Die Cebit beginnt - bloß was bedeutet "Shareconomy"?

Eine Frau auf dem Stand von IBM in einem virtuellen Raum auf der Messe Cebit. Tausende Besucher können sich bis Sonntag auf der weltweit größten Computermesse über neue Trends informieren.
Eine Frau auf dem Stand von IBM in einem virtuellen Raum auf der Messe Cebit. Tausende Besucher können sich bis Sonntag auf der weltweit größten Computermesse über neue Trends informieren.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Was wir bereits wissen
Auf der weltgrößten Computermesse Cebit in Hannover geht es bis zum kommenden Sonntag längst nicht mehr nur um Computer. Der größte Trend hat etwas Nachbarschaftshilfe via Internet zu tun und hat einen merkwürdigen Namen: Shareconomy.

Hannover.. Früher hat man ja gerne von der „Chip-Show an der Leine“ gesprochen. Wegen des Flusses, der durch Hannover fließt. Heute sagt man lieber „weltgrößte Computermesse“, wenn man von der Cebit spricht. Dabei geht es – von heute bis zum kommenden Sonntag – längst nicht mehr nur um Computer. Denn Hardware-Neuheiten lassen sich in Zeiten des Internets mittlerweile kaum noch bis zu einem Messetermin zurückhalten. Trends aber gibt es gleich mehrere.

Shareconomy

Der Größte in diesem Jahr trägt den merkwürdigen Titel „Shareconomy“. Ein Kunstwort, das sich vom englischen „to share“ ableitet und sich etwas frei mit „Ökonomie des Teilens“ übersetzen lässt. In der virtuellen Welt ist das in manchen Bereichen fast schon ein alter Hut. Längst gibt es dort etwa Musikdienste wie Spotify oder Napster mit Millionen von Liedern, die man gegen Gebühr hören aber nicht herunterladen kann.

Und in Bewertungsportalen – ob für Bücher, Hotels oder Ärzte – teilen Nutzer ihre Erfahrungen, vermitteln Wissen oder Kontakte. Im Grunde wie bei der guten alten Nachbarschaftshilfe. Nur dass die Nachbarschaft im Netz viel größer ist und auch am anderen Ende der Welt sitzen kann.

Nun aber soll die virtuelle mit der realen Welt verschmelzen. Schließlich lässt sich auch im echten Leben vieles leihen oder tauschen. Und warum für die paar Löcher beim Umbau des Wohnzimmers eine teure Bohrmaschine kaufen, wenn jemand am anderen Ende der Stadt sie verleiht? Jedenfalls wenn sich dieser Jemand über ein spezielles Internetportal auch schnell finden lässt. Teilen statt haben, mieten statt kaufen. „Auf der Cebit sind dazu unheimlich viele Lösungen zu finden“, sagt Messesprecherin Gabriele Dörries.

„Carzapp“ ist eine davon. Bei diesem Dienst kann jeder seinen Wagen vermieten, wenn er ihn gerade nicht braucht. Dazu wird kostenlos ein GPS-Schließsystem eingebaut, als Schlüssel für Mieter dient eine Smartphone-App. Zugegeben, Angebote wie diese sind für den Besitzer eines zehn Jahre alten Kleinwagens wahrscheinlich attraktiver als für den Eigentümer einer gerade erworbenen Limousine. Und ob Wohnung, Auto oder Hochdruckreiniger – wer bei „Shareconomy“ mitmachen will, braucht vor allem eines: Vertrauen.

Big Data

Angeblich auch ein Thema. Zumindest für Firmen und Behörden. „Big Data“ steht für die Datenberge, die die digitale Welt produziert. Die werden immer höher. Suchanfrage bei Google, hochgeladene Videos bei Youtube, Kommentare auf einer Nachrichtenseite – jeden Tag werden weltweit angeblich 2,5 Exabyte an Daten produziert – eine Zahl mit 18 Nullen.

Um sie zu speichern, hat neulich mal jemand ausgerechnet, müsste man rund 500 Millionen DVD brennen. Wie man diese Datenmengen strukturiert, und ob und wie sich mit diesen Daten Geld verdienen lässt, ist auf der CeBit ebenso ein Thema, wie die Frage nach der Datensicherheit. Experten von Google, Amazon oder Facebook dürften da allerdings kaum etwas Neues erfahren.

Internet der Dinge

Klingt komisch, lässt sich aber relativ leicht erklären. Im Internet der Dinge kommunizieren nicht nur Menschen miteinander, sondern auch Menschen mit Maschinen oder Maschinen mit Maschinen. Die Paketverfolgung über das Internet oder Druckerpatronen, die automatisch ihren Füllstand melden, sind erste Vorboten des neuen Trends.

Joyn Künftig sollen nahezu alle Dinge des täglichen Lebens internetfähig sein. Autos könnten sich dann automatisch vor Nebel und Glatteis warnen, Teppiche den Notruf wählen, wenn eine Person fällt und regungslos liegen bleibt. Und der Kühlschrank ist auch nie mehr leer, weil er automatisch Wurst und Käse nachbestellt.

Die eigentliche Technik steht längst, die Feinheiten müssen noch justiert werden. Damit der Teppich nicht Alarm schreit, wenn Bello sich für ein Schläfchen auf ihm ablegt. Oder der Kühlschrank nicht nachordert, was einem nicht geschmeckt hat.

Und sonst?

Natürlich gibt es auch neue Hardware in Hannover zu sehen. Das meiste aber ist sehr teuer oder noch gar nicht zu kaufen. Nichtsdestotrotz wird man bei Mobiltelefonen in den Messehallen immer wieder auf die Begriffe „tough“ und Phablet treffen. Letztere heißen beispielsweise Samsung Galaxy Note II, HTC One oder Sony Experia Z, sind eine Kombination aus Tablet und Handys – also Smartphones mit Riesendisplays (ab fünf Zoll). Die lassen sich zwar gut bedienen, sehen beim telefonieren aber etwas albern aus.

Computer-Messe Cebit Und die kleineren Versionen sind immer öfter nicht mehr nur smart sondern eben auch tough, also hart im Nehmen. Das heißt, sie gehen nicht beim ersten Fall aus der Hemdtasche zu Bruch und bei Regen nicht kaputt.

Verstärkt im Angebot sind auf der Cebit zudem so genannte 3-D-Drucker, die einmal programmiert – Gegenstände wie Schmuck, kleines Spielzeug oder Ersatzteile ausspucken. Und von neuen Brillen ist auch die Rede. Die heißen jetzt aber Smartglasses, sind ständig mit dem Internet verbunden und liefern zu allem, was man gerade sieht Zusatzinformationen aus dem Netz. Google ist da am weitesten, aber auch andere Prototypen sind in Arbeit.