„Eine Liebe für den Frieden“ - Sebastian Koch spielt Alfred Nobel als Eigenbrödler

Dynamit-Erfinder verliebt sich in Friedensaktivistin: Birgit Minichmayr, Sebastian Koch.
Dynamit-Erfinder verliebt sich in Friedensaktivistin: Birgit Minichmayr, Sebastian Koch.
Foto: ARD-Degeto
Was wir bereits wissen
Die Geschichte hat einen Bart, buchstäblich, trotzdem ist sie modern: Alfred Nobel erfand das Dynamit, dann stiftete er einen Friedenspreis. Was Sebastian Koch über Bärte denkt: Interview.

Berlin.. Er war Stauffenberg und Speer, Klaus Mann und Richard Oetker. Er hat RAF-Terroristen gespielt und Stasi-Opfer wie im Oscar-Film „Das Leben der Anderen“. Im ARD-Drama „Eine Liebe für den Frieden“ (3. Januar) spielt Sebastian Koch Chemiker Alfred Nobel – als liebenswerten Eigenbrötler, der erst das Dynamit erfindet und sich dann unsterblich in die Friedensaktivistin Bertha von Suttner verliebt. Julia Emmrich traf den 52-Jährigen in Berlin.

Pazifisten sind aus der Mode gekommen. Deutschland beteiligt sich längst wieder an Kriegen. Sind Sie Pazifist?

Sebastian Koch: Ja, absolut.

Heißt: Es gibt grundsätzlich keinen Grund, in den Krieg zu ziehen?

Koch: Diese Frage kann man nicht einfach so beantworten. Zu viele Faktoren spielen hier eine Rolle. Doch die Erfahrung zeigt: Aggression erzeugt Gegen-Aggression. Es bringt nichts, blind zuzuschlagen. Aber wenn das Leben, das Überleben einer Gruppe von Menschen in Gefahr ist, ist es manchmal absolut notwendig einzugreifen. Die Frage ist nur: wie...

... wie in Syrien oder im Irak?

Koch:... ja, zum Beispiel. Man sollte aber auf keinen Fall das Risiko verkennen, sich von außen in politische und soziale Systeme einzumischen und dadurch ein traditionsreiches Gleichgewicht zu zerstören, wie es die Amerikaner im Irak gemacht haben.

Waren Sie bei der Friedensbewegung?

Koch: Ich habe mal ein paar Flugblätter verteilt, aber mehr nicht. Ich bin in der Öffentlichkeit kein aktiv politischer Mensch. Ich drücke mich durch meinen Beruf aus und habe in meinen Filmen nicht nur Nazi-Geschichte aufgearbeitet, sondern auch andere politische Konflikte auf die Leinwand gebracht, das ist für mich wichtig. Eine Art Auftrag.

Alfred Nobel ist ein eigenartiger Typ, oder? Sprengstoff erfinden, Friedenspreis stiften – wie passt das zusammen?

Koch: Tja, wie jeder Mensch hat er seine Widersprüche. Das Leben dieses sympathischen Eigenbrötlers drehte sich nicht nur um die Wissenschaft sondern auch um Literatur, Politik, und um eine langjährige, unerfüllte Liebe zur Friedensaktivistin Bertha von Suttner. Nobel ist ein Kauz. Wirklich zu Hause fühlt er sich nur in seinem Labor. Er meidet die roten Teppiche und die Salons. Ein echtes Original. Aber ich mag ihn sehr gerne: Er strahlt eine große Liebenswürdigkeit aus, eine große Menschlichkeit. Und er hat etwas Wissendes: Als ob er ahne, suche, ja, erkenne, „was die Welt im Innersten zusammenhält“.

Um 1900 glaubt Nobel noch, dass es eines Tages eine Welt ohne Krieg geben wird. War der Mann naiv?

Koch: Oder geistvoll, hochintelligent? Das liegt ja nah beieinander. Nobel war jedenfalls ein entschlossener Gegner der Dummheit. Er war kein Träumer. Er hatte Ideen, die er durch Gespräche mit der Pazifistin Bertha von Suttner teilte, für die er sich einsetzte. Es ist ein schöner Traum daran zu arbeiten, dass der Mensch vielleicht ja irgendwann mal in der Lage sein wird, über den Urzustand hinauszukommen und sein Gehirn, sein Wissen und seine Erfahrung dazu nutzt, friedlich zu leben.

Im Moment stehen Sie mitten im Kalten Krieg: Steven Spielberg dreht mit Tom Hanks einen Agententhriller im geteilten Berlin. Sie spielen einen DDR-Anwalt. Wieder eine historische Figur!

Koch: Stimmt. Es war aber eben auch einfach die Chance, mit Steven Spielberg und Tom Hanks zu drehen. Die Möglichkeit, einen anderen Blickwinkel auf das deutsch-sowjetische Geschehen zu haben und die Krise, die die Welt in zwei Sektoren teilte noch einmal, anders, widerzuspiegeln, zu beleuchten.

Als Anwalt sind sie glattrasiert, Nobel trug Bart. Fühlt sich das Leben mit Bart anders an als ohne?

Koch: Ein Bart gibt einem etwas mehr Schutz. Man zeigt das Gesicht nicht. Der Bart schirmt einen auf eine gewisse Art ab. Gleichzeitig hat es etwas Männliches, es macht einen würdevoller.

Hat Ihnen keiner gesagt: Lass’ den mal dran?

Koch: Doch, viele. Aber ich finde mich ohne Bart eben auch gut. (lacht)