Das aktuelle Wetter NRW 12°C
Fußball

Entrüstung über Turban-Verbot beim Fußball

16.06.2013 | 15:53 Uhr
Entrüstung über Turban-Verbot beim Fußball
Der kanadische Fußballer Aneel Samra hat sich durchgesetzt. Das Turban-Verbot für Fußballspieler wurde aufgehoben.Foto: afp

Edmonton.   Der kanadische Fußballer Aneel Samra ist gläubiger Sikh - aus religiösen Gründen trägt er einen so genannte Patka, einen Turban, unter dem sein langes, zu einem Knoten gebundenes Haar verschwindet. Wegen dieser Kopfbedeckung verlor er zunächst seine Spielererlaubnis.

Aneel Samra spielt seit seinem siebten Lebensjahr leidenschaftlich Fußball. Wann immer er Zeit hat, jagt auf den Bolzplätzen rund um Montréal den Bällen hinterher. Doch als sich der 18-Jährige offiziell für eine Jugendmannschaft anmelden wollte, wurde er kurzerhand in die Zwangspause geschickt. Und die löste prompt eine nationale Debatte aus.

Das hat mit seiner Kopfbedeckung zu tun. Samra ist gläubiger Sikh und trägt aus religiösen Gründen einen so genannten Patka, einen Turban aus dünnem Stoff. Darunter wickelt er sein langes Haar zu einer Art Knoten zusammen, nicht zuletzt, damit es ihn beim Kicken nicht stört.

Das Verbot empfindet er als erniedrigend

Doch das gefiel den Fußball-Offiziellen gar nicht. Der Fußballverband der kanadischen Provinz Québec forderte Samra auf, seinen Turban vor jedem Spiel abzunehmen. Als sich Samra weigerte, entzogen sie ihm kurzerhand die Spielererlaubnis. Seitdem verfolgte Samra die Spiele der Amateurliga nur noch von der Seitenlinie – bis zu diesem Wochenende: Nach langem Zögern und massiven Protesten aus dem In- und Ausland wurde das umstrittene Turban-Verbot für Fußballspieler aufgehoben.

Das Turban-Verbot sei erniedrigend und diskriminierend, beschwerte sich Samra, und die Sikh-Gemeinde von Kanada legte Berufung ein. Zunächst ohne Erfolg. Vor ein paar Tagen entschied der Québecker Fußballverband: Es bleibt beim „Non“. Schließlich verbiete auch der Weltfußballverband Fifa Kopfbedeckungen.

Das Votum löste in Kanada, das sich gern seiner multikulturellen Vielfalt rühmt, einen Sturm der Entrüstung aus. Absurd, urteilte der Interessenverband der kanadischen Sikh. Das Verbot sei lächerlich, twitterte Einwanderungsminister Jason Kenney. Man dürfe Jugendliche nicht wegen ihrer Kopfbedeckung vom Sport ausschließen, meinte Oppositionspolitiker Justin Trudeau.

Fußball-Verband Québec beugt sich massiver Kritik

Dann eskalierte der Streit: Der kanadische Fußball-Dachverband hat seine frankophonen Kollegen aufgefordert, die Turbane zuzulassen und hat bis dahin die Mitgliedschaft der Québecker Vereine im nationalen Verband suspendiert. Auch politisch schaukelte sich die Sache immer weiter hoch. Die nach Unabhängigkeit strebende Provinzregierung von Québec stellte sich hinter die Funktionäre und die separatistische Regierungschefin Pauline Marois wütete, dass man sich eine Einmischung von außerhalb verbitte und witterte einen Affront gegen die Eigenständigkeit Québecs.

Angesichts der massiven Kritik hat sich der Fußball-Verband Québec nun gebeugt und das Turban-Verbot aufgehoben. Man habe die Schiedsrichter angewiesen, künftig Turbane auf dem Platz zu dulden, sagte die Generalsekretärin des Québecker Verbandes, Brigitte Frot, am Samstag. Man habe gläubige Sikh durch das Verbot niemals diskriminieren wollen, sondern habe stets die Sicherheit aller Spieler im Blick gehabt – und auf eine Entscheidung der Fifa gewartet.

Turban muss die Trikotfarbe haben

Die kam am Freitag: In einem Brief an den kanadischen Verband stellte die Fifa explizit klar, dass Turbane auf dem Platz zulässig sind, wenn bestimmte Auflagen erfüllt sind. So müssten die Turbane die selbe Farbe wie das Trikot haben, nicht im Gegensatz zur „professionellen Erscheinung“ der Spieler stehen und nicht am Trikot befestigt sein.

Allerdings: Dies ist eine Übergangsregelung. Im Herbst wollen die zuständigen Gremien ausführlicher darüber beraten. Aneel Samra dürfte diese Formalität egal sein. Ab sofort darf sich der Kanadier wieder ganz offiziell seine Fußballschuhe schnüren und in der Amateurliga von Québec mitkicken.

