Abschiebe-Drama
Eine ganze Schule kämpft für Harut
21.09.2009 | 10:56 Uhr 2009-09-21T10:56:00+0200
Kirchlengern. Eine ganze Schule kämpft um ihren Mitschüler. Harut aus dem ostwestfälischen Kirchlengern wurde nach Armenien abgeschoben. Für eine Rückkehr nach Deutschland fehlt ihm der Pass. Hat der talentierte Jugendliche dennoch eine Chance?
Diesen Moment wird Helena Wiebe wohl nie vergessen. Den ganzen Morgen über hat sie telefoniert, hat, wie so viele im Lehrerkollegium, versucht, irgendetwas zu erreichen, damit Harut nicht das Land verlassen muss. Und jetzt hört sie die Stimme ihres Schülers am Handy: „Frau Wiebe, ich muss jetzt hier abbrechen. Ich muss einsteigen!” 12.15 Uhr sei es da gewesen, am 19. Mai, dem Tag von Haruts Abschiebung. Schon vor dem Flugzeug stehend, sei er zusammengebrochen, habe geweint. Um 12.30 Uhr dann gibt es keinen Kontakt mehr zu ihm.
Weihbischof konnte nicht helfen
Harut, er ist tatsächlich fort, lebt seitdem in Armenien, dem Land seiner Eltern. Abgeschoben nach elf Jahren in Deutschland, zusammen mit seiner Familie. Doch die Schüler und Lehrer der Erich-Kästner-Gesamtschule im ostwestfälischen Kirchlengern geben nicht auf, für ihn zu kämpfen. Sie engagierten eine Anwältin, eine Expertin für Asylrecht. Sie diskutierten mit Richtern und der Ausländerbehörde. Sie informierten den Paderborner Weihbischof und schrieben eine Petition an den NRW-Landtag. 5000 Euro sammelten sie bei einem Sponsorenlauf, mit Autowaschen und Gärtnern.
Nicht umsonst! Am Ende der Sommerferien signalisierte ihnen die Ausländerbehörde des Kreises Herford, es gebe da noch eine Chance für Harut. „Offenbar hatte es Gespräche zwischen dem Ausländeramt und dem Innenministerium gegeben”, sagt Eberhard Baecker, der Leiter der Erich-Kästner-Gesamtschule. Man sei bereit, die Abschiebung aus humanitären Gründen auf einen Tag zu befristen, was nichts anderes bedeutete, als eine Wiedereinreise zu ermöglichen. Voraussetzung sei, dass die Kosten der Abschiebung bezahlt würden und Harut, der ja alleine zurückkäme, von jemanden aufgenommen werde. Bizarr, aber wahr: Die Schüler legten 3000 Euro von ihrem für Harut gesammelten Geld auf den Tisch. So viel, wie seine Abschiebung gekostet hat. Zudem erklärte sich die Mutter von Haruts Freund Rodi bereit, ihn bis zu seinem Abitur aufzunehmen. Die Ausländerbehörde informierte daraufhin sogar die deutsche Botschaft in Eriwan, dass sie einer Aufenthaltsgenehmigung für Harut im vorab zustimme.
Die Mühlen der Bürokratie
Was wie ein Happy End klingt, ist jedoch keines. Denn Harut ist längst in die bürokratische Maschinerie Armeniens geraten. Während seine Eltern dort mühelos einen Pass erhielten, wird der ihm und seinem älteren Bruder Tigran verweigert. „Wir könnten ja wieder verschwinden, haben sie gemeint. Und, dass wir erst nach zwei Jahren Militär einen Pass bekommen”, erzählt Harut, den die WAZ in diesen Tagen im armenischen Artashat besuchte, wo er inzwischen im Haus der Großeltern wohnt.
Ohne Militärdienst kein Pass, ohne Pass kein Visum. Haruts Traum, das Abitur zu machen und Jura zu studieren, scheint wieder in weite Ferne gerückt zu sein. Dabei halten sie in Kirchlengern für ihn einen Platz in der Klasse 11 frei. Sie mögen ihn alle, Lehrer wie Schüler. Schätzen, wie er sich eingesetzt hat, als Klassensprecher und Streitschlichter. So beliebt ist er, dass sie bis heute den Kontakt zu ihm aufrecht erhalten.
