Ermittlungen gegen Özdemir nach Video mit Hanfpflanze

Cem Özdemir (l) bekommt von Tibor Harrach, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Drogenpolitik, eine Hanfpflanze geschenkt.
Cem Özdemir (l) bekommt von Tibor Harrach, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Drogenpolitik, eine Hanfpflanze geschenkt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Viel Ärger bekommt der Grünen-Chef Özdemir wegen einer geliehenen Hanfpflanze, die in einem Internet-Video auftaucht. Er findet Ermittlungen „absurd“.

Berlin.. Es sollte eine nette, kleine Provokation sein – doch nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Anbau von Drogen: Ein Internetvideo vom vergangenen Sommer zeigt Cem Özdemir auf seiner Dachterrasse – neben ihm eine Hanfpflanze.

Kurze Zeit später bekam der Grünen-Chef beim Parteitag statt Blumen eine Topfpflanze überreicht – wieder war es Hanf. Für die Behörden eindeutig zu viel Cannabis – für Özdemir dagegen ein willkommener Anlass, um für eine liberalere Drogenpolitik zu werben.

Marihuana Özdemir ist kein Kreuzberger Hanfzüchter. Die Pflanze im Video habe er sich ausgeliehen, auch das angebliche Parteitagsgeschenk war nur eine Leihgabe. „Weder die eine noch die andere befindet sich oder befand sich in meinem Besitz.“ Zum Glück für die Gewächse – einen grünen Daumen habe er nicht: „Sie hätten es bei mir nicht gut.“

Immunität aufgehoben

Nach Medienberichten über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft spielte Özdemir am Sonntag die Affäre in einem kurzfristig organisierten Pressetermin auf dem Bürgersteig bei seiner Kreuzberger Wohnung herunter: Seine Immunität als Abgeordneter sei bereits Ende des Jahres aufgehoben worden – das sei ein automatisches Verfahren bei einfachen Ermittlungen wie dieser.

Für Özdemir wirft die Hanf-Affäre ein Schlaglicht auf die „Absurdität“ der aktuellen Drogenpolitik. „Dass das simple Platzieren einer Hanfpflanze in einem Internetvideo umfangreiche Ermittlungen nach sich zieht, zeigt, wie widersinnig die deutsche Drogenpolitik ist.“ Auch die Polizei müsse von einer solchen „Beschäftigungstherapie“ befreit werden. Im Herbst hatte der Bund deutscher Kriminalbeamter über die Starrheit des Betäubungsmittelgesetzes geklagt. Viele Beamte seien es leid Strafanzeigen zu schreiben, die Zeit kosten und zu nichts führten.