Elf Freundinnen sollt ihr sein

Essen..  Fünf Zeitzonen, sechs Spielstätten, 52 Partien, Reportagen und Spielberichte auf der Mattscheibe und online – ARD und ZDF kündigen ihre Übertragung der am Samstag beginnenden „Fifa Frauenweltmeisterschaft 2015“, wie der taumelnde Weltverband den Wettbewerb offiziell bezeichnet, an wie ein Sportfest der Superlative. Die Realität sieht bescheidener aus. Ein Großteil wird zu später, sehr später Stunde gesendet: Niederländer oder Schweizer müssen mitunter auch mal bis 4 Uhr nachts (Anstoß!) wachbleiben, um ihre Mannschaft im TV zu sehen. Deutsche Fans haben Glück: Das DFB-Team spielt, einigermaßen sozialverträglich, meist um 22 Uhr.

Aber es ist halt Sommerpause. Dem ohnehin nicht mit großer öffentlicher Aufmerksamkeit gesegneten Frauenfußball fällt sozusagen mal wieder die Rolle des Programm-Lückenbüßers in den Jahren zwischen WM, EM und Olympia zu.

Wann spielen die Deutschen?

Das erste Spiel in der Gruppe B gegen die Elfenbeinküste überträgt das ZDF am morgigen Sonntag um 22 Uhr. Auch gegen Norwegen wird am Donnerstag, 11. Juni, um 22 Uhr (ARD) angestoßen – und gegen Thailand geht es am Montag, 15. Juni um, wer hätte das gedacht, 22 Uhr (ZDF) los. Und das, obwohl es in Winnipeg, einem der beiden Vorrunden-Spielorte für die deutsche Elf, sechs Stunden früher ist. Angepfiffen wird um 16 Uhr Ortszeit.

Weiter geht es im Achtelfinale: Wird das Team von Silvia Neid Gruppenerster, spielen die DFB-Damen am Samstag, 20. Juni, um 22 Uhr (ARD). Werden sie Zweite, geht es am Montag, 22. Juni, um 23 Uhr (ARD) los. Im Viertelfinale gibt es mit deutscher Beteiligung die Varianten Freitag, 26. Juni, 22 Uhr oder Samstag, 27. Juni, um 1.30 Uhr.

Wer moderiert?

In Sachen Frauenquote bei der Frauen-WM sind die Sendeteams der Öffentlich-Rechtlichen durchaus noch ausbaufähig. Die ARD schickt Sportschau-Moderator Claus Lufen ins Sendezentrum nach Vancouver, im Studio zur Seite steht ihm Frauenfußball-Expertin und Ex-Nationalspielerin Nia Künzer. Kommentieren werden die im Ersten übertragenen Spiele erstmals auch Frauen: Stephanie Baczyk und Julia Metzner. Was auffällt: Von 20 ARD-Spielen bis zum Viertelfinale sitzen Metzner und Baczyk grade mal bei sechs am Mikro – den Großteil übernehmen die männlichen Kollegen Bernd Schmelzer, Florian Nass, Philipp Hofmeister und Jan Neumann.

Beim ZDF moderiert Sven Voss vom „Aktuellen Sportstudio“ zusammen mit Europameisterin Kim Kulig. Bei den Live-Reportern ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichener – und das Team nur halb so groß: Claudia Neumann und Norbert Galeske kommentieren je zehn Spiele bis zum Viertelfinale, Béla Réthy immerhin vier.

Was ist mit der Fifa?

Immerhin: Vom aktuellen Fifa-Skandal bleibt die WM in Kanada weitgehend verschont. Den Benachteiligungs-Beschwerden einer Allianz prominenter Spielerinnen, weil sie auf Kunstrasen auflaufen müssen, kam der kanadische Gerichtshof für Menschenrechte nicht nach – zu spät eingereicht. 2019 wird in Frankreich wieder echter Rasen ausgerollt. Die Fifa hatte den Kunstrasen durchgesetzt und – entsprechend teure – Lizenzen dafür vergeben. Natürlich ohne finanziellen Hintergedanken, wie Sepp Blatter stets betont hatte. Der scheidende Fifa-Boss bleibt übrigens zuhause.

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