Die Stars unter den Erfindern

Hamburg..  Die besten Popstars, die besten Schauspieler, die besten Quizmaster – neben den all bekannten Promis wurden in diesem Jahr auch die wichtigsten Wissenschaftler geehrt. Das britische Fachmagazin „Nature“ hat die zehn wichtigsten Forscher des Jahres 2014 gekürt. Dazu gehören zum Beispiel ein Raumfahrtexperte, ein Ebola-Arzt oder der Erfinder der Ice-Bucket-Challenge. Es sind Menschen, deren Erkenntnisse wegweisend sind, deren Namen aber kaum einer kennt. Wir stellen Sie Ihnen vor.

Maryam Mirzahkhani (37), die iranische Mathematikerin hat 2014 als erste Frau die renommierte Fields-Medaille gewonnen. Eine Auszeichnung, die oft als Nobelpreis für Mathematik bezeichnet wird. Im Alter von zwölf Jahren glaubte sie noch, kaum Talent für Mathematik zu haben, aber das änderte sich bald. „Ich hatte eine Freundin, die Mathe mochte – das hat mich motiviert.“

Koppillil Radhakrishnan (65), der Chef der indischen Raumfahrtorganisation ISRO, hat die erste werfolgreiche Marsmission seines Landes geleitet. Die indische Sonde Mangalyaan war am 24. September in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten eingeschwenkt.

Sjors Scheres gelang Neuestes auf dem Gebiet der Strukturbiologie. Der Niederländer, der am Labor für Molekularbiologie im britischen Cambridge arbeitet, hat die Elektronenmikroskop-Analysetechnik für Biomoleküle verfeinert. Strukturbiologen arbeiten zum Beispiel an Anti-Malariadrogen, indem sie aufgedeckt haben, wie ein Antibiotikum beschaffen sein muss, damit Malaria richtig behandelt werden kann.

Sheik Humarr Khan , Ebola-Arzt (39) aus Sierra Leone, hat den Kampf gegen die verheerende Epidemie mit dem eigenen Leben bezahlt. Als die Krankheit in Afrika ausbrach, hat der Infektionsmediziner seine Pläne verworfen, im Ausland zu unterrichten, und ist stattdessen in seiner Heimat geblieben, um Ebola-Kranke zu behandeln und die Mutationen des Virus’ zu erforschen. Am 29. Juli starb der Arzt selbst an der Infektion.

Masayo Takahashi: Die japanische Augenärztin hat den ersten Einsatz sogenannter induzierter pluripotenter Stammzellen bei einem Menschen geleitet. Takahashis Team implantierte diese Spezial-Zellen in die Netzhaut einer Patientin, die an altersbedingter Makuladegeneration erkrankt ist. Eine der gefürchtetesten Augenerkrankungen, die in manchen Fällen sogar zur Erblindung führen kann. Ob der Einsatz gegen die Augenkrankheit erfolgreich ist, wird ein Jahr nach der Transplantation vom September feststehen.

Radhika Nagpal (42), die in Indien geborene Ingenieurin, hat am Massachusetts Institute of Technology in den USA Schwärmen von Robotern beigebracht hat, miteinander zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten wie soziale Insekten. Ihre 1024 sehr einfachen „Kilobots“ können sich selbst organisieren und sind ein Beispiel für künstliche Intelligenz.

David Spergel (53), US-amerikanischer Astrophysiker, untersuchte mögliche Bestandteile der Dunklen Materie. Er entdeckte, dass die Milchstraße keine gewöhnliche Spiralgalaxie, sondern eine Balkenspiralgalaxie ist.

Andrea Accomazzo (44) ist Flugdirektor der europäischen Kometenmission. Auf sein Konto geht „Rosetta“. Der ehemalige Testpilot hat jahrelang dafür gesorgt, dass die Raumsonde während ihrer etwa 6,4 Milliarden Kilometer langen Reise auf Kurs bleibt und das Mini-Labor „Philae“ schließlich nur 120 Meter vom geplanten Landepunkt auf dem Kometen „67P/Tschurjumow-Gerassimenko“ absetzen konnte. „Es ist wie die Besteigung eines Achttausenders, von der man lebend zurückkehrt. Man muss viel trainieren, und es dauert Jahre“.

Pete Frates (29) aus den USA gilt als der Erfinder der Ice-Bucket-Challenge. Die Kampagne, bei der sich Menschen selbst einen Eimer Eiswürfelwasser über den Kopf gegossen haben, hatte in sozialen Netzwerken wie Facebook, YouTube und Twitter extrem erfolgreich um Aufmerksamkeit und Spenden für die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) geworben, an der Frates selbst leidet. Den ursprünglichen Aufruf hatte der heute gelähmte ehemalige Baseballspieler im August mit Hilfe einer Spezialsoftware über Augenbewegungen diktiert. Ziel der Aktion war, dass die Menschen durch den Schock des kalten Wassers für einige Sekunden auch einmal das Gefühl der Lähmung im Körper spüren sollten. Vom 15. Juli bis zum 21. August 2014 nahm die ALS Association 41,8 Millionen US-Dollar durch Spenden ein, gegenüber 2,1 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.