Die Wut der Hinterbliebenen von Winnenden
21.09.2010 | 18:12 Uhr 2010-09-21T18:12:00+0200
Winnenden.Bewegende Szenen im Winnenden-Prozess gegen den Vater von Tim K.: Eine junge Frau spricht über ihre Suizidgedanken nach dem schrecklichen Amoklauf.
Ihre ganze Wut nach dem ersten Prozesstag hat sie sich von der Seele geschrieben. Hat sich gleich danach zu Hause an ihren Computer gesetzt. „Hohes Gericht, Herr K...!“, sagt die 19-jährige Tatjana H. nun im Gerichtssaal ins Mikrofon, leicht zitternd vor Aufregung. Und spricht von ihrer Enttäuschung über den Angeklagten, über den Vater des Amokläufers und über dessen Selbstmitleid: „Meinen Sie nicht, wir hätten auch Suizidgedanken? Auch ich habe mich gefragt, für was ich mein Abitur machen soll, wenn mir eh meine einzige Schwester genommen wurde.“
19 Jahre ist sie, eine magere junge Frau im schwarzen Stretchkleid, die stellvertretend für viele Nebenkläger ihrer Verachtung für den Angeklagten Luft macht. Sie, die junge Frau, die gerade ihr Bauingenieur-Studium beginnt, spricht aus, was viele der inzwischen 43 Nebenkläger im Prozess um den Amoklauf von Winnenden fühlen. Wie sehr es sie trifft, dass Jörg K., der Vater des Täters Tim K., keine Worte der persönlichen Entschuldigung findet. Denn er, der vor dem Stuttgarter Landgericht zumindest wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt ist, möglicherweise auch wegen fahrlässiger Tötung, schweigt, lässt einzig seine Anwälte für sich sprechen.
Der furchtbare 11. März 2009
Vielleicht wäre Tim auch in anderer Weise an Waffen gekommen. Aber mit einer anderen Waffe, nicht mit dieser Durchschlagskraft, wären sicherlich nicht so viele Menschen gestorben, sagt die junge Frau, deren Schwester Jacqueline gerade einmal 15 Jahre alt wurde, als Tim K. am 11. März 2009 die Tür des Klassenraumes 301 aufriss und wahllos schoss.
Der furchtbare 11. März 2009 von Winnenden, er wird an diesem Morgen noch einmal bis ins letzte, kaum erträgliche Detail seziert. Kriminaloberkommissar Thomas N. ist als Zeuge geladen. Drei Tage lang wird er berichten über das, was geschah, wie es sich aus Sicht der Ermittler darstellte.
Kreischende Kinder, Schüsse, Schmerzensschreie
Es sind die Bilder, die nur wenige sahen. Diejenigen, die in den Klassenräumen waren, die Polizisten und Rettungskräfte, die später gerufen wurden. 9.33 Uhr war es, als der erste Notruf per Handy die Polizei alarmierte. Robin aus der 9c sprach aufgeregt von einem Mann mit Pistole, von Schüssen, von Verletzten. 13 weitere Notrufe sollen die Polizei danach noch erreichen. Zu hören sind kreischende Kinder, Schüsse, Schmerzensschreie.
Längst sind da drei Streifenpolizisten unterwegs, eilen in die Schule. Ein erstes Interventionsteam, das sogar noch Tim K. begegnet, von ihm beschossen wird. Aufhalten indes können sie ihn nicht mehr. 15 Menschen erschießt er und am Ende einer Flucht auch sich selbst. Das Chaos dieser Stunden zu beschreiben, fällt auch Kripomann N., der einen 400 Seiten langen Bericht über die Ermittlungen verfasst hat, nicht leicht.
Allein das, was die Rettungskräfte zu sehen bekommen, übersteigt die Kräfte eines manchen von ihnen. 9.30 Uhr hatte der 17-jährige Tim K. plötzlich in der Tür seines früheren Klassenraumes 305 gestanden, den Arm angehoben und mit starrem Gesichtsausdruck gezielt. Zehn Schüsse gibt er ab. Kopfschüsse. Die ersten treffen Chantal Schill, die hinten rechts, nahe der Tür, sitzt. Chantal kippt nach vorn, mit dem Kopf auf den Tisch. Christina Strobel, ihre Freundin, die neben ihr sitzt, fällt tot in ihren Schoß. Auch Jana Schober, die dritte der Freundinnen, fällt zu Boden, im Todeskampf zitternd. Fünf weitere Menschen in dieser Klasse werden zum Teil schwer verletzt, bevor Tim K. weiterzieht, von Raum zu Raum.
Tote Kinder mit dem Stift in der Hand
Schier endlos scheinen die Minuten, bis die Rettungskräfte eintreffen. Manches der Kinder flüchtet über eine Rettungsleiter, verletzt sich dabei, andere kollabieren. Handys schicken Notrufe, verzweifelte Nachrichten an Eltern. Als Sanitäter und Ärzte schließlich eintreffen, nicht wissend, ob der Amokläufer noch im Gebäude ist, finden sie tote Kinder mit dem Stift in der Hand auf dem Stuhl sitzend.
