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Erstes Staatsbankett im Frack

08.05.2007 | 23:27 Uhr

Wie der US-Präsident beim Besuch von Königin Elizabath II. zu dem von ihm ungeliebten Kleidungsstück überredet werden musste - sogar unter dem Zuspruch seiner Außenministerin. Gäste trugen Papierkronen von "Burger King"

Washington. "Warum ist der Mann von Königin Elizabeth kein König, sondern nur ein Prinz?" Die Washington Post sortiert und beantwortet immer noch Leserfragen zum königlichen Besuch in Washington. "Die ganze Hauptstadt steht kopf", schrieb die New York Times verstört, und der einflussreiche Kommentator Marc Fisher warnte gar: "Wir verbeugen uns nicht vor Königen! Bei uns sind alle Menschen gleich. Das dürfen wir nicht vergessen."

Doch manche sind eben gleicher, wie schon George Orwell wusste. Deshalb erlebte George W. Bush am Montagabend das erste Staatsbankett im Frack, seit er Gastgeber im Weißen Haus ist. Als die Queen 1991 zum letzten Mal im Weißen Haus zu Gast war, hieß der Präsident auch schon Bush, aber eben George H. W. Bush. Und damals, so erzählte Barbara Bush dieser Tage, hat sie ihren Sohn George beim Staatsbankett besonders weit von der Queen weggesetzt, weil sie Sorge hatte, er könnte etwas Unpassendes sagen.

Die Sorge war berechtigt. Schon damals stellte er sich fröhlich als "das schwarze Schaf in unserer Familie" vor. Und jetzt, als Gastgeber der Queen, hätte er ihr beinahe für den Besuch im Jahr 1776 gedankt, korrigierte sich aber noch gut gelaunt: "-äh 1976". Den irritierten Blick der Königin kommentierte er dann: "So kann nur eine Mutter ihr Kind anschauen." Da wusste auch die Queen nicht mehr, was sie dazu noch sagen sollte.

Das Staatsbankett mit 130 geladenen Gästen war nicht nur der Höhepunkt der sechstägigen USA-Reise der Queen, sondern auch der protokollarische Höhepunkt der Ära Bush II. "Wir hatten noch nie einen Abend in Frack, und da dachten wir, das ist die Gelegenheit", sagte First Lady Laura Bush. Doch habe man ihren Mann mühsam dazu überreden müssen. Sogar Außenministerin Condoleezza Rice sprach bei Bush in Sachen Kleiderordnung vor, um seinen Widerwillen zu brechen.

Die Gästeliste, die die US-Zeitungen im Stile echter Hofberichterstattung zusammen mit der Menukarte veröffentlichten, enthielt einige Überraschungen. Colin Powell, Ex-Außenminister und inzwischen ein heftiger Kritiker der Regierung Bush, war mit seiner Frau dabei. Und Calvin Borel, der Jockey des siegreichen Pferdes beim Kentucky Derby, das die Queen zu ihrem Privatvergnügen besucht hatte, war eingeflogen worden.

"Beschämend", so Marc Fisher, sei das liebedienerische Benehmen amerikanischer Politiker beim Besuch der Queen gewesen. Allerdings warnte er auch, die USA seien selbst auf dem besten, also schlechtesten Weg, sich einer eigenen Form von Monarchie anzunähern, denn schließlich regierten seit bald 20 Jahren nur noch zwei Familien, die Bushes und die Clintons, im Weißen Haus. Und dieser Trend kann sich auch in der nächsten Wahlperiode durchaus noch fortsetzen.

Die 7000 Gäste, die beim Empfang der Queen vor dem Weißen Haus dabei sein durften, beschäftigten sich nicht mit derlei schwerblütigen Gedanken, sondern genossen Pomp und Pulverdampf. Und zum Zeichen ihres unbekümmerten Verhältnisses zur Monarchie hatten einige Papierkronen aufgesetzt, die es im "Burger King" umsonst gibt."Das schwarze Schaf in unserer Familie"

Von Markus Günther


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