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Dokumentarfilmer nagen am Hungertuch

25.10.2012 | 22:08 Uhr

Freischaffende Regisseure und Autoren von Dokumentarfilmen müssen durchschnittlich im Monat mit 1.380 Euro netto auskommen. Das hat eine aktuelle Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) festgestellt.

Frankfurt/Main (dapd). Freischaffende Regisseure und Autoren von Dokumentarfilmen müssen durchschnittlich im Monat mit 1.380 Euro netto auskommen. Das hat eine aktuelle Untersuchung der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) festgestellt.

"Das ist einfach miserabel. Wir haben das immer geahnt, aber jetzt haben wir die Zahlen vorliegen", sagte der Vorsitzende der AG DOK, Thomas Frickel, bei der Präsentation der Studie. "Wir werden die Untersuchung an die Rundfunkräte weitergeben und das Gespräch suchen", betonte der Leiter der Studie, Jörg Langer.

Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden das Einkommen und die Arbeitsbedingungen in einer repräsentativen Befragung von 92 der rund 700 freischaffenden Regisseure und Autoren der Arbeitsgemeinschaft erfasst. Für Frickel ist das Ergebnis erschreckend: "85 Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie von ihrer Arbeit nicht leben können und dazu verdienen müssen. 18 Prozent von ihnen haben weniger als 636 Euro im Monat zur Verfügung."

Geld geht für Sportrechte drauf

In der Verantwortung für diese Situation sieht Frickel vor allem die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, die ihr Geld in Sportrechte, Unterhaltungsprogramme und Talkshows investierten und nicht in anspruchsvolle Dokumentationen. "Wir verdienen nur ein Drittel von dem, was Regisseure von Spielfilmen verdienen. Hinzu kommt, dass in vielen Fällen die Aufwendungen für Recherchen und Projektentwicklung nicht erstattet werden", sagte Frickel. So arbeitet ein Regisseur oder Autor durchschnittlich vier Monate im Jahr ohne Vergütung.

Auch im Vergleich mit anderen Berufsgruppen schneiden die freien Autoren und Regisseure deutlich schlechter ab: Ein freischaffender Regisseur bekommt laut Studie für einen 30-minütigen Dokumentarfilm nur knapp die Hälfte des Lohns wie ein Kameramann. Deshalb sei es auch nicht verwunderlich, dass rund 70 Prozent der Befragten ihre beruflichen Perspektiven als "schlecht" einstuften, sagte Frickel.

"Die öffentlich-rechtlichen Sender haben einen gesetzlichen Bildungsauftrag und es ist einfach unangemessen, dass die, die diesen Auftrag mit Dokumentationen ausführen, am Ende rechnerisch ein Stundenhonorar von unter zehn Euro dafür bekommen", sagte Langer. Er sprach sich dafür aus, einen Mindestlohn für diese Berufsgruppen einzuführen.

dapd

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