Der zweite Prozesstag um den Amoklauf von Winnenden, er ist gleichzeitig der zweite Tag nach dem von Lörrach. Und Hardy Schober, der Vorstand des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, sieht sich auf traurige Weise bestätigt: „Lörrach zeigt, wie wichtig unsere Arbeit ist, wieder ist der Täter, die Täterin, Sportschütze. Das ist die latente Gefahr, die von zu Hause untergebrachten Waffen ausgeht!“
14:45
Ich bin für den legalen Waffenbesitz. Wir leben in einer gott-sei-dank gut funktionierenden Demokratie in der jeder seine Meinung frei äußern darf, auch alle Waffengegner, und in der Menschen Waffen besitzen dürfen. In Diktaturen sind die Menschen entwaffnet, weil die Diktatoren Angst vor ihrem Volk haben. Woher kommt eigentlich die Angst vor dem eigenen Volk? Die Täterin von Lörrach wurde mit 17 (siebzehn) Schüssen der Polizei gestoppt, darüber hat sich meiner Kenntnis nach niemand aufgeregt. Der Kunststudent T. Eisenberg aus Regensburg hat im Jahr 2009 Polizeibeamte, Notarzt und Rettungssanitäter mit einem Küchenmesser angegriffen und verletzt und wurde von 12 Polizeischüssen gestoppt. Die Polizei handelte rechtmäßig lt. Gerichtsurteil aus 2010. Manche redeten trotzdem wegen der großen Anzahl der Schüsse von Polizeiwillkür. So unterschiedlich können die Wertungen der Bevölkerung bei unterschiedlichen Straftaten sein. Lasse man die Verkehrstoten dahingestellt. In anderen Lebensbereichen werden genügend Lebensgefahren hingenommen und heruntergespielt. Es gibt in Deutschland zehntausend Suizide pro Jahr über die kein Politiker spricht, aus Scham am Leistungssystem? Auch ist der Vergleich mit den Boygroups gültig. Es gab genügend Suizide in Deutschland unter jungen Menschen wegen der Take That-Auflösung in der Mitte der 90er Jahre. Das ist eine Tatsache, schon vergessen? Ein Mordermittler der Kripo sagte einmal, dass wenn auf jedem Grab ein Lichtlein anginge bei einem Menschen, der durch seine Lieben aus Habgierde umgebracht wurde, es aber unentdeckt geblieben ist, man nachts keine Taschenlampe bräuchte um sicher auf dem Weg zu bleiben. Der Mensch braucht ein Feindbild, dem er unliebsames zuschieben kann, dann ist seine Welt in Ordnung. Jetzt sind es wieder die Sportschützen, ohne die die Welt friedlicher wäre. Es war bei vielen bis vor kurzem noch George W. Bush. Wenn alle legalen Waffen total verboten wären, wären nur noch Verbrecher und die Polizei bewaffnet. Oder ist da wirklich jemand anderer Meinung? Hat das strenge deutsche Waffenrecht die Mörder der RAF in den 70er und 80er Jahren aufhalten können? Diese Leute haben sich aus internationalem Fundus und -Kontakten mit Kalashnikow, M16, G3 und mit Handgranaten versorgt. Diesen Leuten war doch ein Waffengesetzt grad wurscht. So wie einem Süchtigen das Beteubungsmittelgesetz egal ist. Die Täterin von Lörrach hätte gar nicht morden dürfen, denn das ist bereits verboten gem. § 211 StGB. Darüber könnte man schmunzeln, wenn es nicht so traurig wäre. Warum stellen die Waffen-Gegner das Tatmittel permanent über den Täter und seine Motivation? Dies hat noch kein einziger aus dem sog. Aktionsbündnis Winnenden erklärt, bzw. diese Frage ist Herrn Schober bestimmt noch nicht gestellt worden. Auf seine Antwort wäre ich sehr neugierig. Sollte man wieder die Todesstrafe auf Mord einführen? Man weiß, dass sie nicht abschreckend wirkt und da soll ein noch so strenges Waffengesetzt wirkungsvoller sein? Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges verhängten die Alliierten in Deutschland ein totales Waffenverbot. Es stand auf Waffenbesitz der Deutschen die sofortige Hinrichtung. Noch heute aber tauchen auf Dachböden und in Kellern alter Häuser Kriegswaffen auf, die lieber versteckt als abgegeben worden sind. Man nahm für Waffen, sein Eigentum, den Tod in Kauf! Das ist die Realität gegen die es kein stichhaltiges Argument gibt. Oder, ironisch gefragt: Androhung der Todesstrafe im Quadrat? Sippenhaft für Verwandte von ungesetzlichen Waffenbesitzern? Man sieht, ruckzuck ist man in diktatorischem Denkschemata. Hören wir besser damit auf! Ein ehem. Chefredakteur des New York Tribune stellte die rhetorische Frage: Was soll man vorziehen: die Gewaltherrschaft von Monarchen und Diktatoren, die auf den Schlachtfeldern Millionen abschlachten und vernichten oder die Gewaltkriminalität in einem demokratischen Land, gegen die sich jeder selbst zu Wehr setzen kann? Wir sind in dem, ich behaupte das, besten aller demokratischen Länder der Welt, in Deutschland, an einem Punkt angelangt, in dem es keine weiteren Gesetzesverschärfungen bestehender Gesetze geben darf. Sonst steht die Achtung vor dem Gesetz auf dem Spiel...
