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Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland

03.10.2012 | 18:19 Uhr
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
Der Wolf ist zurück in Deutschland. Immer öfter werden Wölfe in freier Wildbahn gesichtet.Foto: Thinkstock

Köln.   Fast 120 Jahre galt der Wolf in Deutschland als ausgerottet – bis sich 1995 ein Rüde auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in der sächsischen Muskauer Heide ansiedelte, 1998 kam eine Wölfin hinzu. Heute lebt dort ein ganzes Rudel. Und auch anderswo in Deutschland ist der Wolf wieder heimisch.

Mehr als 1000 Kilometer hat er bereits zurückgelegt, doch als der Wolf den Westerwald erreicht, setzt ein tödlicher Schuss am Abend des 20. April seiner langen Wanderung ein plötzliches Ende: Ein 71 Jahre alter Jäger aus Bad Honnef im Rhein-Sieg-Kreis legt an und schießt. Er habe den Wolf für einen wildernden Schäferhund gehalten, sagt er später der Polizei.

Und weil der Mann, Mitglied des Hegerings Siebengebirge, Widerspruch gegen einen Strafantrag der Koblenzer Staatsanwaltschaft eingelegt hat, muss er sich in ein paar Wochen vor dem Amtsgericht in Montabaur für den Todesschuss verantworten.

Die Meldung
Toter Wolf - Schütze stellt sich der Polizei

Drei Tage nach dem Fund eines toten Wolfs im Westerwald hat die Polizei den Schützen. Ein 71-jähriger Mann habe sich den Behörden gestellt, gab ein Sprecher der zuständigen Polizeidirektion in Montabaur am Dienstag bekannt. Noch wird untersucht, ob das tote Tier tatsächlich ein Wolf war.

Noch vor der Gerichtsverhandlung fordern nicht nur die Jäger und Naturschützer im Rhein-Sieg-Kreis ein strenges Vorgehen gegen ihn. Der Vorstand des Hegerings gibt sich indes abwartend: „Wir wollen keinem juristischen Urteil vorgreifen“, sagt Rolf Werning, der Vorsitzende. Erst nach dem Prozess werde über die weitere Mitgliedschaft des Mannes entschieden.

Längst ist jedoch eine Diskussion entbrannt, wie Tiere, die als nahezu ausgestorben gelten, aber heute in ihre früheren Lebensräume zurückkehren, besser geschützt werden können – gemeint sind vor allem Wölfe, Wildkatzen, Luchse und Fischotter.

16 Rudel leben in Deutschland

Fast 120 Jahre galt der Wolf als ausgerottet, bis sich 1995 ein Rüde auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in der sächsischen Muskauer Heide ansiedelte, 1998 kam eine Wölfin hinzu. Heute lebt dort ein ganzes Rudel. Eingewandert sind beide aus Polen, während der im Westerwald erschossene Wolf aus Italien stammt, Tierfreunde tauften ihn „Pierre-Luigi“. Nach Angaben von Vanessa Ludwig, Projektleiterin der „Wolfsregion Lausitz“ im Landkreis Görlitz, sind in Deutschland derzeit 16 Wolfsrudel nachgewiesen.

Zudem gebe es bundesweit ein weiteres Wolfspaar und sechs einzelne Tiere. Zuletzt wurden in der Lüneburger Heide drei Jungwölfe gesichtet, auch hat sich erst im vergangenen Juli ein junger Rüde im Kreis Segeberg in Schleswig-Holstein niedergelassen. Von einer günstigen Situation könne man aber noch nicht sprechen: „Das wäre erst bei 1000 erwachsenen und fortpflanzungsfähigen Tieren der Fall“, erklärt die Expertin. „Auf Grund der großen Anpassungsfähigkeit wird sich der Wolf aber weiter ausbreiten.“

Jede Region Deutschlands „wolfstauglich“

Wölfe sind tatsächlich echte Wander-Meister, 70 Kilometer kann ein solches Tier am Tag zurücklegen. Und Studien zeigen, dass das Revier eines Rudels eine Größe zwischen 49 und 375 Quadratkilometer haben kann. So ist etwa der Fall eines Amerikanischen Wolfes bekannt, der mehr als 5000 Kilometer lief, bevor er sich niederließ. „Damit kommt jede Wolfspopulation innerhalb von Europa für künftige Zuwanderungen infrage“, erklärt Markus Bathen, Wolf-Experte beim Naturschutzbund Deutschland, aus welchen Regionen weitere Zuwanderer auf vier Pfoten zu erwarten sind. Seit fünf Jahren leitet der Kölner das in Spremberg in der Lausitz beheimatete „Projektbüro Wolf“. Und bis auf die Stadt-Bundesländer Hamburg, Bremen und Berlin sei jede Region Deutschlands „wolfstauglich“.

