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Eltern lernen Internet-ABC in der Schule

06.06.2012 | 18:10 Uhr
Eltern lernen Internet-ABC in der Schule
Computer und das Internet sind für Kinder interessant. Eltern sollten gemeinsam mit dem Nachwuchs auf eine Entdeckungsreise im Netz gehen, raten Medien-Pädagogen. Foto: Techniker Krankenkasse

Bottrop.   Frank Schulte ist einer der Lehrer, die die Landesanstalt für Medien für die Initiative „Eltern und Medien“ geschult hat. Schulte macht Eltern im Umgang mit den neuen Medien schlau. Denn sie sollten wissen, was der Nachwuchs im Netz und den sozialen Netzwerken unternimmt und ihren Kindern ihr Interesse hierfür zeigen.

Sie stehen in der Ecke. Zwei altertümliche Computer. In der letzten Reihe, im Rücken der Kinder der Bottroper Schule Vonderort, die ihren Blick in Richtung Tafel wenden sollten. Vorne haben die Lehrer, genau wie vor 20 Jahren, Pappschilder mit der Aufschrift „a, e, i, o, u nennen wir Vokale“ an die Wand geklebt. Unterricht anno 2012 an einer Grundschule: Wertigkeiten haben sich verschoben. Der PC sitzt Schülern, Lehrern und Eltern im Nacken. „Wir setzen das Internet in jeder Klasse ein“, erklärt Schulleiterin Inge Varvoreanu. „Aber wir wissen auch um die Gefahren.“

Daher hat Varvoreanu zur „Elternschule“ geladen. „Ich will nicht Wissen vermitteln, sondern Einstellungen ändern“, sagt der Referent des Abends Frank Schulte. Schulte ist einer von knapp 20 Pädagogen, die die Landesanstalt für Medien (lfm) für die Initiative „Eltern und Medien“ geschult hat. Knapp zwei Stunden wird Schulte an diesem Abend in Bottrop dafür werben, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern auf der Medienwelle surfen. Seine These: „Der Umgang unserer Kinder und Jugendlichen mit Medien ist interessant. Wenn unsere Kinder unser Interesse bemerken, werden wir zu Partnern.“

Schulte verteufelt Internet, Fernsehen und Handy nicht, sieht aber die Gefahren. „Wir müssen unseren Kindern die wichtigsten Sicherheitsregeln im Umgang mit Medien vermitteln“, sagt er.

Eltern sollten weder Internetseiten sperren noch Downloads stoppen

Und benennt einige. Beispiel Chatten: „Die Identität des Gesprächspartners ist fast nie gesichert“, erklärt er. Eltern sollten mit ihren 13-jährigen Töchtern darüber sprechen, dass der sympathische, verständnisvolle 14-jährige Kevin unter Umständen ein ganz anderer Mensch mit ganz anderen Interessen ist. „Vielleicht heißt er ja Werner und ist 44.“ Beispiel Fotos, YouTube und Facebook: „Jeder kann heute für 1,4 Milliarden Menschen Fotos hochladen. Das war bis vor ein paar Jahren undenkbar“, sagt er. Im Selbstfindungsprozess pubertierender Jugendlicher sei diese Selbstdarstellung aber wichtig. „Dort können sie zeigen, wer sie sind, zu welcher Gruppe sie gehören“.

Das sei früher nicht anders gewesen. Er selbst habe sich mit 14 Jahren über einen hässlichen US-Parka die Sympathien der, wie er damals fand, coolen Jungs erkaufen wollen. „Setzen Sie Ihren gesunden Menschenverstand ein“, rät er den etwa 20 Eltern. „Dann erkennen Sie schnell, dass Schalke-Logos, Brad-Pitt-Fo-tos oder DVD-Cover nicht auf die Profilseite Ihres Kindes passen.“ Wo Firmen Geld verdienen wollen, dürfe man nicht einfach klauen. Das Gleiche gelte für Musik, Filme.

Von technischen Möglichkeiten, Seiten zu sperren oder Downloads zu verhindern, rät Schulte ab. „Sie ersetzen nicht die Kontrolle durch den Menschen“, sagt er und verweist darauf, dass Kinder bei Freunden dann heimlich die Verbote umgehen. „Vertrauen ist die beste Kontrolle“, ist er überzeugt. Von Verboten hält der Pädagoge nicht viel. Er fordert von Eltern einen eindeutigen und konsequenten Standpunkt mit festen Regeln für den Medienkonsum und warnt: „Medien dürfen nicht als Belohnung oder Strafe eingesetzt werden – das macht sie zu wichtig.“

Angelika Wölke



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