Ein Polit-Thriller aus der Welt der Hochfinanz

Hervé Falciani – Robin Hood  oder Krimineller?
Hervé Falciani – Robin Hood oder Krimineller?
Foto: SWR/gebrueder beetz filmproduktion
Was wir bereits wissen
Er ist der Mann, der die Bankenwelt erschütterte: Hervé Falciani verkaufte Kundendaten an die Behörden und entblößte unzählige Steuerhinterzieher. Die ARD zeigt den Film „Falciani und der Bankenskandal“.

Essen.. Er verführt Frauen, agiert im Verborgenen, macht geheime Geschäfte mit illegalen Daten. Hervé Falciani ist so etwas wie der James Bond für das Finanzwesen. Zumindest sieht er sich selbst so – und der Film „Falciani und der Bankenskandal“, der heute läuft, sieht das ähnlich.

Dabei ist der Mann – zumindest auch – ein Krimineller, wird nach wie vor von Schweizer Behörden per Haftbefehl gesucht. Falciani ist der Mann, der 2008 die Bankenwelt erschütterte, weil er private Kontodaten an die französischen Behörden verkaufte. Die deckten nach und nach ein System von Schwarzgeldkonten und Geldwäsche auf.

Offener Blick, offener Hemdkragen

Was ist dieser Falciani für ein Typ, was treibt ihn an? „Bin ich ein Dieb?“, fragt er sich in der Eröffnungssequenz. Nein. „Ich habe gegen eine Regel verstoßen – aber im Bewusstsein, dass diese Regel gegen die Interessen der Allgemeinheit verstößt.“ Eine schwierige Frage.

ARD-Fernsehfilm Die Einschätzung des Films dazu ist zwiespältig. Falciani wendet sich direkt an den Zuschauer, mit offenem Blick und ebensolchem Hemdkragen sieht er dem Publikum in die Augen. Das erinnert an Leonardo DiCaprios Jordan Belfort in „Wolf of Wallstreet“ – Schurke durch und durch. Und trotzdem ist er es, der sich dem Zuschauer uneingeschränkt erklären, dem Tribunal des Publikums stellen und dem man nicht richtig böse sein kann.

Kaltes Blau und funkiger Bass

Die Bösen, das sind die Banken. Sinistre Szenen in kaltem Blau zeigen einen verschwommenen Falciani, dazu funkige Bassläufe á la „Oceans Eleven“ – hier kämpft ein Robin Hood gegen reiche Heuschrecken, die den Hals nicht vollkriegen und winkend und grinsend aus Privatjets klettern, während die überforderte Assistentin die Koffer hinterher schleppt. Zu Wort kommt die Branche nicht. Ein Manko des Films.

Ein anderer: Ob es sich bei manchen Aufnahmen um Originalmaterial handelt, wird nicht deutlich. Einerseits erweckt Filmemacher Ben Lewis mit seiner Kameraführung den Eindruck verdeckter Recherche – doch dass er Falciani bei einem Treffen mit dem französischen Geheimdienst begleitet haben soll? Unwahrscheinlich.

Alles nur Fassade

Andererseits gelingt es „Falciani und der Bankenskandal“, das staubtrockene Thema als Polit-Thriller zu verkaufen – und das ist es ja auch. Nebenbei begreift auch ein Laie die in pixeliger Gameboygrafik aufbereiteten Zusammenhänge. Die Hochfinanz als Computerspiel.

ARD-Krimi Dass Banken eine Parallelwelt im Schatten sind, spiegelnde Fassaden, hinter denen ganz eigene Regeln herrschen – das zu erklären, hätte keine 90 Minuten gebraucht. Auch prominente Köpfe wie Peer Steinbrück oder Wolfgang Schäuble täuschen nicht darüber hinweg: So genau will die Politik vielleicht gar nicht wissen, was in dieser Parallelwelt passiert.

Fazit: Optisch und inhaltlich ansprechend, aber mit ein paar handwerklichen Fehlern. Schade, gucken lohnt aber trotzdem, dümmer wird man nicht.

ARD, Dienstag 22.45 Uhr