Die Einsiedler aus dem Plattenbau

Berlin..  Da liegt sie nun schon eine ganze Weile. Maden kriechen über die Herdplatte, Fliegen belagern das Fenster. Auf dem Boden: Die Leiche von Heidi Kuttner. Ihr wurde der Schädel eingeschlagen. „Und keine Sau interessiert’s“, sagt Verena Berthold.

Ein neuer Fall für das „starke Team“. Diesmal muss sich das Duo aus Otto Garber (Florian Martens) und Verena Berthold (Maja Maranow) mit dem Leben der Einsiedler eines anonymen Berliner Plattenbaus auseinandersetzen. Das ZDF strahlt „Stirb einsam!“ als inzwischen 61. Folge der losen Krimireihe heute um 20.15 Uhr aus.

Einsam sind alle Figuren dieser Episode auf irgendeine Weise. Da wäre die Tote selbst. Gerade hat sie noch eine üppige Sahnetorte gezaubert, da haut ihr jemand eine Schneekugel über den Kopf. Die Mordwaffe ist nur eine von vielen scheußlich kitschigen Home-Shopping-Bestellungen, die die Regale ihrer Wohnung säumen.

Zu viele Katzen

Neben Nussknackern und Porzellanpuppen findet sich auch eine Figur von Lady Di. Ein schöner Kontrast zu den Maden und den Fliegen. Kuttner war alleinstehend, aber für wen hat sie den Kuchen gemacht? „So ‘ne Mühe machst du dir nicht, wenn du den alleine essen willst“, sagt Berthold.

Bei ihren Ermittlungen im Plattenbau stößt das Duo schnell auf den Katzenmann alias Kevin Lang (Christian Näthe). Auch so ein einsamer Vogel. Er hätte ein Motiv, denn Kuttner hat ihn bei der Hausverwaltung angeschwärzt. Wegen des Gestanks, zu viele Katzen. Ziemlich schnell stellt sich heraus, dass er neben den Miezen auch Hanfpflanzen in seiner Wohnung hortet.

Und ja, er war tatsächlich in Kuttners Apartment. Da lag sie aber schon tot auf dem Boden. Also geht die Suche weiter. Da wäre noch der arbeitslose Georg Nader. Er beobachte seine Nachbarn genau, sagt er. „Man kann nie vorsichtig genug sein.“ Auch er scheut die Menschen. „Selbst gewählte Einsamkeit ist die schönste Insel.“

Kannte er die Tote doch besser, als er sagt? Hatten sie gar etwas miteinander und lebten nur nicht zusammen, um die Ämter zu täuschen? Darauf gibt es Hinweise, auch weil beide dieselbe Blümchendose haben. Doch dann wird auch Nader tot gefunden. Erstochen, mit einer ganz normalen Haushaltsschere. Ein Serienkiller also? Jemand, der es auf alleinstehende Leute abgesehen hat? „Wenn es danach geht, kann er ja gleich das ganze Haus ausrotten“, sagt Garber.

Manchmal ist es ein bisschen viel Einsamkeit in dieser Folge. Und auch die Figuren sind stark überzeichnet. Ihre Dialoge sind trotzdem ziemlich witzig. „Ein starkes Team“ behauptet sich seit 20 Jahren im Krimi-Geschäft des deutschen Fernsehens. Die 60. Folge sahen im Januar 6,80 Millionen Zuschauer.