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Experten sprechen nach Tod eines infizierten Babys von Schlamperei

21.10.2012 | 16:32 Uhr

Nach dem Tod eines Babys infolge einer Infektion in einer Berliner Klinik kritisieren Experten Verstöße gegen Hygienestandards. Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Klaus-Dieter Zastrow, sprach von Fehlern und "Schlamperei". Nach Darstellung der Berliner Gesundheitsverwaltung werden die zuständigen Behörden prüfen, ob gesetzliche Vorschriften verletzt wurden.

Berlin (dapd-bln). Nach dem Tod eines Babys infolge einer Infektion in einer Berliner Klinik kritisieren Experten Verstöße gegen Hygienestandards. Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, Klaus-Dieter Zastrow, sprach von Fehlern und "Schlamperei". Nach Darstellung der Berliner Gesundheitsverwaltung werden die zuständigen Behörden prüfen, ob gesetzliche Vorschriften verletzt wurden.

Der schwer kranke Säugling ist offenbar in der Berliner Charité, wo er zunächst behandelt wurde, mit einem Darmkeim infiziert worden, wie eine Sprecherin des Klinikums am Samstag mitteilte. Anschließend wurde er im Deutschen Herzzentrum operiert und starb dort nach erfolgreichem Eingriff an einer Blutvergiftung. Die genaue Ursache sei noch offen. Es handelt sich nach Charité-Angaben aber nicht um multiresistente Keime, denen in Bremen im vergangenen Jahr mehrere Frühchen erlegen waren.

Vor knapp zwei Wochen wurde am Campus Virchow der Charité eine Häufung sogenannter Serratien-Erreger festgestellt. Diese Bakterien gehörten nach Angaben der Sprecherin bei vielen Menschen zur Darmflora, stellten in der Regel kein Risiko dar und seien mit Antibiotika gut behandelbar. Bei Patienten mit eingeschränkter Immunabwehr und bei extrem unreifen Frühgeborenen oder schwerstkranken Neugeborenen könnten sie allerdings Infektionen verursachen.

Für schnelle Bewertung zu früh

"Ob es nun Serratien oder andere Keime sind - wenn ordentlich desinfiziert wird, kann es keine Probleme geben", sagte Zastrow der "Berliner Morgenpost" (Sonntagausgabe). So eine Infektion sei "immer ein Hygienefehler und kein wundersames Unheil von oben". Zastrow plädierte dafür, Mitarbeiter zu entlassen, wenn sie in einer Klinik bekanntermaßen regelmäßig gegen die Hygiene-Vorschriften verstießen.

Aus Sicht der Grünen ist es dagegen für eine voreilige Bewertung des jüngsten Falles zu früh. Jetzt müsse erst einmal alles getan werden, um ein weiteres Ausbreiten zu verhindern, sagte Gesundheitsexperte Heiko Thomas. Die Entstehung von Keimen lasse sich nicht verhindern. Es komme aber darauf an, wie mit ihnen umgegangen werde. Allerdings fordern auch die Grünen ein strengeres Hygienemanagement in Berliner Krankenhäusern.

Die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Franciska Obermeyer, sagte auf dapd-Anfrage, das Gesundheitsamt Mitte als zuständige Behörde werde prüfen, ob es Schwachstellen gegeben habe. Seit Juni gelte in Berlin eine Hygieneverordnung, die nach der Novellierung des Bundes-Infektionsschutzgesetzes erlassen wurde. Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) hatte sich am Freitagabend bei einem Treffen mit allen beteiligten Seiten über den aktuellen Stand informiert. Der Senator nehme die Vorfälle "sehr ernst" und lasse sich ständig unterrichten, sagte Obermeyer.

Schutzmaßnahmen eingeleitet

Nach der Feststellung eines gehäuften Keimbefalls am 8. Oktober leitete die Charité laut eigenen Angaben umgehend Schutzmaßnahmen ein und untersuchte alle Patienten der Neonatologie auf die Erreger. Der Zustand der sieben kranken Babys habe sich durch die Therapie stabilisiert und verbessert, sagte die Sprecherin. Bei weiteren 15 Frühchen wurde der Keim nachgewiesen, ohne dass es zu einer Erkrankung kam. Die Frühchenstationen am Campus Mitte sind nicht betroffen.

Die Charité stoppte inzwischen die Aufnahme für zwei Frühgeborenenstationen am Virchow-Klinkum. Diese vorbeugende Maßnahmen solle weitere Infektionen verhindern, sagte die Sprecherin. Das Gesundheitsamt sei umgehend durch die Krankenhaushygiene des Klinikums informiert und die kranken Patienten seien isoliert worden.

dapd

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