mädchen sollten für ihre Idee eine Million Likes bei Facebook sammeln. Die Cornell-Schwestern malten ein Schild mit dem Aufruf: "Hallo Welt, wir wollen einen Welpen haben! Unser Papa hat gesagt, wir bekommen einen, wenn wir eine Million Likes sammeln. Also gebt diesem Foto ein Like!"

Das posteten sie auf ihrer eigens angelegten Seite "Twogirlsandapuppy", und schon wenige Stunden später hatten die Mädchen die Millionengrenze geknackt. Papa gab nach und kaufte den überglücklichen Mädels Hundebaby Millie. Auf der Seite erzählen die Cornell-Kinder seitdem von Erlebnissen und dem Alltag mit dem neuen Familienmitglied.

Auf diesen Zug sprang der 20-jährige Norweger Petter Kverneng auf. Er wettete mit seiner besten Freundin Catherine: "Wenn ich eine Million Likes sammeln kann, dann schläft sie mit mir." Sein Post verbreitete sich rasend schnell durchs Internet, und so erreichte auch er die eine Million Likes. Mit Catherine ins Bett ging es dann aber letztendlich doch nicht. "Es war alles nur ein Scherz. Ich dachte nicht, dass ich es schaffe."

Abgesehen von, ob der Wettgewinn auch eingelöst wird und wie geschmackvoll oder geschmacklos solche Wetten sind: Der Erfolg dieser Like-Sammelaktionen ist riesengroß. Und die Bandbreite ist es ebenso.

Kann ich das auch schaffen?

Ich bin Volontärin bei der WAZ, zur Zeit arbeite ich bei unserem Onlineportal WAZ.de. Hier begegnen mir regelmäßig Like-Sammler-Aktionen. Sie sind nicht nur ein Weg, um zu bekommen, was man sich wünscht, sondern auch eine Möglichkeit, mit vielen Leuten in Kontakt zu kommen. Warum es solche Aktionen gibt, leuchtet mir also absolut ein. Doch mich interessiert vor allem eine Frage: Warum sind diese Like-Sammler so erfolgreich? Wie schaffen es wildfremde Menschen, Tausende derart zu beeindrucken, begeistern oder zu belustigen, dass die sich für ihre Sache, ihr Vorhaben einsetzen und ihren digitalen Daumen heben?

Und vor allem: Kann ich das auch?  Einen Versuch ist das doch wert, denke ich. Um die Macht der Internetnutzer - Eure Macht - zu demonstrieren, entstand deshalb folgende Idee: Ich versuche auch, eine Million Likes zu sammeln.

Mit dem Vorhaben stieß ich in der Redaktion zunächst auf nettgemeintes Lächeln. Jaja, mach du mal. Mit den Geschichten von den Cornell-Mädchen, die innerhalb weniger Stunden die Stimmen für ihren Hund zusammen hatten, konnte ich dann aber nach und nach das Team auf meine Seite ziehen. So hatte ich die analoge Like-Aktion schon einmal gemeistert.

Das Ziel: Der Einzug ins Chef-Büro

Für einen Hund habe ich keine Zeit, ich bin glücklich in einer Beziehung, und ein Kind erwarte ich auch nicht. Ein Thema muss also noch gefunden werden. Unser Online-Chefredakteur Thomas Kloß ist sicher: Ich schaffe das eh nicht. Er ist sich sogar so sicher, dass er seinen Posten darauf verwettet. Und damit ist die Sache rund: „Mein Chef sagt, wenn ich eine Million Likes bekomme, räumt er sein Büro und lässt mich einen Tag lang Chefredakteurin sein.“ Also Volontärin dem Chef Konkurrenz machen? Den Mutigen gehört die Welt!

