Die Strafsache Luther

Wittenberg..  2017 ist ein Jubiläumsjahr. Dann werden 500 Jahre Reformation gefeiert. Aus diesem Anlass wird etwas Ungewöhnliches geschehen. Am Dienstag, 31. Oktober 2017, wird nicht nur in den fünf östlichen Bundesländern, sondern bundesweit Feiertag sein. Martin Luther soll am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen zu Ablass und Buße am Portal der Schlosskirche zu Wittenberg angeschlagen haben - eindeutig bewiesen ist das bis heute nicht. Der Ablasshandel steht nun im Mittelpunkt der Dokumentation „Strafsache Luther“, die heute um 20.15 Uhr bei Arte zu sehen ist.

Ablasshandel bedeutete, dass die Erlösung von einer Sünde durch einen Ablass in Form einer Geldzahlung an die Kirche möglich war. Luther vertrat jedoch die Ansicht, dass der Sündenerlass bereits durch das Opfer Jesu am Kreuz geschehen sei. Es ging ihm dabei weniger um die umstrittenen Finanzpraktiken der römischen Kirche als vielmehr um die verkehrte Bußgesinnung, die mit dem Ablasshandel zum Ausdruck kam.

Ungeheure Herausforderung

Seine Thesen waren kurz und knapp formuliert und damit sehr modern, um möglichst viel Öffentlichkeit zu erzeugen. Nachdem Luther seine Thesen zunächst in Briefform an mehrere geistige Würdenträger im Reich zugesandt, aber keinerlei Antwort erhalten hatte, soll er sie an die Kirchentür des Universitätsstädtchens genagelt haben. Wie auch immer: Mit dieser schier ungeheuren Herausforderung leitete Luther die Reformation der Kirche ein.

Martin Luther (1483-1546) war ein Theologieprofessor, ein Visionär, ein mutiger Mann - und ein Mönch seiner Zeit, der sich engagiert mit seinem Glauben und mit seiner Kirche auseinandergesetzt hat. Und der sich mit Papst Leo X. angelegt hat, dessen Autorität er ebenso massiv infrage gestellt hat wie die Macht der geschäftstüchtigen Kirche. Und so konnte der Vatikan denn auch mit großem Nachdruck verkünden, dass Luther widerrufen müsse. Doch er weigerte sich mehrfach und wurde auf der Eisenacher Wartburg festgesetzt.

Dies alles wird im viel zu kurzen Film nur angerissen. Immerhin geht er der spannenden Frage nach, ob der Papst und seine Bischöfe nicht eine Spaltung der Kirche hätten verhindern können, indem sie einfach klarer mit Luther kommuniziert hätten.

Comedy-Elemente eingebaut

Die beiden jungen Autoren Thomas Furch und Florian Kröppel decken also ziemlich innovativ, aber doch nahezu nebenbei ein damaliges PR-Desaster auf. Natürlich haben sie auch in vatikanischen Archiven nachgeforscht und allerhand Fachleute befragt. Damit das Ganze nicht gar zu dröge wirkt, haben sie ihren Film teilweise wie einen Krimi inszeniert und bedienen sich durchweg einer sehr lockeren Sprache, die stellenweise schon an Satire grenzt.

Hinzu kommen kleine Spielszenen mit Schauspielern (Alexander Beyer als Luther), die im Zug fahren, mit dem Laptop arbeiten und Musik über Ohrstöpsel hören - alles also schon nahezu hypermodern. Luthers Anhörung in Augsburg (1518) wird als Schauprozess mit Reporterin dargestellt. Comedy-Elemente und ein schneller Schnitt sorgen dafür, dass der Zuschauer nahezu atemlos durch den Film gezogen wird. Insbesondere für jüngere Zuschauer mag das okay sein - frei nach dem Motto: War ja ‘n cooler Typ, der olle Luther. Heute hätte er seine Thesen vermutlich ins Internet gestellt.