Deutsche Fernsehprominenz im Revier

Marl..  Einmal im Jahr glänzt Marl - wenn der Grimme-Preis verliehen wird. Doch diesmal, am Tag drei nach dem schrecklichen Absturz des Germanwings-Fliegers, lag ein Schatten über der Gala für wegweisendes Fernsehen. Marl trauerte mit der Nachbarstadt Haltern um die ums Leben gekommene Schülergruppe und ihre beiden Lehrerinnen.

Deshalb begann die 51. Preisverleihung im Stadttheater zehn Minuten früher als gewohnt. Der nicht immer souveräne Moderator Jörg Thadeusz bereitete das Publikum darauf vor, es gebe diesmal „nicht das große Ramba-Zamba“. Marls Bürgermeister Werner Arndt bat anschließend darum, der Toten stehend und schweigend zu gedenken.

Folgerichtig beherrschten nachdenkliche Töne einen guten Teil der Veranstaltung. Die Auszeichnung von Max Uthoff und Claus von Wagner bewegte das Publikum. Die beiden Kabarettisten nutzte im vorigen Herbst eine Ausgabe des ZDF-Formats „Die Anstalt“ dazu, die Sendung mit dem Auftritt eines syrischen Flüchtlingschores abzuschließen.

Dennoch trug die Gala nicht nur Trauer. Dafür sorgte allein Pianist und Sänger Marc Scheibe, der sich auf dem roten Teppich vor dem Theater Stichworte für einen launigen Spontan-Song geholt hatte.

Ein wahrhaft Großer machte sich klein: Ulrich Tukur gab das Lob für den außergewöhnlichen „Tatort: Im Schmerz geboren“ an Regisseur, Drehbuch-Autor und die Redaktion des zuständigen Hessischen Rundfunks weiter. Ulrich Matthes, Tukurs Widerpart, freute sich darüber, in dem Krimi auftreten zu dürfen wie in einem Italo-Western, den er in Jugendtagen liebte.

Schon vor der Preisverleihung, beim Pressetreff, hatte Matthes launig zum Besten gegeben, wie er von der Ehrung erfahren hatte: beim Museumsbesuch. Er musste flüstern - ein Museumswärter gab ihm exakt zehn Sekunden.

Die besondere Ehrung von Grimme-Gesellschafter Deutscher Volkshochschulverband ging an zwei Auslandskorrespondenten: Dietmar Ossenberg (ZDF) und Ina Ruck (ARD) vereinten große weite Welt und kleine Heimat Ruhrgebiet. Kairo-Kenner Ossenberg stammt aus Recklinghausen, Moskau-Frau Ruck aus Unna.

So getragen die Gala begann, so beschwingt endete sie. Die Dramaturgie beschränkte sich aufs Wesentliche. Die neue Grimme-Chefin Frauke Gerlach und der neue Grimmepreis-Referent Steffen Grimberg beherzigten das Fernseh-Grundgesetz: Eine gute Geschichte muss in 90 Minuten erzählt sein.