Wettet gegen seine Volontärin: Online-Chefredakteur Thomas Kloß

Endlich könnte ich bestimmen, welche Themen ins Portal kommen, in der Konferenz hätte ich das Sagen, und für die Mittagspause könnte ich mir eine Hängematte im Büro sehr gut vorstellen. Damit das auch klappt, braucht es natürlich einiges an Vorbereitung. Ich mache mich auf die Suche nach einem Experten, der mir das Phänomen erklären kann. Ich telefoniere mich von Medienpsychologe zu Sozialforscher, doch die Like-Aktionen sind zwar bekannt, aber anscheinend noch nicht als wissenschaftliches Thema.

Nach vielen Recherche-Enden finde ich dann aber doch die Frau, die sich auskennt, die mir helfen kann, die Expertin auf dem Gebiet: Tina Ganster ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Fachgebiets „Sozialpsychologie: Medien und Kommunikation“ an der Universität Duisburg-Essen. Und sie schreibt ihre Doktorarbeit zum Thema Facebook und das Konzept der "Likes". Perfekt.

Zunächst einmal die Ernüchterung. "Warum ein Projekt Erfolg hat und Massen an Reaktionen hervorruft und ein anderes völlig ins Leere läuft, kann man nicht wirklich erklären. Das hängt von den Nutzern, dem Umständen, den Verbreitern ab", sagt Ganster. Schade. Auch das Argument, dass "Kinder und Tiere immer ziehen", kann ich für mein Thema nicht nutzen.

Die Tipps von der Expertin

Doch auch für mich hat Tina Ganster einige wertvolle Tipps: Ich soll freundlich und sympathisch sein. Das kriege ich hin, freundlich kann ich gut. Ich nehme Pakete für meine Nachbarn entgegen und behalte sie auch dann nicht heimlich. Ich biete meinen Platz Omas und Opas in der Bahn an, und an der Kasse lasse ich Leute mit zwei Teilen vor. Außerdem lächle ich und grüße - auch fremde Menschen.

Authentisch soll ich sein. Echt, wahr und erreichbar. Bin ich. Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mich antwittern - da heiße ich @anna_blaswich. Falls das mit dem Chefredakteurs-Job klappt, bin ich gespannt auf eure Themenvorschläge für die Konferenz. Aber erst mal muss das mit der Million klappen. Also: Schenkt mir Euer Like und helft mir, meinen Chef zu entmachten. Und ihn zu übrzeugen, dass eine Hängematte im Büro eine gute Idee ist.

Anna Blaswich


Kommentare
20.02.2013
16:04
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Name von Moderation entfernt | #21

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20.02.2013
16:04
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Name von Moderation entfernt | #20

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19.02.2013
12:36
Bester Kommentar bei Facebook
von unverstaendnis | #19

Direkt bei Facebook wird in den Kommentaren zu dem Foto auch heftig diskutiert. Wobei mir dieser Kommentar am Besten gefällt - ich mache es mir mal einfach: Strg+C; Strg+V:
"ca. 8000 "Likes" an einem Tag (bis jetzt, am ersten Tag)... das würde bedeuten, die 1 Mio-Marke wird in ca. 125 Tagen (ca. am 24.06.) erreicht - läuft dann das Volontariat noch... !? Im Übrigen gehe ich allerdings davon aus, dass der "Run" abebben wird und damit die Klickzahlen pro Tag... Also wird es eher noch später bis zum Millionsten "Like"-Klick..." - Gefällt mir ! :-)

19.02.2013
11:53
Es sinkt: Das Niveau !
von unverstaendnis | #18

Ich kann mich nur den Vorrednern anschließen, die meinen dass das Niveau von derwesten.de (und auch der Printausgabe) weiter sinkt...
Was steckt wohl hinter diesem Artikel... ? Aufmerksamkeit erregen + "Likes" gewinnen. Tritt dies ein kommt es zu einem "Schneeball-Effekt": Der "Like"-Klick erscheint bei den FB-Freunden auf der Startseite - und wer interessiert sich nicht für eine "arme" Volontärin, die mal die Chefposition übernehmen könnte...!? Also wird der Artikel auf derwesten.de angeklickt - und natürlich ge"like"t. Mit dem Ergebnis, dass der "Schneeball-Effekt" weitergeführt wird - und: Die Klickzahlen für derwesten.de steigen und steigen. Und das ist der Punkt ! Wie verdient derwesten.de Geld ? Durch Werbung ! Wer schaltet Werbung auf einer Seite mit niedrigen Klickzahlen ? (Fast) Keiner ! Wie kriegt man quasi kostenlos höhere Klickzahlen........ ?! Ich wünsche für Frau Blaswichs berufliche Zukunft nur das Beste - und hoffe, dass sie weiß, welches Spiel gespielt wird...

