„Donna Leon“ - ARD zeigt Doppelpack Commissario Brunetti

Unser Mann in Venedig: Uwe Kockisch (li.) vernimmt einen Verdächtigen – in angenehmer Atmosphäre.
Unser Mann in Venedig: Uwe Kockisch (li.) vernimmt einen Verdächtigen – in angenehmer Atmosphäre.
Foto: ARD Degeto/BR/Nicolas Maack
Was wir bereits wissen
TV-Abend mit Commissario Brunetti: Zwei gute Folgen Donna Leon zeigt die ARD an diesem Samstag am Stück. Hochkarätig besetzt, bis in die Nebenrollen.

Essen.. Der Kommissar stammt ja ursprünglich aus Cottbus und der Polizeipräsident aus Chemnitz. Venedig geht also eigentlich anders, aber die Autorin ist ja auch nicht Italienerin, sondern Amerikanerin, und vielleicht ist auch deswegen alles gut.

Ein kleines Wunder! Wenn der Deutsche sich nämlich am Krimi im Ausland versucht, geht das eher schief. Bei „Donna Leon“ ist alles anders. Kaum eine andere Krimi-Reihe überquert so elegant die nationalen Besonderheiten und das über einen so langen Zeitraum. An diesem Samstag zeigt die ARD gleich zwei Folgen mit Commissario Brunetti.

Exzellentes Ensemble, angeführt von Uwe Kockisch

Um 21.45 Uhr geht es um „Das Gesetz der Lagune“. In einem kleinen, unweit von Venedig gelegenen Fischerdorf auf Pellestrina explodiert ein Boot. Die Leichen zweier Männer werden geborgen, und ihre Obduktion bestätigt Brunettis Verdacht: Die beiden Fischer wurden ermordet. Mit den Ermittlungen vor Ort kommt der Commissario allerdings keinen Fußbreit voran: Die Menschen sind verschlossen „wie verdorbene Muscheln“ und lehnen jegliche Kooperation mit der Polizei ab. Deshalb hat seine Sekretärin Signorina Elettra eine verwegene Idee: Sie könnte ihre Verwandten auf Pellestrina besuchen und sich ein wenig umhören. Doch das entpuppt sich als gefährlicher als gedacht...

Donna Leon Zuvor hat sich für die „Reiche Ernte“ bereits um 20.15 Uhr noch einmal alles versammelt, was die Produktion auszeichnet: Ein exzellentes Schauspielerteam, hochkarätig bis in die Nebenrollen besetzt und wie immer angeführt von Uwe Kockisch als Commissario Brunetti und Michael Degen als Vize-Questore Patta, stützt sich auf knackige Dialoge und eine glaubwürdige Geschichte.

Regisseur Sigi Rothemund lässt selbstbewusst wenig Raum für Sightseeing, und wenn nun wirklich mal ein bisschen viel Postkarten-Idylle ins Bild walzt, sorgen André Rieus Geigen für Harmonie. Das Drama um ein Altersheim, in dem ein rätselhafter Todesfall den Commissario alarmiert, wird diesmal garniert durch nette Anspielungen auf die Großmeister der Filmgeschichte und einen spektakulären Gastauftritt. Kaum ist der Leichenzug durch die dunklen Kanäle der Lagunenstadt gezogen („Wenn die Gondeln Trauer tragen“), tritt ein neuer Staatsanwalt auf den Plan. Pattas Sohn. Wo wir doch gar nicht wussten, dass er einen hat!

Kockisch duelliert sich mit Michael Degen

Der Stolz des Vaters und die Begeisterung der Zuschauer werden durch die Penetranz des Juniors allerdings schnell gedämpft. Warum David Rott – jawohl, der Udo Jürgens aus dem „Mann mit dem Fagott“! – der Rolle des aufgeblasenen Wichtigtuers so heftig die Sporen gibt, bleibt etwas rätselhaft.

Am Gesamtkunstwerk ändert das Gepolter allerdings nichts, und dem Vernehmen nach soll es auch beim einmaligen Gastspiel bleiben. Letztlich ist es Uwe Kockisch, der den Unterschied macht. Mit melancholischem Charme und perfekter Frisur duelliert sich Kockisch mit Michael Degen und nimmt sogar die Flirtversuche von Signorina Elletra eher gleichmütig hin.

Fazit: Was für eine Gelassenheit! Kockischs Brunetti setzt nur die Sonnenbrille auf und geht als Italiener durch.

ARD, Samstag, 16. Mai, 20.15 Uhr und 21.45 Uhr