"Eine Liebe für den Frieden": ARD zeigt tolles Doppelporträt

Bertha von Suttner (Birgit Minichmayr) genießt das gesellschaftliche Leben in den Salons, begleitet von Alfred Nobel (Sebastian Koch, 2. v. li.) und Ehemann Arthur (Philipp Hochmair, 2. v. re.).
Bertha von Suttner (Birgit Minichmayr) genießt das gesellschaftliche Leben in den Salons, begleitet von Alfred Nobel (Sebastian Koch, 2. v. li.) und Ehemann Arthur (Philipp Hochmair, 2. v. re.).
Foto: ARD Degeto/Monafilm/Oliver Roth
Was wir bereits wissen
„Eine Liebe für den Frieden“ ist ein großartiger Film, der eine Liebesgeschichte der besonderen Art erzählt: die Beziehung zwischen Alfred Nobel und Bertha von Suttner.

Frankfurt.. Schwedischer Chemiker trifft österreichische Pazifistin, Eigenbrötler trifft Weltverbessererin. Mit der Liebesgeschichte zwischen Alfred Nobel und Bertha von Suttner eröffnet die ARD (Samstag, 20.15 Uhr) das TV-Jahr auf leise Weise: Die unerfüllte Liebe zwischen den beiden Jahrhundertfiguren kommt als feines Duett daher – mit Sebastian Koch als Nobel und Birgit Minichmayr als Bertha von Suttner.

1876 reist Bertha nach Paris, um bei Alfred Nobel als Privatsekretärin zu arbeiten. Es dauert nur Minuten, da ist beiden klar: Die Chemie stimmt. Nobel, dieser eigenwillige Kauz, der ein Vermögen mit der Erfindung des Dynamits gemacht hat, erkennt in der klugen, selbstbewussten Österreicherin ein ebenbürtiges Gegenüber. Und auch Bertha fühlt sich hingezogen – zu diesem warmherzigen, gewitzten, wenn auch deutlich älteren Wissenschaftler.

Anziehung ja, Liebesbeziehung nein

Das von ARD-Tochter Degeto produzierte Drama „Eine Liebe für den Frieden – Bertha von Suttner und Alfred Nobel“ basiert auf dem Theaterstück „Mr. und Mrs. Nobel“ von Esther Vilar – erlaubt den beiden Liebenden aber keine heimliche Affäre, sondern orientiert sich eher an der historischen Wirklichkeit. Anziehung ja, Liebesbeziehung nein.

ARD-Film Tatsächlich sahen sich die beiden kaum: Bereits nach zwei Wochen als Privatsekretärin entscheidet sich Bertha für eine Heirat mit dem sieben Jahre jüngeren Arthur von Suttner, der für die Geliebte mit seinem Elternhaus gebrochen hat. Bertha verlässt Paris und Nobel – und reist mit Arthur in den Kaukasus. Nobel bleibt mit gebrochenem Herzen zurück. Doch sie schreiben sich von nun an regelmäßig – zwei Seelen im Austausch, zwei Geistesgrößen, die aneinander wachsen.

Sie fordert: „Die Waffen nieder!“

Im Kaukasus wird Bertha von Suttner Zeuge von Krieg, Leid und Tod. Sie beginnt, darüber zu berichten – nicht im heroischen Ton der traditionellen Kriegsliteratur, sondern als mitfühlende Beobachterin. Ihr erster Roman „Die Waffen nieder!“ wird zum internationalen Bestseller, Nobel unterstützt sie nach Kräften. Für den Forscher ist es auch der Versuch, aus seinem eigenen Dilemma herauszufinden: Im Herzen Pazifist, muss er mit ansehen, wie er durch sein Dynamit zunehmend mit Krieg und Tod in Verbindung gebracht wird. Am Ende wird er den Friedensnobelpreis stiften – und Bertha von Suttner die erste weibliche Preisträgerin sein.

Die vielfach ausgezeichnete Österreicherin Birgit Minichmayr ist die Idealbesetzung für die kluge, eigenwillige Bertha: Die 37-Jährige mit der dunklen Stimme, den kraftvollen Gesichtszügen und dem großen, schönen Mund lässt ihre Bertha so modern wie möglich und so zeitgenössisch wie nötig auftreten. Sie schnürt ihre Taille ein, aber nicht ihren Verstand. Und wirkt dabei die ganze Zeit wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Und Sebastian Koch? Der 52-Jährige („Das Leben der Anderen“) hält sich auf so charmante Weise zurück, dass Minichmayr in jeder Sequenz strahlen kann. Und doch ist auch sein Nobel kein vertrockneter Forscher: Dazu muss man nur beobachten, was er alles mit seinen dunkelbraunen Augen anstellt – sobald sie Berthas Blick begegnen.

Fazit. „Eine Liebe für den Frieden – Bertha von Suttner und Alfred Nobel“ ist ein faszierendes Doppel-Porträt mit ebenbürtigen Hauptdarstellern.