Ex-Bürgermeister liegt jahrelang tot in seinem Bett

Klaus-Dieter Fossgreen war bis zu einem Zerwürfnis SPD-Mitglied, in der Bevölkerung genoss er hohes Ansehen.
Klaus-Dieter Fossgreen war bis zu einem Zerwürfnis SPD-Mitglied, in der Bevölkerung genoss er hohes Ansehen.
Foto: Archiv/Jens Potschka
Was wir bereits wissen
Drama um Cuxhavens ehemaligen Verwaltungs-Chef. Klaus-Dieter Fossgreen galt als vermisst. Seine Witwe soll seinen Tod verheimlicht haben.

Cuxhaven.. Ein mysteriöser Todesfall hält seit Tagen die norddeutsche Provinz in Atem. Die unfreiwilligen Hauptrollen in diesem Drama spielen ein ehemaliger Kommunalpolitiker und dessen Witwe. Der Schauplatz: ein 20-Seelen-Dorf in Niedersachsen.

Fossgreen war bis 1991 Bürgermeister von Cuxhaven

Klaus-Dieter Fossgreen war ein angesehener Mensch. Sechs Jahre lang, bis 1991, war er als Bürgermeister der starke Mann im Rathaus von Cuxhaven an der Nordsee, machte sich besonders um die Entwicklung des Hafens verdient. 2005 bekam Fossgreen das Bundesverdienstkreuz.

Leichenfund Nach seiner Pensionierung zieht der ehemalige Fregattenkapitän mit seiner zweiten Frau (heute 65) nach Ovelgönne-Strückhausen bei Brake – ein winziges Dorf mit roten Backsteinhäusern. Im November 2012 sehen Nachbarn Fossgreen das letzte Mal, da ist er Ende 70. Sie sagen, er habe gebrechlich gewirkt. Seit 2014 gilt er als vermisst, nachdem Fossgreens Kinder eine Vermisstenanzeige gestellt haben – nach vergeblichen Versuchen, per Brief mit dem Vater in Kontakt zu treten.

Wohnung war dreckig und vermüllt

Doch erst vor wenigen Tagen öffnen Polizisten die Wohnung. Die Beamten finden seine mumifizierte Leiche im Bett, Fossgreen ist seit Jahren tot. Ein Lokalreporter der „Nordwest-Zeitung“ hat die Wohnung besucht, er beschreibt sie als vermüllt und dreckig: „Die Fenster sind mit Decken verhangen, in der Duschkabine sammelt sich Unrat bis zum Rand. Es muss ein unwürdiges Ende für einen wie Fossgreen gewesen sein, der sich in Cuxhaven besonders für die Sauberkeit seiner Stadt eingesetzt hat.“

Mumie „Die Obduktion hat keine Hinweise auf Fremdverschulden ergeben. Wir ermitteln aber wegen Betrugs“, sagt der Oldenburger Staatsanwalt Martin Rüppell. Der Verdacht richtet sich gegen die Witwe: Sie könnte den Tod ihres Mannes verschwiegen haben, um weiter dessen Rentenzahlungen zu erhalten. Die Polizisten können sie nicht befragen: Sie ist verschwunden, offenbar schon seit Monaten. Spekulationen der „Bild“-Zeitung, wonach sich die Frau in Bremerhaven aufhalten soll, will Staatsanwalt Rüppell nicht kommentieren. Sollte sich der Verdacht bestätigen, drohen ihr fünf Jahre Gefängnis.

Niemand hat eine Erklärung

In Ovelgönne-Strückhausen fragen sie sich nun, wie ein so bekannter Mann sterben konnte, ohne dass irgendwer davon Notiz genommen hat. Ovelgönnes Bürgermeister Christoph Hartz hat keine rechte Erklärung: „Wenn man nirgends eingebunden ist, dann wird selbst die kleinste Ortschaft zur anonymen Großstadt.“ Er selbst habe Fossgreen nie zu Gesicht bekommen.