Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Call-Girl-Affäre

Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn im Verdacht der Zuhälterei

21.02.2012 | 16:52 Uhr
Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn im Verdacht der Zuhälterei
Foto: Archiv ap

Lille.   Begleitet von dutzenden Fotografen und Kameraleuten ist der frühere IWF-Chef Strauss-Kahn am Dienstag im französischen Lille von der Polizei vernommen worden. Es geht um Sex-Partys und um den Verdacht seiner Verstrickung in einen Zuhälter-Ring.

Die Vernehmung im Kommissariat von Lille zur Callgirl-Affäre beginnt an diesem Dienstag um neun Uhr. Dutzende Fotografen und Kameraleute haben sich vor dem renovierten Backsteingebäude aufgebaut, um ein Bild von Dominique Strauss-Kahn schießen zu können. Doch "DSK" bleibt hinter den verdunkelten Scheiben der Peugeot-Limousine unsichtbar.

Frankreich ist eben nicht Amerika. Zur Erinnerung: Als die New Yorker Polizei den mächtigen Chef des Weltwährungsfonds (IWF) im vergangenen Mai wegen des Verdachts der versuchten Vergewaltigung im "Sofitel" festnahm, schleppte sie den ermüdeten, unrasierten Häftling in aller Öffentlichkeit in Handschellen vor den Staatsanwalt. Eine demütigende und umstrittene Prozedur, die dem französischen Polizeiwesen völlig fremd ist.

Ob Strauss-Kahn in der so genannten "Carlton-Affäre" von Lille nur Zeuge oder am Ende sogar Beschuldigter sein wird, muss die Vernehmung erst noch erbringen. Dafür wurde Strauss-Kahn in Polizeigewahrsam genommen. Es geht um Dutzende Sex-Partys mit Prostituierten in Paris, Brüssel und Washington, bei denen der 62-Jährige der prominenteste Gast war. Vor allem geht's um die delikate Frage, ob er gewusst hat, dass sich die Frauen ihre sexuellen Dienste haben bezahlen lassen und ob er sogar an der Party-Vorbereitung tatkräftig mitgewirkt hat. In diesem Fall drohen dem Beinahe-Präsidentschaftskandidaten Anklagen wegen organisierter Zuhälterei und Veruntreuung von Firmengeldern - im äußersten Fall sieben Jahre Haft und ein Strafbefehl über 375.000 Euro.

Strauss-Kahn will nichts illegales getan haben

DSK sieht sich jedoch völlig zu Unrecht an den Pranger gestellt. "Niemals habe ich etwas Illegales getan. Zuhälterei, Prostitution - das verachte ich", gibt er im Oktober dem Buchautor Michel Taubmann ("Die Affären DSK") zu Protokoll. Nun, dass er an Sex-Orgien teilgenommen hat, bestreitet DSK keinesfalls. Doch für gewöhnlich, so betont er, handele es sich bei den Teilnehmerinnen dieser freizügigen Abende, die im Französischen "Parties fines" heißen, nicht um Prostituierte. Und rechtfertigend fügt er hinzu: "Wenn jemand Ihnen seine Freundin vorstellt, dann fragen Sie ihn doch nicht, ob sie eine Prostituierte ist."

Video
Lille, 21.02.12: Wegen seiner Verwicklung in die französische Callgirl-Affäre ist Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in Polizeigewahrsam genommen worden. Dort wird der 62-Jährige unter anderem zum Vorwurf "bandenmäßiger Zuhälterei" verhört.

Die Prostituierte Florence V. will den früheren Polit-Star nach Angaben der Zeitung "Le Monde" etwa zehn Mal auf besagten Sex-Partys getroffen habe. Den Lohn habe es stets in bar gegeben: 500 bis 1000 Euro im Briefumschlag. Die extravaganten Schauplätze wechselten. Mal traf man sich im "Carlton" in Lille, mal im schicken "Murano" in Paris, mal im exklusiven Hotel "W" nahe dem "Weißen Haus" in Washington.

Fest steht wohl, dass der Unternehmer Fabrice Paszkowski, ein guter DSK-Freund, die lustvollen Abende organisiert und die Dutzend Frauen bezahlt hat. Aber auch eine Firma des Bauimperiums Eiffage, das auf staatliche Aufträge spezialisiert ist, soll die Sex-Partys mitfinanziert haben - offenbar in der leicht zu durchschauenden Absicht, "Landschaftspflege" zu betreiben. Die hohen Ausgaben für die Sex-Partys hätten sich schnell rentieren können, sobald DSK Hausherr im Elysée geworden wäre.

