Doku fährt auf Bahnreisende ab – im TV wie im Netz

Land des Lächelns: Lebenskünstler Artos auf dem Weg zum Camping im Siegerland
Land des Lächelns: Lebenskünstler Artos auf dem Weg zum Camping im Siegerland
Foto: WDR
Was wir bereits wissen
Der zeitgeistig geschriebene Titel ist Programm: #wowillstduhin nimmt Hoffnungen und Wünsche von Bahnreisenden auf. Das Projekt gelingt.

Köln.. Kurz vor Beginn der Sommerferien sind WDR-Reporter als Zugbegleiter unterwegs und präsentieren das, was das Publikum von spannenden Reportagen erwarten darf: ungewöhnliche Zeitgenossen in einem alltäglichen Rahmen, obendrein im besten Sinn regional verortet. Und noch etwas ist spannend an dem Projekt „#wowillstduhin“: Die Geschichten sind aufbereitet fürs Fernsehen und fürs Netz.

Mal im ICE, mal im Regionalexpress, mal im Fernzug

Ist das nicht dasselbe? Eben nicht. Auch wenn immer mehr TV-Beiträge in Mediatheken abrufbar sind – das Netz bietet mehr Möglichkeiten als das klassische Fernsehen, mehr Wahlmöglichkeiten.

Öffentlich Rechtliche Aber der Reihe nach. Reporterin Ina Reuter und Kameramann Marko Rösseler waren ab Hauptbahnhof Köln mit Zufallsbekanntschaften unterwegs, mal im ICE nach Hamburg, mal im Regionalexpress nach Dortmund, mal im ausländischen Fernzug. Fürs Fernsehen teilten sie ihre Geschichten in vier 30-minütige Themen-Komplexe auf.

Gut ausgesuchte Gesprächspartner

Die Auftaktfolge appelliert nicht nur an Emotionen – sie löst das Versprechen auch ein. Ein weißhaariger „Geomant“ ist auf der Suche nach spirituellen Energiefeldern in den Pyrenäen. Eine junge Frau namens Julia entflieht ihrem Liebeskummer mit einer Mädels-Clique nach Ungarn. Artos wiederum wandelte sich vom Unternehmer zum Sinnsucher. Der Alltagsphilosoph mit der Ananasfrisur ist auf dem Weg zum Camping im Siegerland.

Die Gesprächspartner sind gut ausgesucht. Sie wirken sympathisch, weil ungezwungen – den Filmemachern sei Dank. Die Geschichten werden clever montiert, dass die Spannung bis zum Ende erhalten bleibt. Das ist gutes, konventionelles Handwerk.

Die Generation Netz schätzt die Freiheit

Neue Wege geht das Internet-Team um Jürgen Brügger, Jörg Haaßengier und Rainer Nigrelli, die die TV-Beiträge neu zusammengesetzt haben. Der Computer-Nutzer entscheidet, was er sehen will – von Anfang an. Zwei Züge stehen bereits jetzt zur Auswahl, der silbrige Fernzug ist erst vom 26. Juni an anklickbar. Möglich ist, sich von Abteil zu Abteil zu klicken, um Reisende kennenzulernen.

Meist erzählen sie vor der Kamera, manchmal ertönen ihre Stimmen aus dem Off. Die Generation Netz schätzt die Freiheit, sich in einem Beitrag eigenständig zu bewegen, die Generation TV dürfte die klassische Erzählweise vorziehen, die Konzentration auf ein Thema voraussetzt.

Fazit. Spannendes, clever paltziertes Projekt. Beachtung verdienen beide Formen.

WDR, Samstag 20.06., 18.20 Uhr