„Die Adoption“ schafft neues Elend

Angst und Tränen: Mashos erste Nacht mit ihren Adoptiveltern.
Angst und Tränen: Mashos erste Nacht mit ihren Adoptiveltern.
Foto: SWR/Henrik Ipsen
Was wir bereits wissen
Arme Eltern in Afrika geben ihr Kind zur Adoption frei, gut situierte Europäer erfüllen sich den Kinderwunsch. Das klingt einfach. Doch genau das ist es nicht.

Essen.. DOKU Sandra Maischberger macht Sommerpause, und das schafft Platz für Dokus. Der Film der dänischen Filmemacherin Katrine W. Kjaer zeigt die Stärken des Genres. Sie begleitete über vier Jahre hinweg ein dänisches Paar, das ein äthiopisches Mädchen adoptierte. Aber sie interessierte sich auch dafür, was seine leiblichen Eltern dazu bewog, ihr Kind wegzugeben. Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das nur Gewinner kennt, erweist sich bei längerer Betrachtung als hochproblematisch.

Fallbeispiel steht für ein grundsätzliches Problem

Obwohl der 90-Minüter nur ein Fallbeispiel zeigt, lässt sich seine grundsätzliche Bedeutung erahnen. Wenn Eltern ein Kind zur Adoption freigeben, geht es nicht nur um die Lösung materieller Probleme. Vielmehr spielen auch Schuldgefühle eine wichtige Rolle. Umgekehrt verbinden Adoptiv-Eltern mit der Aufnahme eines nicht-leiblichen Kindes Glückserwartungen. Wenn sie nicht erfüllt werden, weil es neben familiären Hürden auch noch kulturelle gibt, kommen Enttäuschung, Frust und vielleicht sogar Wut auf.

Der Film zeigt eine Menge Emotionen, gerade dann, wenn er besonders leise ist.

Dienstag, ARD, 22.45 Uhr