Ekel Alfreds Frau ist tot - Trauer um Elisabeth Wiedemann

Die legendären Tetzlaffs: Diether Krebs (gest. 2000), Elisabeth Wiedemann (gest. 2015), Heinz Schubert (gest. 1999) und Hildegard Krekel (gest. 2013).
Die legendären Tetzlaffs: Diether Krebs (gest. 2000), Elisabeth Wiedemann (gest. 2015), Heinz Schubert (gest. 1999) und Hildegard Krekel (gest. 2013).
Foto: dp
„Ein Herz und eine Seele“ hat sie berühmt gemacht: Jetzt ist Elisabeth Wiedemann gestorben. Sie war die letzte Überlebende der legendären TV-Familie.

Essen.. Sie wolle das nicht, hat sie oft gesagt, wolle sich nie auf nur eine Rolle festlegen lassen. Und doch ist ihr genau das passiert. Denn für die meisten Deutschen ist Elisabeth Wiedemann immer geblieben, was sie in den 1970ern für das Fernsehen wurde. Else Tetzlaff, vom Gatten Alfred (Heinz Schubert) gerne „dusselige Kuh“ genannt und trotzdem mit Mann, Tochter Rita (Hildegard Krekel) und Schwiegersohn Michael (Diether Krebs) „Ein Herz und eine Seele“ in der ersten und bis heute vielleicht besten Sitcom des deutschen Fernsehens. Am Mittwoch wurde bekannt, dass Wiedemann im Alter von 89 Jahren gestorben ist – als letzte der Tetzlaffs.

Das einfältige Hausmütterchen, das Pompidou für den Mann von Madame de Pompadour hält und Kiesinger mit Kissinger verwechselt und mit einem cholerischen Spießer verheiratet ist, der sie ständig runterputzt, ist eine Rolle, die so gar nichts mit ihrem wahren Leben zu tun hat. Denn da hat sich Wiedemann nicht so schnell in die Ecke stellen lassen.

Wiedemann ließ sich zur Tänzerin ausbilden

Geboren am 8. April 1926 in Bassum nahe Bremen, aufgewachsen in Berlin, lässt sie sich als junges Mädchen bei der international bekannten russischen Choreografin und Ballettmeisterin Tatjana Gsovsky zur Tänzerin ausbilden. Zwei Jahre tanzt sie an der Staatsoper Berlin, wo sie den großen Gustav Gründgens kennenlernt. Er holt sie zum Sprechtheater, holt sie 1951 nach Düsseldorf ans Schauspielhaus. Später spielt sie unter anderem in Frankfurt, Hamburg, München, Hannover, Köln, Wien und Santiago de Chile, wo sie auch inszeniert.

Wenn die Zeit es zulässt, steht Wiedemann aber auch gerne vor der Kamera. Seit Mitte der 1950er für den Film, später auch für das immer beliebter werdende Fernsehen. Beim „Millionenspiel“ ist sie dabei, spielt im Kommissar und im Derrick, später auch im Tatort, ist im Film von Otto die „Konsulin von Kohlen und Reibach“ und zuletzt, im Jahr 2012, neben Dieter Pfaff in „Der Dicke“ zu sehen. Kleine Rollen sind es, heute längst vergessen.

Else Tetzlaff aber, die kennt jeder jenseits der dreißig, die hat niemand vergessen, der sie einmal gesehen hat, wie sie in ihrem Kittel da sitzt und das Leben mit einem reaktionären Ekel und Ehemann namens Alfred an ihrer Seite meistert. Wunderbar naiv, herrlich schlicht und sehr unterhaltsam. Wolfgang Menge hat diese Sendung geschaffen, angelehnt an ein britisches Vorbild. „Ein Herz und eine Seele“ nennt er die Show, die live vor Publikum aufgezeichnet wird und Wiedemann in den frühen 70ern zur bekanntesten Hausfrau des Landes macht. Auch weil sie sich vor dem „Sophokles-Schwert“ über ihrem Kopf fürchtet oder sich wundert, dass beim defekten Fernsehen auch das dritte Programm nicht mehr funktioniert, denn: „Das müsste doch wie neu sein. Das haben wir doch nie genutzt.“

Die Familie um Alfred polarisiert

Alfred und seine Familie polarisieren. Bei ihnen wird geflucht, auf Ausländer geschimpft, die SPD beleidigt und die eigene Verwandtschaft sowieso. „Das war die beste Sendung des Jahres! Wir saßen vor dem Bildschirm und lachten Tränen“, jubilieren Zuschauer nach der ersten Folge, während andere fordern: „Es ist höchste Zeit, daß derartige Ekelgestalten schnell wieder verschwinden.“

Die Einschaltquoten jedenfalls sind extrem hoch. Dennoch steigt Wiedemann nach 21 Folgen aus, weil sie nicht dauerhaft in eine Schublade gesteckt werden möchte. Sie kehrt zurück auf die Bühne, wo sie viele Jahre große Erfolge feiert, wird beliebter Gaststar im TV und spielt bis ins hohe Alter.

Und als sie vor gut zehn Jahren beruflich kürzer tritt, da macht sie das nur, um ihren schwer erkrankten zweiten Ehemann, Werner Mengedoth, bis zu seinem Tode zu pflegen. „Wir halten zusammen“, sagt sie damals.

Die letzten Jahre im Pflegeheim

Mitte 80 ist Wiedemann, da braucht sie selber Hilfe. Die Bronchien wollen nicht mehr, der Kopf ist nicht mehr klar. Und als die in den letzten Jahre zuvor aufgenommen Filme mit ihr ins Fernsehen kommen, da ist sie längst entmündigt und in einem Pflegeheim. Dort im oberbayerischen Marquartstein ist sie jetzt gestorben, wie ihre Nichte und eine Sprecherin des Heimes am Mittwoch bestätigten.