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Ermittler gewinnen neue Erkenntnisse über Familientragödien

23.08.2012 | 20:46 Uhr

Nach den Familientragödien in Berlin und Neuss kommen immer mehr Details ans Licht. Der Familienvater aus Berlin, der seine Frau und Kinder tötete, hinterließ Abschiedsbriefe, in denen er sein Handeln rechtfertigte. Der tatverdächtige Vater aus Neuss, der seine Frau und seine beiden Kinder erschoss, ist weiterhin auf der Flucht.

Berlin (dapd). Nach den Familientragödien in Berlin und Neuss kommen immer mehr Details ans Licht. Der Familienvater aus Berlin, der seine Frau und Kinder tötete, hinterließ Abschiedsbriefe, in denen er sein Handeln rechtfertigte. Der tatverdächtige Vater aus Neuss, der seine Frau und seine beiden Kinder erschoss, ist weiterhin auf der Flucht. Laut Staatsanwaltschaft setzte er sich in die Türkei ab, um von dort weiter in den Irak zu fliehen.

Im Fall des Berliner Familiendramas gab der Vater, der sich nach der Tat selbst das Leben nahm, in einem der Schreiben an, er habe aus "ganz großer Liebe und Verzweiflung" gehandelt, wie die "Bild"-Zeitung berichtete. Das Blatt hatte einen der Briefe erhalten. Eine Polizeisprecherin bestätigte die Existenz "mehrerer" Briefe.

Das tödliche Familiendrama war am Mittwoch bekannt geworden. In einem Mehrfamilienhaus in Gatow waren in der Nacht vier Tote gefunden worden. Die Polizei geht davon aus, dass der 69-jährige Vater zunächst seine 28-jährige Ehefrau und seine beiden Söhne im Alter von drei und sechs Jahren getötet hat. Ein weiteres Kind des Paares hatte er zuvor in einem Krankenhaus abgegeben. Das Jugendamt Spandau sucht nun nach einer passenden Pflegefamilie für die Tochter. Unter anderem hätten die Großeltern des knapp einjährigen Mädchens ihr Interesse bekundet, sagte Jugendamtsleiter Reinhold Tölke.

Dem veröffentlichten Abschiedsbrief zufolge handelte der Mann nicht im Affekt. "Ich tat dies alles in voller Verantwortung bei vollkommen klarem Bewusstsein aus fürsorglicher Liebe", zitierte ihn die "Bild"-Zeitung. Demnach sei die Frau mit der Versorgung von drei Kindern überfordert gewesen.

Obduktion dauert an

Ungeachtet dessen ging die Suche nach der genauen Todesursache am Donnerstag weiter. Die Ermittlungen dauerten an, sagte eine Polizeisprecherin. Eine erste Obduktion der Leichen hatte am Mittwoch noch kein eindeutiges Ergebnis erbracht. Demnach könnten die Mutter und die beiden Kinder wahrscheinlich erstickt oder vergiftet worden sein. Möglich wäre auch eine Verbindung von beidem.

Auch im Fall der Familientragödie in Neuss gibt es neue Erkenntnisse. Nach den tödlichen Schüssen ist der tatverdächtige Vater aus Deutschland geflohen. Der 35-Jährige Fallah Sänger habe sich noch am Tattag in Richtung Türkei abgesetzt, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Von dort aus wolle er offenbar weiter in seine Heimat Irak fliehen.

Polizei und Staatsanwaltschaft hatten nach Bekanntwerden der Tat die Passagierlisten an den großen NRW-Flughäfen überprüft. Dadurch haben die Beamten den Angaben zufolge ermittelt, dass Sänger am Montagnachmittag eingecheckt und Deutschland verlassen habe.

Tickets in einem Reisebüro gekauft

Zum Zeitpunkt der Ausreise am Montag war die Tat noch unentdeckt. Der Verdächtige habe offenbar kurz vor oder nach der Tat in einem Reisebüro ein Flugticket gekauft.

Die internationale Fahndung dauert an. Sollte Sänger jedoch die Flucht in den Irak gelingen, gebe es dort mangels Auslieferungs- und Rechtshilfeabkommen keine Möglichkeit zu weiteren Ermittlungen. Der 35-Jährige hat die deutsche Staatsbürgerschaft, stammt aber aus dem Irak.

dapd

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23.08.2012
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