Hintergrund
Wolf nimmt wieder Kurs auf NRW

Der Wolf ist Hauptfigur vieler Mythen und Märchen. Nun tauchte Isegrim an einem ungewohnten Ort wieder in der Realität auf. Der Naturschutzbund (NABU) Deutschland bestätigte eine Wolfssichtung in Rheinland-Pfalz – 16 Kilometer von der Grenze zu Nordrhein-Westfalen entfernt.

Obwohl der Wolf schon lange in Sachsen lebt, so ist sein Vorkommen dort noch immer nicht selbstverständlich: „Das wird sicher noch eine ganze Zeit brauchen“, ahnt Wolfgang Riether, Geschäftsführer des Landesverbandes Sachsen im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. „Und konfliktfrei wird diese Beziehung nie sein. Dazu sitzen die Jahrhunderte alten Ängste der Menschen zu tief.“ Auch fürchtet Riether, dass die Jäger auf solches Wild ebenfalls Ansprüche erheben könnten.

Jäger müssen Wolf erkennen können

Aber sind Jäger heute überhaupt in der Lage, einen Wolf zu erkennen und in Sekundenschnelle von einem Hund zu unterscheiden? Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) in Berlin: „Natürlich, ja.“ Grundlage des Jagdscheins sei auch eine fundierte Artenkenntnis, betont Reinwald. „Weitere wichtige Fächer sind Naturschutzrecht, Waffenhandhabung oder Jagdrecht. Jäger sind Naturschützer mit staatlicher Prüfung.“

Das Verhalten des Jägers aus Bad Honnef sei scharf zu verurteilen. Gleichwohl will auch der DJV erst bei einer Verurteilung ein verbandsinternes Disziplinarverfahren gegen den Schützen anstrengen. Bei einer Verurteilung könnte es zu einer Haftstrafe von maximal drei Jahren kommen.

Jens Höhner



Kommentare
09.10.2012
09:00
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von bretagnefan61 | #7

Die Jäger putzen schon Ihre Büchsen!!

04.10.2012
15:10
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von tierfreund61 | #6

Unmöglich, Jäger als Naturschützer darzustellen. Ich möchte nicht wissen was so abgeballert wird , wenn es keiner sieht. Hunde und Katzen sind schon ein Hohn, unverständlich weil diese Möchtegernnaturschützer auch Hunde haben. Noch schlimmer und völlig daneben sind "Jägerinnen". Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln, dass die bei so einem Gemetzel mitmachen. Naturschützer und Treibjagden! Wie kann man wenn man was schützt durch den Wald hetzen? Auf verletzte Tiere die Hunde hetzen??? Ich sehe für den Wolf schwarz. Leider!!!Aber solange diese Menschen sich noch selbst anschießen, was genug vorkommt( konnten wohl nicht zwischen Mensch und Wildschwein unterscheiden) Mein Mitleid mit diesen Personen hält sich in Grenzen!!

04.10.2012
13:21
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von drasos | #5

Wölfe sind Feiglinge...

Den "grossen bösen Wolf" gibt es schlichtweg nicht....

Es gibt nur irre Jäger die meinen alles was ihnen Konkurenz beim Abschuss eines Zwölfenders machen könnte abknallen zu müssen .....

Solchen leuten sollte man jegliche Berechtigung zum Tragen einer Waffe entziehen und wenn man schon mal dabei ist gleich auch noch die Fahrerlaubnis....

So etwas ist heutzutage ja möglich,denn so jemand ist sicher nicht "geeignet zum Führen eines Kraftfahrzeuges"....

04.10.2012
12:51
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von freischwimmer | #4

am besten fragen wir Rotkäpchen !

04.10.2012
12:10
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von Zanti | #3

Wer einen Wolf nicht vom Hund unterscheiden kann, sollte besser kein Gewehr in die
Hand nehmen. Da wird einem ja Angst und Bange.

1 Antwort
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von rudeboy | #3-1

Richtig! Ein Maler muss auch "blau" von "rot" unterscheiden können, ein Ökonom "brutto" von "netto" und von einem Jäger kann man erwarten müssen, dass er den Unterschied zwischen einem Wolf und Hund kennt. Ansonsten Beruf verfehlt. Aber wahrscheinlich ist die Verwechslung nur die billige Ausrede für die Schießlust des Jägers gewesen...

04.10.2012
11:44
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von jokel | #2

wird allenfalls von der Presse und den Jagdverbänden geschürt. Und Jäger sind keine Naturschützer! Oder habe ich jetzt was verpaßt.....

04.10.2012
11:41
Die neue Angst vorm alten Wolf in Deutschland
von Guntram | #1

Berlin kann man so viel erleben, in Brandenburg soll es wieder Wölfe geben.

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