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Säureangriff

Ex-Freund soll 18-Jährigen zu Säureangriff angestiftet haben

30.12.2012 | 19:09 Uhr
Ex-Freund soll 18-Jährigen zu Säureangriff angestiftet haben
Der Ex-Freund einer jungen Frau soll einen Mann zu einem Säureangriff auf sie angestiftet haben.Foto: Andreas Bartel

Hilden.   Für den Säureanschlag auf eine 20-Jährige in Hilden ist nach Angaben der Polizei ihr Ex-Freund verantwortlich. Er soll die Deutsch-Türkin seit längerer Zeit bedrängt und bedroht haben, weil sie ihn verließ. Zur Tat soll er einen 18-Jährigen angestiftet haben. Beide wurden festgenommen.

Der Albert-Schweitzer-Weg liegt da in Sonntagsfrieden: Eine ganz kurze Spielstraße, kleine Reihenhäuser stehen auf der einen Seite und beigefarbene Fünfstöcker auf der anderen. Nichts rührt sich, ein kleines Mädchen spielt im Vorgarten, und wenn die beiden türkischen Männer gleich weggefahren sind, dann ist überhaupt niemand mehr auf der Straße. Oder auf dem Balkon. Oder am Fenster.

Die beiden Männer wollten die Familie A. besuchen, doch Familie A. ist im Krankenhaus. Um ihrer Tochter beizustehen. In ihrer Wohnung hier, nicht weit von der Innenstadt von Hilden, war sie zum Opfer eines Säureattentäters geworden.

Als es schellt am Samstagvormittag, geht die 20-jährige Deutsch-Türkin arglos zur Tür. Sie öffnet, und vor ihr steht ein Mann, vermummt mit Mütze und Schal. Er sprüht ihr aus einer Dose eine Flüssigkeit ins Gesicht, die sehr weh tut, geht wortlos aus dem Haus und flüchtet in unbekannte Richtung. Auch die Großmutter, die mit in der Tür steht, wird durch einige Tropfen leicht verletzt.

Starke Verätzungen im Gesicht durch Schwefelsäure

Eine Säure, wie die Sanitäter kurz darauf feststellen. Die schwer verletzte Enkelin hatte sie noch selbst anrufen können; ein Notarztwagen bringt die Frau in die „Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik Duisburg“ an der Sechs-Seen-Platte, die spezialisiert ist auf Unfallopfer und Brandverletzte. Die Frau hat starke Verätzungen der Haut im Gesicht, ihr Leben ist aber nicht in Gefahr. Bald stellt sich heraus: Die Flüssigkeit war Schwefelsäure.

Noch am Nachmittag nimmt die Polizei ihren Ex-Freund fest, einen 22-jährigen Deutsch-Türken aus Langenfeld. Die 20-Jährige hatte ihn schon im November und Dezember dreimal angezeigt, weil er sie geschlagen und ihr gedroht haben soll – unter anderem mit einem Säureanschlag. Das Amtsgericht Hilden hatte dem Mann deshalb schon verboten, sich der Frau zu nähern. Nun, am Sonntagmittag, steht er vor dem Haftrichter, der Haftbefehl erlässt. Der 22-Jährige soll der Anstifter sein.

18-Jähriger stellt sich mit seinem Rechtsanwalt

Denn „er räumte ein, eine weitere Person zu der Tat angestiftet zu haben“, so die Polizei: einen 18-Jährigen aus Langenfeld. Als die Polizei schon in dessen Umfeld ermittelt, stellt er sich am Sonntagnachmittag der Polizei in Düsseldorf, begleitet von einem Rechtsanwalt. Die Polizei nimmt den 18-Jährigen fest und will auch ihn bald dem Haftrichter vorführen. Der Vorwurf: schwere Körperverletzung.

Säureattentate sind in Deutschland äußerst selten, aber verbreitet in Südasien. „Amnesty International“ nennt vor allem Pakistan, Indien, Afghanistan und Bangladesch. Allein dort sollen in diesem Jahrhundert 3000 Menschen mit Säure getötet und 3300 verletzt worden sein, so Zahlen der „Stiftung Säureüberlebende“ in der Hauptstadt Dhaka.

Die Opfer sind zu 80 Prozent Frauen, oft solche, die Heiratsanträge oder sexuelle Angebote ablehnten. In schweren Fällen leiden die Opfer ein Leben lang, wenn sie entstellt sind.

Hubert Wolf


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