Ex-Pfleger erwartet Urteil nach Morden im Krankenhaus

Im Prozess gegen einen Krankenpfleger wegen des Vorwurfs des dreifachen Mordes steht nun das Urteil an.
Im Prozess gegen einen Krankenpfleger wegen des Vorwurfs des dreifachen Mordes steht nun das Urteil an.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein Pfleger soll Patienten eine Überdosis Medikamente gespritzt haben, um sich als Retter aufzuspielen. 90 Taten hat er gestanden. Angeklagt ist er in fünf Fällen. Für die Verteidigerin ist der Fall klar.

Oldenburg.. Ein wegen Mordes angeklagter Ex-Krankenpfleger hat sich nach Ansicht der Verteidigung nur des Totschlags schuldig gemacht. Der Mann muss sich wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs am Landgericht im niedersächsischen Oldenburg verantworten. Er soll fünf Patienten am Klinikum Delmenhorst eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt haben. Im Prozess hat er jedoch 90 Taten gestanden, 30 Menschen sollen gestorben sein. Die Polizei ermittelt sogar in mehr als 200 Verdachtsfällen. Die Richter wollten am frühen Donnerstagnachmittag ein Urteil verkünden.

Entgegen der Anklage geht die Verteidigerin nur von zwei Tötungsdelikten und dreifacher gefährlicher Körperverletzung aus. In einem Fall sei es unklar, ob der Patient an dem Herzmedikament oder wegen seines schlechten Gesundheitszustand gestorben sei, sagte Rechtsanwältin Ulrike Baumann. Im Zweifel spreche das für den Angeklagten. Ihr Mandant habe weder heimtückisch noch aus niedrigen Beweggründen gehandelt. Deshalb liege Mord nicht vor.

Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Strafe für Ex-Krankenpfleger

Ein konkretes Strafmaß nannte Baumann nicht. Sie forderte aber, dass die siebeneinhalb Jahre Haft, zu denen das Landgericht den Ex-Pfleger 2008 wegen eines ähnlichen Falls verurteilt hatte, mit einbezogen werden müssten. Auch müssten die Richter berücksichtigen, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren durch ihre schleppenden Ermittlungen unnötig verzögert habe: "Unterm Strich ist vier Jahre überhaupt nichts passiert." Der ernst wirkende Angeklagte äußerte sich nicht.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Haftstrafe für den Mann gefordert. Laut Anklage wollte er die Opfer wiederbeleben, um sich vor Kollegen als Retter aufspielen zu können. Christian Marbach, dessen Großvater unter den Opfern ist, erklärte, die Nebenkläger würden eine Verurteilung wegen Totschlags nicht akzeptieren und Revision einlegen.

Die Polizei will in den nächsten Wochen acht Leichen exhumieren und auf Spuren des todbringenden Medikaments untersuchen lassen. Für vier weitere Exhumierungen liegen ebenfalls bereits Genehmigungen vor. Die Ermittlungen werden voraussichtlich viele Monate in Anspruch nehmen.

Verurteilen können die Richter den früheren Pfleger in dem Prozess nur für die fünf angeklagten Taten. Deshalb könnte ihm ein neuer Prozess bevorstehen, wenn die Polizei ihre Ermittlungen beendet hat. Wann das sein wird, ist noch nicht absehbar. (dpa)