Die Frau, die den Wald schützt

Schleiden..  Großer Hut, viel Bart, und für’s Foto posiert er mit Flinte. Ein bisschen kauzig muss er schon gewesen sein, der weltweit erste Ranger Harry Yount (1837-1924) im Yellowstone-Nationalpark. Monatelang lebte er allein in der Wildnis, ohne eine Menschenseele. Was würde „Rocky Mountain Harry“ - wie sie ihn alle nannten - wohl dazu sagen, dass diese zierliche Frau in seine Fußstapfen tritt: Nina Lohr ist die erste Rangerin in Nordrhein-Westfalen, und zwar im Nationalpark Eifel.

Statt in Lederstiefeln steckt sie in Wanderschuhen - immerhin aus Leder. Ein kleines Taschenmesser reicht ihr völlig. Tee und Butterbrot hat sie als Tagesration im Rucksack. Sie trägt eine moderne, praktische Trekkinghose, Fleecejacke und das Fernglas am Riemen um den Hals. Die breite Krempe des wetterfesten Rangerhuts wirft einen leichten Schatten ins Gesicht. Der Hut, das ist eher Folklore, für die Besucher - gibt sie zwischen den Zeilen zu.

Die 33-Jährige ist im Nationalpark Eifel die einzige Frau unter 39 Rangern. Fragt man ihre Kollegen, alles Eifeler Kerle, was sie davon halten, dann nicken sie anerkennend. Holzhacken ist in etwa das einzige, was Nina Lohr lieber ihnen überlässt. Auch wenn sie mit der Motorsäge mal locker eine Fichte umlegt. Wie alle Ranger im Nationalpark Eifel ist sie ausgebildete Forstwirtin. Die können das.

Als Rangerin schützt Nina Lohr den Wald. Dafür muss sie sich aber nicht wie der legendäre Yount mit Wilderern und anderem üblen Gesindel anlegen. Die vereinzelten Umwelt-Rowdys, die sich im Nationalpark nicht an die Regeln halten, sind Sache der männlichen Ranger in der Nationalparkwacht. Mit dieser Seite des Berufs können sich Frauen wohl nicht so leicht anfreunden, meint Deutschlands Oberranger Frank Grütz. In den 90er Jahren waren 40 Prozent der Ranger in Deutschland weiblich, wegen der Rangerinnen im Osten. Jetzt sei bundesweit nur noch jeder vierte der 500 Ranger eine Frau.

Wildniscamp im Sommer

Nina Lohr arbeitet mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Umweltpädagogik des Nationalparks Eifel. „Es gibt Schüler, die waren noch nie im Wald“, sagt sie. Das Highlight ist für sie das Wildniscamp im Sommer: Eine Woche mit den Kindern, eine Woche draußen im Camp!

Dass die eher zurückhaltende Frau früher als Hotelfachfrau gearbeitet hat, mutet rückblickend wie eine Verirrung an. Danach machte sie eine Ausbildung zur Forstwirtin und zog mit der Motorsäge in den Wald. Dann die Zusatzausbildung und der Wechsel in den Naturschutz. Alle Ranger in NRW müssen aus einem „grünen Beruf“ kommen, alle waren vorher Forstwirt. Ein typisch männlicher Beruf.

„Toll, dass wir endlich eine Frau haben“, sagt die Ranger-Ausbilderin in NRW, Gertrud Hein: Ranger kennen zwar nicht die lateinischen Namen der Pflanzen, aber sie verstehen den Wald. „Und sie sprechen eine Sprache, die der Nationalparkbesucher versteht.“