Dieser 16-Jährige erklärt die Jugend

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Berlin..  Schenkt man Paul Bühre Glauben, ist jeder Schultag ein Kampf um Prestige und Anerkennung. In der zehnten Klasse drehe sich alles darum, ob man zu der Gruppe der „Spätpubertierer, Weicheier, Nerds“ und der, „die nach einer schlechten Note in Tränen ausbrechen“ gehöre. Oder ob man stolz Teil der „oberhammer-geilsten-krassesten Gangster-Antischul-Gruppe, in die alle reinwollen“ sei. So wie Paul selbst. Dabei wirkt er in seinem Pullover und seinen unauffälligen Turnschuhen eher harmlos und freundlich als Gangster-mäßig. Er lacht und lächelt viel und bietet höflich Wasser und Kaffee an.

Der 16-jährige Berliner hat bei einem Schülerpraktikum in der Redaktion vom „Zeit Magazin“ einen Text über sich und seinen Alltag geschrieben, durch den ein Literaturagent auf ihn aufmerksam wurde. So ist sein Buch „Teenie Leaks – Was wir wirklich denken (wenn wir nichts sagen)“ entstanden, das seit Wochen auf den Bestseller-Listen vertreten ist (Ullstein, 17 Euro). Die Illustrationen für das Buch hat Paul Bühre selbst angefertigt. Er könnte sich gut vorstellen, später Comiczeichner zu werden, sagt er.

Der Titel des Buchs klingt nach einem Generationenporträt. Aber genau so will er sein Werk nicht verstanden wissen: „Menschen kann man nicht in Schubladen sortieren, dazu sind sie viel zu kompliziert und komplex und interessant.“

Und trotzdem scheint Paul Bühre nun dafür auserwählt zu sein, der Welt zu erklären, wie Teenager im Allgemeinen ticken. In Talkshows erzählt er (zumeist interessiert dreinblickenden) Erwachsenen von Gruppendynamiken auf Schulhöfen, dem Flirten via Facebook, jugendlichem Pornokonsum und dem Schwarmverhalten bei der Kleiderwahl – kurz: alles darüber, was Teenies interessiert. Und alles, was noch mehr all diejenigen jenseits der 20 interessiert, die sich von ihm einen Einblick in eine unbekannte und rätselhafte Welt erhoffen.

Das öffentliche Interesse an seiner Person nimmt er gelassen und erzählt einfach, wie sein Alltag aussieht. Wer bei Teenagern an „Generation Porno“, pausenlos auf ihre Smartphones starrende oder sich im Dauerrausch befindende junge Menschen denkt – der wird von Paul Bühre entweder enttäuscht oder erleichtert sein. Er sagt, dass er sein Telefon gerne mal zu Hause vergisst. Sein Wissen übers Kiffen bezieht Paul Bühre aus zweiter Hand. Und seinen ersten Kater hatte er nach einem Bar-Besuch – mit seiner Mutter.

Pornos?Das Internet bietet viel

Bliebe die Sache mit den Pornos: „Ab der siebten und spätestens bis zur zehnten haben alle Jungen einen Porno gesehen“, erfährt man in seinem Buch. Es folgt ein Exkurs darüber, was das Internet in dieser Hinsicht alles zu bieten hat. Aber Paul wäre nicht Paul, wenn er nicht damit abschließen würde, dass er mit seinem Traummädchen gerne einfach nur einen Tee trinken würde.

Die FAZ nennt ihn einen „Bilderbuchjugendlichen ohne Rebellionspotenzial“. Dafür hat Paul Bühre die Gabe, sich und seine Umgebung genau zu beobachten – mit dem gebotenen Abstand: Sein Buch sei nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Gleichaltrige interessant, sagt er. Dazu ist aber eine Portion Selbstironie und Humor notwendig.