12:07
Wenn ich mal ganz ehrlich in mich rein höhre, dann muß auch ich sagen, dass ich Angst um meine Kinder habe, die mit 8 Jahren gerade erst am Anfang ihrer Schullaufbahn stehen.
Und ich weiß wirklich nicht, wie ich reagieren würde, wenn meine Kinder in der Schule so ums Leben kommen würden. Wahrscheinlich würde ich als Sportschütze sofort meine Waffen abgeben, freiwillig. Aber ich würde es niemals von anderen verlangen, die genauso sorgsam und umsichtig mit ihrem Hobby umgehen wie ich es tue. Denn die Tatsache, dass alle Wafenbesitzer ihre Waffen abgeben schützt nicht davor, dass meine Kinder vor der Schule von einem Bus überrollt werden, dessen Fahrer zum Frühstück schon fünf Bier und drei Korn hatte. Es liegt immer im Verantwortungsbewustsein des Einzelnen aber auch der Gesellschaft, wann was passiert. Wie weiter oben schon jemand geschrieben hat, sprechen 3000 Verkehrstote für sich, eben so wie all die Anderen, die sinnlos und durch Willkür ums Leben kommen. In diesen Statistiken verschwinden die Waffenbesitzer sicher unter die die Marke von 0,1%.
Die emotionale Reaktion auf Winnenden (und andere Tatorte) ist sehr stark begründet in dem Bild, dass Schußwaffen in der Öffentlichkeit haben. Dieses Bild ist geprägt durch Gewaltverherrlichende Filme und Spiele, aber auch durch die Berichterstattung der Medien.
Nüchtern betrachtet ist eine Schußwaffe nur ein lebloses Ding, ein physikalisch technischer Gegenstand. Erst der Bediener führt diesen Gegenstand seiner Bestimmung zu. Diese Bestimmung kann auch sein, Löcher in Papierkarten zu stanzen, so wie in meinem Fall.
23:25
Mich kotzt das Gerede vom hohen moralischen Roß mächtig an. Wer hat überhaupt ein Recht, Menschen, die sich vor Gericht verantworten müssen, vorzuverurteilen? Kein Mensch kümmert sich um 3000 Tote/Jahr im Straßenverkehr. Wieviele Menschen werden pro Jahr aus Geldgier gemordet, wieviele aus Eifersucht, aus Rachgier und anderen niedrigen Gründen? Kein Mensch macht deswegen eine Aktion gegen Meuchelmord! Aber wenn es um das Verbot von legalem international anerkanntem olympischem Sport und um Naturschutz geht, da schreit vox populi nach Verbot. Oh wie einfach ist das doch! Und anschließend ist die Welt für immer in Ordnung. Nichts wird in Ordnung sein, es werden in gleicher Menge Menschen umgebracht, nur die Werkzeuge werden andere sein. Das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Der Mensch ist des Menschen Wolf, Kain erschlug seinen Bruder aus Neid und Mißgunst.
Ein Verbot von Waffen wie auch von allen Geräten, mit denen man Menschen auf welche Weise auch immer umbringen kann, ändert daran nichts, gar nichts, überhaupt nichts.
10:49
Wut und Enttäuschung über den Angeklagten - aber er soll gleichzeitig kein gekreuzigter Sündenbock werden...
Ein feiner Grat zu einem Schauprozess, vielleicht zu fein. War der offene Entschuldigungsbrief schon vergessen?
07:17
@1: Du kannst es nicht mehr hören? Tja, leider kann man vor der Realität immer nur so lange die Augen und Ohren verschließen, bis es einen selbst erwischt! Und ich hoffe für dich, dass du nie an diesen Punkt kommen wirst! Und by the way: eine Boygroup-Auflösung mit dem brutalen Mord einer geliebten Schwester zu vergleichen, ist mehr als geschmacklos und ich glaube ehrlich gesagt, dass DAS auch niemand hören will!! Also, ich halte es wie Herr Nuhr: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Fresse halten!! Danke!
09:10
@ #1
Bestimmt nicht! Eher ein Forum für Legastheniker!
08:45
Der zweite Prozesstag um den Amoklauf von Winnenden, ...
Diese Aussage ist falsch. Der Prozess geht um nicht ordnungsgemässe Aufbewahrung von Waffen und Munition.
07:46
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
07:32
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
03:44
Ich kanns langsam nicht mehr hören!
Tja, was bringt einem ein Abi, wenn man keine Schwester mehr hat? Ähm...
Ich will ja nichts verharmlosen - das war wirklich ein äußerst tragischer Fall - aber das Leben geht trotzdem weiter! Und wenn junge Mädchen von Suizid reden... Meine Fresse, davon reden die doch auch wenn sich Boygroups auflösen -.-
Und hat die Täterin vom aktuellen Amoklauf eigentlich auch Tischtennis gespielt?