Jörg Michel



Kommentare
17.06.2013
15:18
Entrüstung über Turban-Verbot beim Fußball
von Futabakai | #6

Heutzutage wird doch aus jedem Furz ein Taifun gemacht!!!

Was waren das doch noch für entspannte Spiele bei WMs oder Olympia, bevor jene Hansels anfangen mussten, diese für die Darstellung ihrer persönlichen Glaubensansichten zu missbrauchen!!!

17.06.2013
14:06
Entrüstung über Turban-Verbot beim Fußball
von Tanoebel | #5

Was soll die Aufregung? Wer mit Burkini baden will und nur mit Turban Fussball spielen kann, der soll das doch machen - in den Ländern seiner angestammten Herkunft, wo das eben als normal gilt, denn wer die hiesigen Regeln nicht akzeptieren kann und will und wem es hier nicht passt, der kann doch gehen - so viel Freiheit haben wir schon noch!

1 Antwort
Sie haben aber schon gemerkt, daß es um Québec geht?
von bigkahuna | #5-1

"...und wem es hier nicht passt, der kann doch gehen ..."

17.06.2013
12:51
Entrüstung über Turban-Verbot beim Fußball
von Knuddelkater | #4

Also werden die Fußballregeln der Religion unterworfen?

17.06.2013
09:04
Entrüstung über Turban-Verbot beim Fußball
von The_Rebel | #3

Man kann sicherlich über alles streiten. Dier Frage aber ist einfach, muss man das denn oder kann man bei Dingen, die einem bestimmten Regularium unterliegen und freiwillig sind, diese nicht einfach hinnehmen oder eine Beteiligung sein lassen?

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.06.2013
08:38
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

17.06.2013
08:37
Entrüstung über Turban-Verbot beim Fußball
von andy_112 | #1

Andere spielen mit Masken aus Carbon oder tragen Haargummis (z.B. Khedira). Ob das Verletzungsrisiko da geringer ist?
Interessanter finde ich die Frage, ob im Winter dann auch Wollmützen erlaubt werden und vor allem ob nicht vielleicht das Kopfballspiel unter dem Knubbel auf dem Kopf leidet.

Eine andere Frage, die sich auch noch stellen wird: Was passiert, wenn die ersten Spieler spezielle Kopfbedeckungen tragen, um die Kopfballfähigkeiten positiv zu beeinflussen. Vielleicht so eine Art Badekappe... mit Gummibeschichtung, um dem Kopfball den nötigen Effet zu verleihen. Das wird dann eine Diskussion wie mit den Ganzkörperanzügen bei den Schwimmern.

Aus dem Ressort
US-Gesundheitsbehörde meldet ersten Ebola-Fall in den USA
Ebola
In den USA ist erstmals ein Patient mit Ebola diagnostiziert worden. Der Mann lebt im US-Bundestaat Texas. Das teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Dienstagabend mit. Der Patient liegt derzeit auf einer Isolierstation. In Westafrika sind der Krankheit schon über 3000 Menschen zum Opfer gefallen.
Trickserei mit Organspenden am Herzzentrum Berlin
Organvergabe
Es war buchstäblich eine Prüfung auf Herz und Nieren: Zum zweiten Mal nach dem Organspende-Skandal in Göttingen haben Kontrolleure Transplantationen an Kliniken unter die Lupe genommen. Dabei entdeckten sie mit dem Deutschen Herzzentrum in Berlin erneut ein schwarzes Schaf. Weitere Fälle fanden sie...
Kokablätter im Unterricht - Gericht spricht Lehrer frei
Justiz
Zwei Lehrer einer schwäbischen Mittelschule hatten im Erdkundeunterricht Kokablätter an ihre Schüler verteilt. In Deutschland ist die Pflanze, die den Grundstoff für Kokain liefert, verboten. Das Gericht sprach die Pädagogen jetzt dennoch frei - Schüler und Eltern reagierten mit Applaus.
Jeder dritte Deutsche fürchtet Betrug im Internet
Angststudie
Ihr Alter geben die meisten Deutschen im Internet relativ sorglos an, bei der Kreditkartennummer zögern schon deutlich mehr. Jeder dritte Befragte einer Allensbach-Untersuchung gibt an, sich vor Betrug und Datenmissbrauch im Internet zu fürchten. Je älter die Nutzer, desto größer die Angst.
Gericht erlaubt männlichen Piloten, ihre Mütze abzusetzen
Lufthansa
Für die Frauen nur ein modisches Accessoir, für die Männer dagegen Pflicht? Ein Pilot der Lufthansa sah nicht ein, dass sein Arbeitgeber ihm vorschrieb, eine Mütze zu tragen, während seine Kolleginnen es sich aussuchen dürfen. Er zog vors Arbeitsgericht - und bekam Recht.
Umfrage
Essen testet jetzt, ob nächtliches Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen etwas für den Lärmschutz bringt. Was halten Sie davon?
 
Fotos und Videos