Ehe-Trend macht sozialen Aufstieg schwieriger

Klischee von vorgestern: Der Arzt heiratet die Krankenschwester.
Klischee von vorgestern: Der Arzt heiratet die Krankenschwester.
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Männer suchen häufiger eine Frau mit einem ähnlich hohen Bildungsstand, doch dadurch wächst die soziale Ungleichheit der Gesellschaft. Reiche werden reicher, Arme ärmer.

Essen.. Noch vor einem halben Jahrhundert war es das Klischee: Der erfolgreiche Arzt, der die Krankenschwester heiratet, oder der Firmenchef, der die Sekretärin ehelicht. Doch die Zeiten sind längst vorbei. Neuste Studien belegen, dass sich erfolgreiche Männer zunehmend eine Partnerin suchen, die den gleichen Bildungsstand hat – der Arzt kann jetzt die Ärztin haben, einfach weil es mehr von ihnen gibt als noch vor 50 Jahren.

Doch das führt Studien zufolge zu einem neuen Phänomen: Der soziale Aufstieg durch eine Heirat wird immer schwieriger. Auch die Soziologen Hans-Peter Blossfeld und Andreas Timm bestätigen in ihrer Studie: Der Anteil der aufwärtsheiratenden Frauen hat über Generationen hinweg deutlich abgenommen. Einerseits weil es Frauen nicht mehr müssen, andererseits weil sie es nicht mehr können.

„Tendenz zur Paarung unter Gleichen“

Die „Tendenz zur Paarung unter Gleichen“ nennt es die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Ein Trend der nachweislich die Einkommensungleichheit steigert. Sprich, die Reichen werden immer reicher, Arme immer ärmer.

Soziale Kluft Sichtbar ist das Auseinanderdriften der westlichen Gesellschaft schon lange. Laut OECD verdienen die obersten zehn Prozent der Deutschen rund achtmal so viel wie die untersten zehn Prozent. Und die soziale Ungleichheit wächst mehr und mehr, denn die Rechnung geht schnell auf. Ein Akademikerpaar mit oft hohen Gehältern hat gemeinsam ein größeres Einkommen als beispielsweise der Bauarbeiter und seine Frau mit dem 450-Euro-Job.

Frauen streben nach Karriere

Vor gut einem halben Jahrhundert sah die Partnersuche noch wesentlich anders aus. Für gebildete Männer war es schwieriger, auf eine Akademikerin zu treffen, an der Universitäten waren wesentlich weniger Studentinnen eingeschrieben. Das hat sich längst drastisch gewandelt. Frauen strömen an die Uni, streben nach Karriere, werden Ärztin, Managerin, Führungskraft. Dem Statistischen Bundesamt zufolge ist das Verhältnis bei Studienanfängern nahezu ausgeglichen. Die Universitäten im Land zählen sogar eher mehr Frauen als Männer.

Dem männlichen Geschlecht wird es also zunehmend leichter gemacht, auf eine gebildete Frau zu treffen. Der Zusammenschluss sei ein natürliches Verhalten, wie Kultursoziologe Günter Burkart „Spiegelonline“ verrät: „Menschen fällt es leichter, sich in andere Personen zu verlieben, die einen ähnlichen Habitus haben, ähnlich denken und fühlen, gleiche Werte teilen, den selben Geschmack haben.“

Der Akademiker verdient mehr

Doch das veränderte Heiratsverhalten ist nicht an allem Schuld, wie eine US-Studie belegt, die 100 000 Paare untersucht hat. Demnach haben Eheleute, die zwei Hochschulabschlüsse besitzen, 1960 76 Prozent mehr als der nationale Durchschnittshaushalt verdient, 2005 wuchs die Zahl auf 119 Prozent. Die soziale Ungleichheit basiert demnach auch auf dem rapid anwachsenden Gehälter-Abstand von Akademikern zu Normalverdienern.