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Die Medaille als "Pfund im Lebenslauf"

17.01.2013 | 18:25 Uhr

Es gibt Momente, da treibt einen die Technik zum Wahnsinn - da geht es den Teilnehmern bei der Deutschen Meisterschaft der Mobilen Robotik in Erfurt nicht anders als dem Laien.

Erfurt (dapd). Es gibt Momente, da treibt einen die Technik zum Wahnsinn - da geht es den Teilnehmern bei der Deutschen Meisterschaft der Mobilen Robotik in Erfurt nicht anders als dem Laien: Tagelang haben die Jugendlichen in Zweierteams Programme geschrieben und an Robotern geschraubt - wenn nun am Donnerstag, dem letzten Wettkampftag, in der Aula einer Erfurter Schule, eines der Geräte unkontrolliert umherzittert, statt sein Ziel anzusteuern, dann werden fassungslos Hände über dem Kopf zusammengeschlagen oder es wird ein entgeistertes "Was ist denn jetzt?!" gemurmelt. Ganz wie zu Hause. Am Ende wurde es ein Triumph der Lokalmatadoren.

Während des Wettkampfes allerdings ist für Außenstehende nicht immer gleich ersichtlich, wie viel den Teilnehmern in ihren Präsentationen tatsächlich gelingt. Auf einer von Banden umgrenzten, 20 Quadratmeter großen Kunststofffläche sausen in scheinbar willkürlichen Bahnen halbkugelartige Gerätschaften, die Roboter, umher.

Beobachtet werden sie von den Teilnehmern. 14 Teams von Auszubildenden im Alter von 15 bis 22 Jahren haben sich eingefunden. Ziel ist es, den Roboter mittels Programmierung Gegenstände von einer Station eines mit Leuchten markierten Parcours zur nächsten bugsieren zu lassen. Angelehnt ist der ganze Vorgang an die Logistik in einer Produktionshalle - vom Lager zur Maschine und zurück. Der Wettbewerb soll auch Training für kommende Fachkräfte sein.

Zwtl.: In Erfurt ist Robotik fast Leistungssport

Im Gespräch mit den Protagonisten wird klar, dass zumindest an diesem Tag bei einigen mehr zusammenläuft, als bei anderen. So attestiert Jan Reitzer vom Team Osnabrück 2 seiner Mannschaft nach dem letzten Auftritt und neun Tagen Vorbereitung gut gelaunt "viele kleine, ärgerliche Fehler" - aber auch einen großen Erkenntnisgewinn durch die Gespräche mit den anderen Teilnehmern. Bei den Erfurter Mannschaften - die die ersten drei Plätze belegen - klingt die Mobile Robotik schon eher nach Leistungssport.

Allen voran sind da Martin Reichert und Steve Urban zu nennen. Die beiden 21-Jährigen sind amtierende Europameister, feiern in Erfurt ihre dritte Deutsche Meisterschaft sowie ihr Heimspiel - und stehen eigentlich schon vor dem letzten Wettkampftag als Sieger fest.

Die beiden Mechatroniker haben in allen drei Durchgängen die Maximalpunktzahl erreicht. Mit fast dreimal so vielen Punkten wie die Drittplatzierten gewinnen sie die Meisterschaft - und dürfen Deutschland nun bei der "Weltmeisterschaft der Berufe" im Juli in Leipzig vertreten.

Zwtl.: Asiatische Teams trainieren monatelang

Am Ende klingen sie wie echte Profis: Sie seien nicht nervös gewesen, sondern hätten um ihre Stärken gewusst, die Gegner aber auch ernst nehmen wollen. Ob sie ihren Sieg feiern? "Nein, eigentlich nicht groß", sagt Reichert. "Wir fangen jetzt ja auch mit der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft an" - nach dem Spiel ist also auch in der Robotik vor dem Spiel.

Auch bei Ulrich Karras, Chefexperte für Mobile Robotik bei der WM der Berufe, klingt der professionelle Anspruch hinter der Bastelei an den Robotern durch. Die Dominanz der Erfurter Teams rühre vor allem von der langfristigen Planung ihrer "Meistermachers" Andreas Kummert her, sagt er. Dennoch hätten bei der WM die asiatischen Teams meist die Nase vorn: Denn dort würden die Teilnehmer zur monatelangen Vorbereitung zusammengezogen.

In Erfurt ist die Mobile Robotik hingegen noch eine Art Hobby. "Über 400 Überstunden" habe er dennoch durch die Arbeit mit den Jugendlichen gesammelt, sagt Meistertrainer Kummert. Nur um Spaß gehe es aber ohnehin nicht: "Eine Teilnahme bei einer internationalen Meisterschaft, das ist ein Pfund im Lebenslauf". Eben auch das solle seinen Schützlingen Motivation sein, sagt er.

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