18.02.2013
20:12
Facebook-Aktion im Selbstversuch - Anna will Chefin werden
von DKoenig | #17

Erstaunlich was hier an Kommentaren gestrichen wurde. Wenn hier Neo Nazis ihre Gewalttaten verherrlichen würden, oder sich hier die Leute gegenseitig beleidigen, dann würde ich das verstehen. Aber bei so einem Thema so zu "schnippeln", einfach unbegreiflich. Ja die WAZ ist die beste Zeitung der Welt die Aktion ist super Klasse, Facebook ist das beste Netzwerk der Welt, hier ist alles spitze.

1 Antwort
Facebook-Aktion im Selbstversuch - Anna will Chefin werden
von Moderation | #17-1

Wie Sie sehen können, wurden kritische Kommentare nicht "geschnippelt". Es gibt nur eine Grenze, die wir den ewigen Nörglern irgendwann auch einmal aufzeigen müssen.

Da Sie sich leider gerade erst registriert haben, kommen Sie etwas zu spät zur Party - also nicht aufregen, wenn wir schon etwas aufgeräumt haben ;-)

Gruß

18.02.2013
18:16
@Schorlemme | #15
von Eduard79 | #16

Sie mögen Recht haben mit ihrer Aussage, doch Sie beachten bei Ihrer Argumentation eines nicht: StudiVZ und andere soziale Netzwerke sind nicht deshalb "out", weil die Menschen so etwas nicht mehr mögen/wollen, sondern weil sie von Anfang an eine schlechte Kopie von Facebook waren.

Deswegen hat deren Untergang keinerlei Bedeutung für die Zukunft von sozialen Netzwerken im Allgemeinen.

18.02.2013
17:44
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Name von Moderation entfernt | #15

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18.02.2013
17:14
Facebook-Aktion im Selbstversuch - Anna will Chefin werden
von Eduard79 | #14

Sie (die Redaktion) berichten hier lediglich über eine Situation, die von Ihnen selbst geschaffen wurde. Dreimal dürfen Sie raten, welche Art von Journalismus sich normalerweise solcher Methoden bedient. Fängt mit "B" an.

Super wäre es auch von Anna, wenn sie ihre Artikel fehlerfrei online stellen könnte. Sowas interessiert die Internetgemeinde heute ja auch nur noch peripher, aber als zukünftige Chefredakteurin sollte man das schon können.

18.02.2013
16:57
Facebook-Aktion im Selbstversuch - Anna will Chefin werden
von berufskollege | #13

Hallo liebe WAZ,
ich weiß zwar nicht, warum mein Kommentar gestrichen worden ist. Ich habe niemanden beleidigt, habe mich nur kritisch über das Niveau der WAZ geäußert und die Meinung vertreten, dass zwischen der WAZ und der FAZ ("Quality Press") ein großer Unterschied besteht, weil die WAZ allmählich auf BILD Niveau absinkt. Mehr stand da nicht drin. Ich habe aber wegen Ihrer Aktion beschlossen, das Abo Ihrer Zeitung zu kündigen. EInfach nur peinlich. SIe können diesen Kommentar meinetwegen wieder streichen.

1 Antwort
Facebook-Aktion im Selbstversuch - Anna will Chefin werden
von Schorlemme | #13-1

Ihr Kommentar wurde nicht gestrichen. Manchmal muss man die Seite neu aufrufen um seinen vorher geschriebenen Kommentar zu finden.

ansonsten haben Sie zu 100 % Recht

18.02.2013
16:48
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Name von Moderation entfernt | #12

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1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #12-1

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