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Pannen-Flugzeug

Der „Dreamliner“ muss nach erneuter Panne am Boden bleiben

16.01.2013 | 18:40 Uhr
Der „Dreamliner“ muss nach erneuter Panne am Boden bleiben
Ein „Dreamliner“ musste auf dem westjapanischen Flughafen Takamatsu notlanden.Foto: dapd

Essen.   Die Pannenserie beim Langstreckenjet 787 „Dreamliner“ von Boeing reißt nicht ab. Offenbar wegen erneuter Probleme mit den Batterien muss einer der Superflieger in Japan notlanden. Eine Vorsichtsmaßnahme, heißt es. Experten sprechen von „Kinderkrankheiten“ eines neuen Flugzeugmodells.

Um 6.50 Uhr landete der vorerst letzte „Dreamliner“ der All Nippon Airways (ANA) gestern morgen in Frankfurt. „Planmäßig“, erklärte ein ANA-Sprecher. Zum Rückflug nach Tokio startete der Superflieger nicht. Nach der Notlandung eines „Dreamliners“ auf dem westjapanischen Flughafen Takamatsu sollen die Maschinen am Boden bleiben und zunächst gründlich durchgecheckt werden.

Auf einem Inlandsflug am Mittwoch hatte ein Instrument im Cockpit Batterieprobleme angezeigt. Zudem stellte der Pilot Rauch an Bord fest. Und landete. Unplanmäßig. 137 Passagiere und Crewmitglieder mussten die Boeing 787 über Notrutschen verlassen. Fünf Personen wurden leicht verletzt.

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Der Zwischenfall war der Schlusspunkt einer Pannenserie, die US-Hersteller Boeing in dieser Woche Negativschlagzeilen bescherte. Ein Ölleck im Triebwerk, Probleme mit den Bremsen, ein Riss im Cockpit-Fenster und ein Brand in einer leeren Maschine.

Boeing spricht von "Kinderkrankheiten"

Die US-Luftfahrtbehörde hat zwischenzeitlich eine Untersuchung eingeleitet, das japanische Verkehrsministerium wertet die Notlandung als „schwerwiegenden Vorfall“, der zu einem Unglück hätte führen können. ANA und Konkurrent JAL holten daraufhin alle „Dreamliner“ vom Himmel.

Der zweimotorige „Dreamliner“, der seit Januar 2012 von der ANA die Strecke Tokio – Frankfurt bedient, gilt als umweltfreundliche, technische Sensation. Größtenteils aus leichten Karbonfasern gebaut, ist er ein Garant für sparsamen Spritverbrauch.

Der Innenaufbau des Dreamliners

„Kinderkrankheiten“ nennt Boeing die Vorfälle. Und was man dem Hersteller des 200 Millionen Euro teuren Fliegers als verkaufstaktisches Herunterspielen von Problemen anlasten möchte, wird von Flugexperten bestätigt. Bei einem neu entwickelten Flugzeug „gibt es eine Lernkurve nach der Markteinführung“, sagt Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Auch bei früheren Flugzeugmodellen habe es anfangs Pannen gegeben. Noch gut in Erinnerung sind die Triebwerkbrände beim A 380 und die Haarrisse an den Tragflächen. „Hersteller preisen solche Kinderkrankheiten ein“, erklärte Ex-Boeing-Sprecher Heinrich Großbongardt gegenüber Medien. Bei den ersten Bestellungen bekämen Airlines einen Rabatt auf den Listenpreis von bis zu 50 Prozent.

Preisnachlässe von Boeing

Preisnachlässe wegen einkalkulierter „Kinderkrankheiten“ bestätigt die ANA, über die Höhe möchte sich der Sprecher nicht auslassen. „Für die Anfangsphase des Flugbetriebs hat Boeing Techniker abgestellt. Die arbeiten bei ANA in der Werft“, erklärt er.

Ein Grund zur Panik? Flugexperten sagen Nein. Und auch die EASA, die Europäische Agentur für Flugsicherheit, bleibt entspannt. „Die US-Behörden beobachten“, sagte Sprecher Dominique Fouda. Die Aufsicht sei streng. Solange man in Amerika kein Startverbot ausspreche, werde man in Europa nicht handeln. Das Flugverbot habe sich die Airline selbst auferlegt. Wann der „Dreamliner“ in Frankfurt wieder abheben wird, wusste die ANA gestern noch nicht.

„Cockpit“-Pilot würde dennoch gern mit dem „Dreamliner“ fliegen

Nach der Pannenserie des „Dreamliners“ sprach Angelika Wölke mit Jörg Handwerg, Pilot bei der Lufthansa und Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit, über die Sicherheit des Superfliegers.

Muss man mit solchen Problemen, diesen „Kinderkranheiten“, wie Boeing es nennt, bei einem neuen Flugzeug rechnen?

Jörg Handwerg: Ja. Es ist eine komplett neu entwickelte Maschine. Ähnliche Probleme hatten wir auch bei anderen Modellen. Beim A 380 wunderte man sich über angeschmorte Stromkabel, beim A 340 fielen in den 90er Jahren immer wieder die Vakuumtoiletten aus. Probleme mit der Elektronik gab’s auch beim neuen A 320. Das ist normales Alltagsgeschäft.

Sollten Passagiere den Dreamliner jetzt meiden?

Handwerg: Ich glaube nicht. Das Kontrollsystem hat doch funktioniert. Bisher braucht sich niemand Sorgen zu machen. Im Gegenteil: Die japanischen Airlines ANA und Jal haben vorbildlich reagiert. Sie lassen den „Dreamliner“ bis zur Klärung der Zwischenfälle am Boden.

Würden Sie heute einen „Dreamliner“ fliegen?

Handwerg: Ich habe den „Dreamliner“ gesehen. Es ist ein Super-Flugzeug. Ich würde mich sehr gern ins Cockpit setzen und den „Dreamliner“ fliegen.

Angelika Wölke

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2013-01-16 18:40
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