Dabei haben sie sich in diesen Wochen oft so hilflos gefühlt. „Wir sind ja unerfahren gewesen, keine Profis in Sachen Menschenrechtsverletzung – was Haruts Abschiebung für uns ist”, sagt Schulleiter Baecker und gibt zu, dass er auch stolz auf dieses Engagement sei, „gerade in einer Zeit, in der es oft heißt, es gebe zu viele Ausländer im Land”. Die Abschiebung Haruts habe sie eine Welt kennenlernen lassen, „von der wir im schönen Kirchlengern nicht gedacht haben, dass sie existiert”.
Um drei Uhr morgens hatte die Zentrale Ausländerbehörde, verstärkt durch Polizisten, Harut und seine Familie aus den Betten geholt. Für geradezu absurd hält Haruts Klassenlehrer Roland Drossert die Behauptung der Ausländerbehörde, man habe von der letzten Prüfung des Jungen an diesem Tag nichts gewusst: „Wir standen mit dem Amt schon seit einem Jahr in Kontakt, es hatte angefragt, wann er seine Fachoberschulreife haben würde, wann sein Abitur.”
„Inhuman!”, sagt auch Sigrid Beer, Sprecherin der Grünen im NRW-Petitionsausschuss, „diese Abschiebung hätte nie geschehen dürfen.” Beer will sich an den Petitionsausschuss des Bundestages sowie das Auswärtige Amt wenden. Vor allem aber will NRW-Integrationsminister Laschet Außenminister Steinmeier auf den Fall aufmerksam machen (siehe Interview). Neue Hoffnung also für Harut?

20:53
Die Abschiebung der Familie um den Schüler Harut,
als ich das in der Zeitung gelesen habe war ich mehr als erschüttert! Sind wir schon wieder soweit, das man mitten
in der Nacht aus dem Bett geholt wird. Man kann nur das wichtigste zusammen packen und dann wird man abgeschoben.
Es erinnert mit sehr an die Machenschaften des dritten Reichs. Gerade wir sollten doch anders mit Menschen umgehen können.
Müssen wir nicht dringend dafür sorgen, dass wir Einwanderer ins Land bekommen damit wir unser Land aufrecht erhalten können.
So sieht es zumindest die UNO.
Aber vielleicht ist es den Politikern ja ganz recht wenn Deutschland ausstirbt!
09:16
Das Ableisten ist eine Staatsbürgerpflicht. Der junge Herr sollte froh sein seinem Vaterland dienen zu dürfen. Wie kann ein deutsches Gericht sich anmassen über die Qualität des Wehrdienstes in einem anderen land zu urteilen.
Sicherlich wäre es besser wenn die Familie in Armenien direkt arbeiten könnte um monatlich dem Deutschen Staat (also uns)das zurück zu überweisen um das sie uns in den letzten Jahren betrogen hat.
08:02
Wer einen solchen Betrug macht, gehört nicht nach Deutschland. Und wenn der gerr fatih da schreibt, wegen ein paar Euros, dann hat der den Schuss nicht gehört. Und wenn er weiterhin im Text darauf hinweis, dass der Harut den Staat verklagen soll und auf Schadenersatz hinweist, dann weiß ich was ich von solchen Leuten zu halten habe. Den Staat , nämlich uns alle, schädigen wo immer es geht.
Pfui Teufel mit solchen Leuten. Das Gedankengut erinnert mich sehr an die Vvergangenheit hier. Soll fatih dahin gehen wo er her gekommen ist, mal ist es die Türkei, mal ist es Syrien, mal der Irak, gerade wie er gerade will.
So etwas braucht man in Deutschland nicht.
Und Propagandamaschienen sind unnötig.
19:06
Ich vermisse bei dem ganzen Betroffenheitsgesudel mal ein paar klare Worte zu den Hauptverantwortlchen.
