"Die Kuhflüsterin" zeigt die heile Welt auf dem Land

Was wir bereits wissen
"Die Kuhflüsterin" startet im Vorabendprogramm auf dem Ersten. Mit der Sitcom serviert der Sender leichte Kost im TV, passend zur Abendbrotzeit.

Essen.. Die Flucht aufs Land im ARD-Vorabendprogramm geht weiter. Nach Ermittlern in allen Facetten geht jetzt eine Medizinerin auf Zuschauerfang. Belinda Mommsen heißt sie, wird von Cordula Stratmann gespielt und ist eine esoterisch angehauchte Tierheilpraktikerin. Weil das als Titel für eine Sitcom nur bedingt taugt, haben sie sich im Ersten den vermeintlich lustigen Namen „Die Kuhflüsterin“ (Freitag, 3.Juli, 18.50 Uhr) ausgedacht. Denn sie kann Krankheiten bei Tieren erkennen: Einfach kräftig die Handflächen aneinander reiben und über die schmerzenden Stellen halten. Quasi Frau Mommsen mit den Röntgenaugen. Das sagt schon ein wenig über den Humor aus.

Belinda Mommsen also. Die ARD versieht sie mit den Attributen „pfiffig“ und „schlagfertig“. Man kann ihr aber auch „nervend“ und „besserwisserisch“ ans Revers heften. Geschmackssache. Ein paar treue Freunde dürfen nicht fehlen. Die heißen Gitti Padberg (Susi Banzhaf) und Hannes Krieger (Carsten Strauch), sind aber – ähnlich wie der Rest der Landbevölkerung – eher schlicht gestrickt.

Zwischentöne und Tiefe fehlen

Dann wären da noch der aufmüpfige Sohn Thommy (Patrick Mölleken) und der Gegenspieler, in diesem Fall als unfreundlicher aber attraktiver neuer Nachbar Winnes Wöllner (Simon Böer), der sich geheimnisvoll gibt und einem Wortgefecht nie abgeneigt ist. Und wenn er mal zu nett wird, ist da noch Ordnungsamtsleiterin Edith Merkes (Sabine Lorenz), die stets darauf achtet, dass Frau Mommsen ihre heilenden Hände nicht auf menschliche Körper legt.

Serie Wem die Figurenkonstellation bekannt vorkommt, hat wahrscheinlich mal „Ritas Welt“ mit Gaby Köster gesehen. Einen Grimme-Preis gab es dafür, gelacht wurde auch vor dem Bildschirm. Das war in den späten 1990ern. Heute wirken diese Klassifizierungen schlicht. Es fehlen Zwischentöne, es fehlt Tiefe.

Das kann man mit dem Hinweis auf den Sendeplatz natürlich entschuldigen. Am Vorabend ist Charakterzeichnung vielleicht weniger nötig, ja sogar unerwünscht. Wird ja noch gegessen nebenbei. Muss man mal was verpassen können, ohne gleich den Faden zu verlieren.

Aber witzig darf es sein, auch um diese Zeit. Ist es manchmal auch. Aber nicht oft genug. Manche Slapstickeinlage verkommt zu billigem Klamauk, die Dialoge des eigentlich guten Ensembles sind brav. Insgesamt geht es langsamer zu als in den 90ern. Gerade bei Frau Stratmann, die nach vielen Jahren TV-Abstinenz ihrer Angewohnheit treu bleibt, so betulich und überbetont zu sprechen, als rechne sie mit einer Horde Begriffsstutziger vor dem Bildschirm.

Überwiegend brav und langsam

Klar, viel kann sich entwickeln in den acht Folgen, die die ARD in den kommenden Wochen im Doppelpack zeigt. Aber schon nach den ersten 25 Minuten zeichnet sich ab, wohin es geht. Das ist alles kein Fiasko. Erst recht nicht, wenn man die Reihe mit dem vergleicht, was sonst so läuft am Vorabend in der ARD. Sie ist nur wenig innovativ. Trotzdem: Wer Stratmann mag, wird von ihr auch als Kuhflüsterin gut unterhalten. Alle anderen dürften abgeschaltet haben, bevor der Vorspann zu Ende ist.

Fazit: Leichte Kost am Vorabend, recht betulich in Szene gesetzt.

Freitag, 3. Juli, ARD, 18.50 Uhr