Ex-WDR-Intendant Nowottny wirbt für Nazi-Briefmarken
07.09.2009 | 11:24 Uhr 2009-09-07T11:24:00+0200Essen. Der bekannte politische TV-Journalist und ehemalige WDR-Intendant Friedrich Nowottny distanziert sich wenig glaubwürdig von einer zweifelhaften Werbekampagne eines Braunschweiger Händlers für zackige Wehrmachts-Propaganda. Von den Nazi-Marken will Nowottny im Nachhinein nichts gewusst haben.
Wohl kalkuliert verschickte der Briefmarkenhändler Borek zum 70. Jahrestag des Überfalls auf Polen tausende Werbebriefe für 13 Marken mit kriegsverherrlichenden Motiven der Nazi-Propaganda. Angepriesen wird der Satz „Heldengedenktag 1944” von Friedrich Nowottny, dem ehemaligen WDR-Intendanten und ARD-Vorsitzendem, bekannt geworden als Moderator von 1000 Sendungen des TV-Dauerbrenners „Bericht aus Bonn”.
Ebenso zerknirscht wie genervt
Der renommierte politische Journalist, geboren 1929 im heute polnischen Oberschlesien, gibt sich im Gespräch mit dieser Zeitung ebenso zerknirscht wie genervt: „Geht das jetzt schon wieder los.” Eine Agentur habe ihn vor rund anderthalb Jahren angefragt, ob er Werbung für den großen Braunschweiger Briefmarkenversender Richard Borek machen würde. Kurz darauf erschien die erste Kampagne. Die einzelnen Marken kenne er, obwohl selbst Briefmarkensammler, nicht. „Ich habe das leichtfertig gemacht und nicht auf eine einmalige Verwendung beschränken lassen.” Bei dem abgebildeten Foto von ihm handele es sich um eine Montage. „Die Krawatte und der Anzug sind nicht von mir.” Das ist allerdings ein übliches Verfahren.
Auch der ihm in dem Werbebrief zugeschriebene, verharmlosende Text stamme nicht von ihm. Darin heißt es: „Helfen Sie, die Erinnerung an diesen schicksalhaften Teil der deutschen Geschichte an unsere Enkelkinder weiterzugeben.” Direkt unter Nowottnys Bild ist ein Reichspfennig abgebildet, auf dem das Hakenkreuz nur so weit abgedeckt ist, das es noch zweifelsfrei zu erkennen bleibt. Experten sehen die Briefmarkenszene grundsätzlich von einer sehr unpolitischen Betrachtungsweise der Nazi-Diktatur geprägt.
Unternehmen will Nowottny informiert haben
Dass seine Person nicht mehr für die zweifelhafte Werbung verwendet wird, „das habe ich auch schon angemahnt”, sagte Nowottny dieser Zeitung. Ähnlich hatte er sich schon im April gegenüber einem Rundfunksender geäußert. Doch der Borek-Geschäftsführer Bernd Assert „weiß nichts davon”. Und: Nowottny könne jederzeit von der Vereinbarung zurücktreten. Eingekauft habe man ihn - im Raum steht eine Summe von ca. 25 000 Euro - als in der Werbebranche so genanntes Testemonial für das Gebiet „Deutsches Reich”. Borek hätte Nowottny über die Agentur alle Briefe stets vorgelegt.
Da erscheint Nowottnys Aussage, er denke an rechtliche Schritte gegen Borek, als wenig glaubhaft. Auf jeden Fall weiß der preisgekrönte Medienprofi (Goldenes Schlitzohr 1986) nun, worum es geht. Er hat bestätigt, seinen jüngsten Werbebrief von uns nach Hause gefaxt bekommen zu haben.
17:20
Das ganze ist doch lächerlich
21:53
#keinplatzfürdoofnazis
wo rede ich in meinem Kommentar von verteufelt?
Werde mich trotzdem nicht zu Bemerkungen hinreissen lassen, die in einem persönlichen Angriff auf Sie enden.
Diese Art der persönlichen Verunglimpfung überlasse ich den Nazikeulenschwingern.
14:10
Nachtrag: Nun kenne ich ihn. Hat der Händler also evtl. genau gewusst, was er tat und wie die Medien darauf anspringen werden?
Stichwort: Virales Marketing
14:04
@Matthias Witte: Schon mal Briefmarken gekauft/bestellt? Wie genau kommen Sie darauf, das die Bezeichnung schön hier auf die Interpretation des Bildinhaltes hinweist?
Normalerweise wird damit der Erhaltungsstand der Marken beschrieben. Wobei allerdings die Beschreibung mit schön auch viel Spielraum lässt. So etwas macht ein seriöser Händler nicht und diesen Borek kannte ich bis jetzt garnicht.
13:52
Der wahre Skandal an der Sache ist, dass ein ehemaliger Intendant offensichtlich so wenig Pension erhält, dass er sich für seinen Lebensunterhalt so einer dubiosen Sache andienen muss.
13:22
Es handelt sich wohl um Mi-Nr. 873-885
Motivbeschreibung:
Sturmboot, Kettenrad, Fallschirmjäger, U-Boot Kommandant, Granatwerfer der Waffen-__, Scheinwerfer, MG-Schützen, Jagdpanzer, Schnellboot, Seeaufklärer, Eisenbahngeschütz, Nebelwerfer, Gebirgsjäger.
Obwohl ich seit langer Zeit (sporadischer) Sammler bin, so was kommt mir nicht ins Haus!
Da war aber der Herr Nowottny schon sehr naiv, wenn er als Briefmarkensammler nicht weis wofür er da Werbung macht.
Und zum Thema Wertanlage: Dieser Bereich fängt für mich bei echt gelaufener (geflogener?) Zeppelinpost an. Leider reichen dafür meine Mittel nicht aus.
Im Berliner Museum für Kommunikation (Postmuseum) kann man übrigends unten in der Schatzkammer einige Highlights bewundern.
12:57
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12:55
Nazi-Marken als Dokumente: ja! Aber wer auf www.Borek.de geht, stellt fest, dass die Fa. Borek schon eine eigenartige Vorliebe für diese Marken hat:
Da wird ein Flugpostsatz mit Adler vor aufgehender Hakenkreuzsonne offen gezeigt und mit den Worten: herrlicher Flugpostsatz kommentiert. Oder die Marken des Generalgouvernements (mehrheitlich Naziadler-Überdrucke auf polnischen Briefmarken und Hitlerköpfe etc.) als attraktiv gestaltet bezeichnet.
Oder eine Propagandaserie mit Bauwerken mehrheitlich aus okkupierten Gebieten (Österreich, CSR) schlicht als Marken mit deutschen Bauwerken bezeichnet etc. etc.
Das scheint mir dann doch eine verdächtig unreflektierte Rezeption dieser Nazi-Propaganda.
11:19
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11:18
Wir kennen den Mann doch lange genug. Es ist unmöglich, daß er Nazis unterstützen wollte, es muß ein Mißverständnis oder Unaufmerksamkeit gewesen sein.