Ein Gitarrengott wird 70

London..  Eric Clapton ist kein Typ für den Schaukelstuhl. Nicht nur als Vater von fünf Kindern, auch als Schöpfer einiger der erfolgreichsten Bluessongs der Musikgeschichte hat der Brite etwas geschaffen, was über sein Leben hinaus Bedeutung haben wird. Am Montag feiert er seinen 70. Geburtstag. Es soll noch lange nicht Schluss sein: Im Rentneralter steht er vor der Veröffentlichung eines neuen Albums. Mit „Forever Man“ kommen bisher unveröffentlichte Werke von „Slowhand“ gemeinsam mit alten Hits wie „Tears In Heaven“ auf den Markt.

Eric Clapton gehört zu den ganz großen Namen einer Musikergeneration, wie sie in dieser Dichte vielleicht nicht wieder kommt. Er hat 129 Millionen Alben verkauft und mit allen Großen seiner Zeit gearbeitet: mit Frank Zappa und mit den Beatles, mit Aretha Franklin, Mark Knopfler und mit Bob Dylan. Clapton schuf Hits, die über Jahrzehnte zu Evergreens wurden: „I Shot The Sheriff“ gehört dazu, aber auch der Country-Hit „Lay Down Sally“ oder die Ballade „Wonderful Tonight“. Das Fachmagazin „Rolling Stone“ setzte ihn im Jahr 2003 auf Platz zwei der 100 größten Gitarristen aller Zeiten hinter Jimi Hendrix und vor Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page.

Die Trauer über den Verlustin einem Song verarbeitet

Die Musik prägte Claptons Leben maßgeblich, seit er sich im Alter von 17 Jahren der Band „The Roosters“ anschloss. Aber auch der Alkohol beeinflusste den Musiker. „Das Problem dabei war nur, dass ich wieder hoffnungslos an der Flasche hing und praktisch jede Kontrolle über mein Trinkverhalten verloren hatte“, räumte Clapton in seiner Autobiografie „Mein Leben“ ein, die er 2007 veröffentlicht hatte. Es bedurfte mehrerer Entziehungskuren, um Eric Clapton vom Suff zu befreien, wie er in der selten schonungslosen Selbstbeschreibung offenbart.

Nichts aber nahm soviel Einfluss auf den Mann, den viele „Gitarrengott“ nennen, wie der tragische Tod seines Sohnes. „Nie hatte ich stärker das Gefühl, ein normales Leben zu führen, als mit diesen beiden“, schrieb er über die Tage mit Söhnchen Conor und dessen Mutter Lory. „Conor war ein hübscher Junge mit blondem Haar, ähnlich wie meines in diesem Alter gewesen war,“, schwärmte Clapton über seinen Sohn. Bis eines vormittags der Anruf kam: Conor ist tot. Beim Spielen war der Vierjährige durch ein geöffnetes, bodentiefes Fenster im 53. Stock eines New Yorker Wolkenkratzers gelaufen.

Das war 1991. Wenig später veröffentlichte Clapton einen Song, mit dem er die Trauer über den Tod des Kindes verarbeitete. „Tears In Heaven“ („Tränen im Himmel“) wurde zum Welthit. „Wenn wir uns treffen, im Himmel, da bei Dir, wirst Du mich erkennen, beim Namen rufen, so wie hier?“ heißt es in einer der Zeilen. An deutschen Schulen wird der Song im Religionsunterricht behandelt.

Das Leben des Rockstars könnte aber auch ein Thema für den Sozialkundeunterricht sein, oder für das Fach Psychologie. 1945 im englischen Ripley geboren, wurde er von den Großeltern aufgezogen, weil seine Mutter nach Kanada entfleucht war. Als er sie kennenlernte, durfte er sie nicht „Mummy“ nennen. Ob sein Verhältnis zu Frauen an diesem Punkt einen Knick bekam, wird höchstens Clapton selbst wissen. Dass sein Frauenverschleiß so legendär ist wie seine „Slowhand“ an der Gitarre, gehört zum Kulturgut des Rock’n’Roll. Seine fünf Kinder haben drei verschiedene Mütter – mindestens zwei von ihnen waren nicht seine Ehefrauen.