Nicht die Behörden sind schuld an der Abschiebung, sondern die Eltern des Schülers sind Asylbetrüger.
Sie wurden NIEMALS verfolgt, haben ihren wahren herkunftsort verschwiegen und einen anderen angegeben. Ihre Motivation war es, hier zu arbeiten.
Als Asylbeantragende hat diese Familie Kosten von mehr als 250.000 EURO verursacht (zur Aufschlüsselung der Kosten bitte meinen entsprechenden Kommentar bei dem weiteren Artikel lesen, dies ist keine populistische Rechnung).
Der Junge ist natürlich gestraft - aber dafür kann er sich bei seinen Eltern bedanken!
18:19
Schlimm und bedauerlich für den Jungen, aber seine Eltern sind nun einmal auf kriminelle Art und Weise ins Land gekommen. In Armenien herrscht Frieden. Wir können nun einmal nicht die ganze Welt aufnehmen und ernähren! Alle, die sich so stark machen, können ja zuhause in ihrer Wohnung Asylbewerber usw. aufnehmen und beköstigen! Bitte denkt einmal ein wenig nach! In Deutschland haben wir selber viele Probleme! Wer kümmert sich bei uns um die obdachlosen und misshandelten Kinder? D a s wäre eine Aufgabe!
10:38
Sorry den ungebildeten Kommentar! Nein ich bin nicht neidisch und mir sind die Sozialleistungen schnuppe und ich habe auch nie Neid um Geld zum Ausdruck gebracht !!! Ich bin nicht reich, aber habe genug.
Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, das es vielen Menschen schlechter geht. Natürlich geht es den in Deutschland lebenden mit 1300 Euro wahrscheinlich besser. Aber 1300 Euro netto ist auch schon was (alleine). Besonders in Teilen Afrika ist die Armut noch größer!!!
Zu meinen Freunden: Mit 15 Diplom? Nein!! Aber deutsch konnten die trotzdem nach 6 Monaten genau wie ein anderer Freund von mir nach 6 Monaten in Brasilien portugiesisch konnte! Man muss halt nur wollen und nicht nur auf einheimischer Sprache sprechen, dann klappt es auch mit der Sprache!
Es wird übringends ein Diplom in Elektrotechnik in Regelstudienzeit!
Mit 1300 Euro und einer 3 köpfigen Familie ist echt schwer...als Kind hatten wir aber auch nicht mehr!
10:21
@kappla,
auch ich lerben von wit aus weniger als 1300€ nur zur info,und das als 3 köpfige Familie mit dem Unterschied das ich 40std/Woche arbeite und keine Hilfen in Anspruch nehme auch wenn ich es könnte.
10:17
#kappla
Mein Freunde aus der Russland haben in drei Monaten deutsch gesprochen und verstanden, nach 6 Monaten perfekt.
ja, ist klar und mit 15 das Diplom in Physik gemacht und erhalten nächstes Jahr den Nobelpreis.
Warum schreibst Du hier solchen Unsinn?
10:15
Immer wieder die Neid-Debatte um das Geld.
In jedem Kommentar aus einer bestimmten Ecke kommt immer Neid hoch, dass Asylbewerber hier einige Euro erhalten, damit sie nicht verhungern. Mit dem Geld was Asylbewerber erhalten kommt ein normaler Bürger doch noch nicht mal von Montag bis zum Wochenende. Also, mal ganz schön den Ball flach halten....
10:11
Damit das Geschreibe wegen dem Sozialgeld hier endlich ein Ende hat.
Ob die in Anspruchnahme von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz strafbar war, ist nicht klar. Ich finde: Nein. Einerseits hat die Familie zwar ihre Herkunft verschleiert und Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Was wäre denn gewesen, wenn sie ihre Herkunft nicht verschleiert hätte? Auch in disem Fall hätte die Familie Anspruch auf Sozialgeld gehabt, solange sie in Deutschland lebt. Schließlich war ja auch der Vorsatz nicht darauf gerichtet, hier Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu erhalten, sondern zu leben und zu arbeiten.
Da es schon am Vorsatz fehlt, scheidet hier eine Straftat aus.