Erster Einsatz für die Neuen

Nürnberg..  Mit zwei Kopfschüssen wird der verheiratete Uni-Professor Christian Ranstedt in einem Wald bei Nürnberg im Auto ermordet. Es geschieht beim Liebesspiel mit einer Unbekannten. Von der Frau fehlt jede Spur. Die Geschichte des neuen Franken-„Tatorts“ ist relativ schnell erzählt. Viel Zeit nimmt sich der Film dagegen für die einzelnen Charaktere - etwa für den Schock, den Ranstedts Frau nach der Todesnachricht erleidet. Die heiß ersehnte erste fränkische Ausgabe des Kultkrimis kommt ohne Effekthascherei und Blut-Exzesse aus. Und auch ohne Comedy-Einlagen. Dafür überzeugt der Krimi mit seinem Ermittler-Duo und wohldosiertem trockenen Humor. An diesem Sonntag um 20.15 Uhr läuft in der ARD die Folge mit dem poetischen Titel „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“ im Ersten.

Sie verstehen sich gut

Das Fränkische an diesem „Tatort“ blitzt nur hin und wieder hervor - etwa, wenn der Leiter der Spurensicherung Michael Schatz - verkörpert vom Fürther Kabarettisten Matthias Egersdörfer - am „Dadord“ lakonisch vom „Waldsterben“ spricht oder die freundlich fränkelnde Polizistin den neuen Kollegen Felix Voss (Fabian Hinrichs) bei seiner Ankunft im Präsidium begrüßt.

Besonders auffällig an diesem „Tatort“ ist dagegen das gute Verhältnis des neuen Ermittlerteams. Zwischen Dagmar Manzel (56), Vorzeigefrau der großen Berliner Bühnen, als Hauptkommissarin Paula Ringelhahn und dem 40 Jahre alten Fabian Hinrichs als ihr neuer Co-Kommissar Felix Voss stimmt offensichtlich die Chemie. Schnell sind sie beim „Du“ und teilen sich die Rollen nach Bedarf in „good cop“ und „bad cop“. Voss ist der stets etwas ironisch-irritiert lächelnde Geduldige, Ringelhahn die launische Spitzenermittlerin, die im Verhör den Verdächtigen auch gern mal laut und heftig anschreit, um danach festzustellen: „Jetzt hätte ich mich beinahe aufgeregt.“

Im Gegensatz zu manch anderen „Tatort“-Teams erfährt man zunächst nicht viel über das Privatleben der beiden Hauptfiguren. Kommissarin Ringelhahn hat ein Problem mit dem Schießen und stammt im Film aus der ostdeutschen Stadt Guben. Schon vor der Wende ist sie „aus Liebe zur Demokratie (nicht zu einem Mann)“ in den Westen gegangen. Voss kommt wie im echten Leben aus dem hohen Norden. In Nürnberg muss er erstmal in einem dunklen Loch neben einer Tankstelle hausen - und weil beim Transport was schief ging, auch ohne Möbel und Bettdecke.

Ein wenig braucht der erste fränkische „Tatort“, um in die Gänge zu kommen. Das ist jedoch häufig so bei neuen Ermittlerteams - viel muss erklärt und eingeführt werden. Und er führt den Zuschauer auf diverse Fährten - von der geheimen militärischen Forschung an der Uni bis zu einer Firma, die Streubomben herstellt. Auch so mancher Schnitt erklärt sich erst im Nachhinein. Doch im Lauf des Films nimmt der Krimi dann an Fahrt auf - und gipfelt in einem spannenden Finale. Und so fasst der Satz, den Fabian Hinrichs alias Felix Voss zum Abschluss seines ersten Falls in Nürnberg sagt, auch den ersten Franken-„Tatort“ gut zusammen: „Na ja, für den Anfang war das schon...“