"Die Eisläuferin" - Iris Berben spielt die Kanzlerin

Die Kanzlerin (Iris Berben) hält eine Rede in „Die Eisläuferin“.
Die Kanzlerin (Iris Berben) hält eine Rede in „Die Eisläuferin“.
Foto: © NDR/real film/Stephan Rabold
Was wir bereits wissen
Im Arte-Film„Die Eisläuferin“verliert Iris Berben in der Rolle der Kanzlerin Gedächtnis und Gespür für Politik. Streifen spielt mit Andeutungen.

Essen.. Eigentlich will die Kanzlerin nur einmal kurz aus ihrem Alltag ausbrechen, eine Spritztour in die Normalität wagen, doch dann kommt alles anders. Katharina Wendt (Iris Berben) erhält noch nicht einmal die Chance, ihre staatstragende Mimik und Gestik abzulegen – selbst beim Bötchenfahren trägt sie Raute –, da fällt ihr ein Schild auf den Kopf, und sie verliert ihr Gedächtnis. Es ist fatal: Die Machtpolitikerin weiß nicht mehr, dass sie eine ist, geschweige denn, wie Politik funktioniert.

Die Frisur, der magentafarbene Blazer sind kein Zufall. Man kann sich gut vorstellen, wie Iris Berben für die Politsatire des Schweizer Regisseurs Markus Imboden („Frau Rettich, die Czerni und ich“) Angela Merkel studierte. Von den manchmal steil nach unten weisenden Mundwinkeln bis hin zur etwas hüftsteifen Art und Weise sich zu bewegen. Ja, die Arte/ARD-Koproduktion „Die Eisläuferin“ spielt geradezu mit diesen kleinen Andeutungen. Sie lässt Katharina Wendt in Merkels Heimat Uckermark reisen, schickt sie Pirouetten drehend aufs Eis – Merkel hatte angeblich den Kindertraum, später einmal „Eisprinzessin“ zu werden – und lässt sie fließend russisch sprechen.

Desaster soll geheim bleiben

Frau Wendt also, die Filmkanzlerin, ist nun einfach nur noch die Frau von Hellmut (Ulrich Noethen), die jeden Morgen, wenn sie aufwacht, alles vergessen hat, die wie ein Mantra diesen einen Satz „Die Mauer muss weg!“ wiederholt. Sie wähnt sich in der DDR-Zeit, kennt weder Handys noch Euro und wundert sich über die Preise für Bananen. Für Kanzleramtsminister Dieter Kahnitz – Thomas Thieme, wunderbar als Karikatur eines rücksichtslosen Apparatschiks – ist das der Gau. Schließlich steht der Besuch des russischen Präsidenten an, darf die Öffentlichkeit nichts vom Desaster um die Kanzlerin erfahren.

Bleiben vier Wochen Sommerpause und der russische Wunderheiler Ivantschuk. Man ahnt, was geschieht. Die Kanzlerin trifft auf die Realität und sieht plötzlich manches anders als früher. Ein System droht aus den Fugen zu geraten. Die Dame schwenkt politisch nach links. Wirklich überraschend ist das alles nicht, aber durchaus amüsant.

Vor allem aber spielen Iris Berben und Ulrich Noethen sehr gekonnt die Kanzlerin und ihren Gatten. Noethen überzeugt in der Rolle des sich zurücknehmenden Mannes an ihrer Seite, dem der Zuschauer jedoch am Gesicht ablesen kann wie unzufrieden er mit dieser Ehe, mit seiner Situation ist.

Fazit: Eine leichte, aber durchaus amüsante Unterhaltung, die nicht den Anspruch hat, Politik zu entlarven, sondern bekannte Klischees bedient.

Freitag, Arte, 20.15 Uhr