Erst toleriert, jetzt missbilligt

Dass es Dominique Strauss-Kahn mit der ehelichen Treue niemals sonderlich ernst nahm, wusste "Tout Paris". Ob als Finanzminister oder IWF-Chef - DSK galt schon immer als notorischer Schürzenjäger, der trotz seiner Bekanntheit sogar in den einschlägig bekannten Swinger-Klubs der Hauptstadt auftauchte. Ein Zug, der im toleranten Paris lange milde, ja verständnisvoll belächelt wurde. Doch nun zeichnen sie ein ganz anderes, unvorteilhaftes Bild von DSK: das eines skrupellosen Mannes, der seinen Geschlechtstrieb nicht unter Kontrolle hat und offenbar dazu neigt, Frauen mit brutalen Praktiken zu Sex-Objekten zu degradieren.

Gegen acht zum Teil namhafte Persönlichkeiten der feinen Liller Gesellschaft wird in der "Carlton"-Affäre ermittelt - darunter befinden sich ein Rechtsanwalt, ein Kriminalkommissar, der Presse-Chef des Hotels sowie die Bauunternehmer. Die meisten Callgirls für die Sex-Partys rekrutierten sie aus dem belgisch-nordfranzösischen Bordell-Imperium des Rotlicht-Königs "Dodo la Saumure". Mehrere Male jetteten sie - die Huren, der Kommissar und der Baulöwe - über den Atlantik, um den "einsamen" IWF-Chef in den USA zu verwöhnen. Die offenbar letzte Sex-Party datiert vom 11. Mai - nur zwei Tage vor Strauss-Kahns spektakulärer Verhaftung in New York.

Gerd Niewerth

Facebook
 
Kommentare
22.02.2012
09:29
Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn im Verdacht der Zuhälterei
von FernerBeobachter | #5

Wenn man(n) schon Äpfel (DSK) mit Birnen (Wulff) vergleicht, dann wäre der erzwungene Rücktritt der "Birne" angesichts der Vorwürfe gegen den "Apfel" weitaus glaubwürdiger gewesen, als sich die Situation jetzt darstellt.

Im übrigen kann ich mir beim Lesen der Vorwürfe gegen den "armen", anscheinend omni-potent lüsternen DSK ein gewisses Schmunzeln nicht verkneifen. Solche Eskapaden und Skandale der obersten Führungseliten erscheinen mir weitaus glaubhafter als die Vorstellung, die obersten Amtsinhaber wären androgyne, asexuelle Heilige, und müssten es auch von Anfang bis Ende unbedingt sein.

21.02.2012
20:40
Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn im Verdacht der Zuhälterei
von hupe10 | #4

In diesem Fall bin ich gerne spießig

21.02.2012
19:19
Elfentraum | #1
von dummmberger | #3

Wer an Orgien teilnimmt, vergewaltigt auch Zimmermädchen?
Ist das nicht etwas zu einfach gedacht?

Aber man muss ja schon sagen, wenn man die ganzen Storys von Berlusconi oder DSK liest, fühlt man sich als Deutscher mit einem über ein Bobbycar gestolpertPBräsidenten ganz schon spießig.....................

21.02.2012
17:44
Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn im Verdacht der Zuhälterei
von butcher99 | #2

warum wundert mich bei dem Hernn gar nichts?

21.02.2012
17:29
Ex-IWF-Chef Strauss-Kahn im Verdacht der Zuhälterei
von Elfentraum | #1

das wirft doch ein ganz neues Licht auf die Vergewaltigungsvorwürfe, die das farbige Zimmermädchen in den U.S.A. gegen ihn erhoben hat ... ob der Fall wohl wieder neu aufgerollt wird?

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6386909/create

Umfrage

Hat Schweden zurecht den ESC gewonnen?

 
Aktuelle Fotos und Videos
ESC-Siegerin Loreen
Bildgalerie
Fotostrecke
Die wichtigsten Fotos der Woche
Bildgalerie
Bilder des Tages
Wave Gotik Treffen 2012
Bildgalerie
Kulturfestival
Schweden gewinnt ESC
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Atomreaktor in Bulgarien nach Panne von Stromnetz genommen
Kernenergie
Wegen einer Panne hat Bulgarien einen Atomreaktor vom Netz nehmen müssen. Radioaktivität ist nach offiziellen Angaben zwar keine ausgetreten. Dennoch wurde er sicherheitshalber abgeschaltet - vorerst.
Lady Gaga sagt Konzert wegen Sicherheitsbedenken ab
Musik
Das Anfang Juni in Indonesien geplante Konzert von Lady Gaga wird nun endgültig nicht stattfinden. Die Veranstalter sagten die Show am Sonntag aus Sicherheitsgründen ab. Es gehe um die Sicherheit der Sängerin und ihrer Zuschauer.