Ermittler durchsuchen Wohnung des Co-Piloten in Düsseldorf

Der 27-jährige Co-Pilot der abgestürzten Germanwings-Maschine hat nach Angaben des Staatsanwaltes in Marseille 150 Menschen absichtlich in den Tod gerissen.

Essen.. Beim Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 mit 150 Toten war nach Angaben der Staatsanwaltschaft Marseille nur der Co-Pilot der Maschine im Cockpit. Damit bestätigte der zuständige Staatsanwalt Brice Robin am Donnerstag einen Bericht der New York Times, wonach beim Absturz einer der Piloten aus dem Cockpit ausgesperrt war.

Nach Angaben des Staatsanwaltes hat der Co-Pilot den Piloten, der das Cockpit verlassen hatte, aktiv an der Rückkehr gehindert, indem der die gepanzerte Tür verriegelte.

Co-Pilot Andreas L. war seit 2013 bei Germanwings

Der Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa hatte mitgeteilt, dass der Co-Pilot seit 2013 bei Germanwings als Co-Pilot beschäftigt war. Der Mann aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur, der auch einen Wohnsitz in Düsseldorf hatte, hatte bis zu dem Absturz 630 Flugstunden absolviert.

Nach Angaben von Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat Andreas L. seine Ausbildung im Unternehmen absolviert. Er habe seine Ausbildung 2008 begonnen und arbeitete seit 2013 als Co-Pilot. Er habe seine Ausbildung für ein halbes Jahr unterbrochen. Den Grund für die Unterbrechung dürfe er nicht bekanntgeben, sagte Spohr.

Bevor er die Ausbildung wieder aufnahm, sei die psychologische Eignung des Mannes erneut geprüft worden, erklärte der Lufthansa-Chef bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Wieder habe er den Test bestanden. Zuletzt habe Andreas L. als 1. Offizier auf dem Airbus 320 gearbeitet und sei zu 100 Prozent als flugtauglich eingestuft gewesen - ohne jede Einschränkung. Spohr sagte, das Unternehmen habe keine Hinweise auf das Motiv des Co-Piloten. Auf Fragen, ob es sich um einen Selbstmord gehandelt habe, sagte Spohr: "Dazu kann ich nicht mehr sagen, als der französische Staatsanwalt heute gesagt hat. Wir müssen davon ausgehen, dass das Flugzeug willentlich gesteuert wurde."

Co-Pilot absolvierte Ausbildung auf Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa

Andreas L. ist als Absolvent der Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa in Bremen zum Kölner Unternehmen gekommen. Die Bremer Schule gibt es seit 1956. Sie gehört nach eigenen Angaben zum Unternehmen Lufthansa Flight Training mit insgesamt acht Standorten.

Die Ausbildung zum Flugkapitän dauert 29 bis 33 Monate. Nach den ersten sechs Monaten Theorie geht es für vier Monate nach Phoenix im US-Bundesstaat Arizona zum ersten Fliegen mit einmotorigen Maschinen. Nach der Rückkehr nach Bremen wird am Flugsimulator geübt, später fliegen die Flugschüler mit einer Cessna Citation. Der Abschluss mit einer Musterschulung auf einen bestimmten Flugzeugtyp ist in Frankfurt. Flugkapitäne werden in Bremen nicht nur für die Lufthansa, sondern für verschiedene Airlines ausgebildet.

Co-Pilot hatte offenbar auch ein Zertifikat der US-Flugbehörde

Flugkatastrophe Der 27-Jährige hatte nach Angaben der "Aviation Business Gazette" auch ein Zertifikat der US-Flugbehörde Federal Aviation Administration (FAA) erhalten. Demnach werde das Zertifikat nur an Piloten vergeben, die hohe Ansprüche in den Bereichen Bildung, Zulassungen und medizinische Standards erfüllen oder übertreffen. Die Standards gehörten zu den höchsten der Welt.

Ein Segelflieger-Verein aus dem Westerwald hat auf seiner Homepage eine Traueranzeige veröffentlicht. Demnach war Andreas L. als Jugendlicher Mitglied des LSC Westerwald geworden. Pilot zu werden, sei sein Traum gewesen, heißt es weiter.

Düsseldorfer Wohnung wird durchsucht

Ermittler haben unterdessen am späten Donnerstagnachmittag mit der Durchsuchung der Düsseldorfer Wohnung L.s begonnen. Sie betraten am Donnerstag das Haus am Stadtrand, in dem der 27-Jährige wohnte. Grundlage ist ein Ersuchen der französischen Justiz.

Die Kriminalbeamten suchen nach Hinweisen auf ein mögliches Motiv oder Anzeichen für eine psychische Erkrankung. Auch die Durchsuchung des Wohnsitzes in Montabaur in Rheinland-Pfalz stehe unmittelbar bevor, hieß es.

Die Luftaufsicht gab unterdessen bekannt, dass bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen des Co-Piloten keine Auffälligkeiten festgestellt wurden. Zuletzt sei dem 27-Jährigen Ende Januar bescheinigt worden, dass keine strafrechtlichen oder extremistischen Sachverhalte gegen ihn vorliegen. Auch bei den vorherigen zwei Überprüfungen blieb Andreas L. ohne jede belastende Erkenntnis.

De Maizière schließt terroristischen Hintergrund aus

Die Erkenntnisse passen zu dem, was Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Donnerstag mitteilte: Andreas L. hatte demnach kein terroristisches Motiv. Es gebe nach derzeitigem Erkenntnisstand "keine Hinweise auf einen irgendwie gearteten terroristischen Hintergrund", sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in Berlin.

Die deutschen Sicherheitsbehörden hätten bereits am Tag des Absturzes routinemäßig in den Informationenssystemen von Polizei und Nachrichtendiensten eine Abfrage vorgenommen, um die Besatzung mit Blick auf mögliche terroristische Verbindungen zu überprüfen. "Wir haben alle überprüft." Die Ergebnisse seien allesamt negativ ausgefallen - auch für den Co-Piloten, sagte de Maizière. (moi/mit dpa)

In einer früheren Version dieses Artikels war das Alter des Co-Piloten mit 28 Jahren angegeben. Die Behörden haben ihre Angaben inzwischen auf 27 Jahre korrigiert.